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Gepostet on 7 Mrz 2017 in Aktuelles aus der Diözese, Apostolischer Administrator, Diözese, Publikationen, Slide

„Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen”: Brief an die Diözese von Erzbischof Pizzaballa

„Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen”: Brief an die Diözese von Erzbischof Pizzaballa

Brief an die Diözese

“Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen”

(2 Kor 4,7)

 

Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,

Liebe Brüder und Schwestern, Gläubige unserer Pfarreien und Ordensgemeinschaften,

„Die österliche Bußzeit ist ein Neuanfang, ein Weg, der zu einem sicheren Ziel führt: zum Pascha der Auferstehung, zum Sieg Christi über den Tod. Und immer richtet diese Zeit eine nachdrückliche Einladung zur Umkehr an uns: Der Christ ist aufgerufen, » von ganzem Herzen « (Joel 2,12) zu Gott zurückzukehren, um sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufriedenzugeben, sondern in der Freundschaft mit dem Herrn zu wachsen. Jesus ist der treue Freund, der uns nie verlässt.” Mit diesen Worten beginnt der Papst seine Botschaft an die Gläubigen.

Seit dem  15. Juli 2016 bin ich an die Spitze des Bistums als Apostolischer Administrator gestellt. In den letzten Monaten versuchte ich unsere gemeinsame Realität, die Realität des Lateinischen Patriarchats, zu verstehen und darin Fuß zu fassen. Seit 170 Jahren spielt das Patriarchat eine wichtige Rolle im Leben der Christen im Heiligen Land und das bis heute.  Unsere Gemeinden, unsere Schulen und viele andere Institutionen haben viel zum Leben der Christen in diesen Ländern beigetragen und unser Zeugnis für Christus und seine Auferstehung von den Toten gestärkt.  Wir alle wissen jedoch, dass die Ernennung eines Apostolischen Administrators, der nicht aus dem Klerus des Lateinischen Patriarchats stammt, unerwartet kam und für viele eine Überraschung war. Dies führt uns zu dem Schluss, dass nicht alles in Ordnung ist. Und in der Tat wurden Fehler gemacht, die das Leben des Patriarchats in finanzieller und administrativer Hinsicht verletzt haben, insbesondere im Hinblick auf die American University von Madaba. Wir haben in einigen wichtigen Bereichen Fehler gemacht, vielleicht weil wir uns nicht genug auf unsere primäre Aufgabe konzentriert haben: das Evangelium zu predigen und uns den pastoralen Aufgaben zu widmen.

Seit Juli letzten Jahres treffe ich mich mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien, und besuchte viele Teile des Bistums. Dabei habe ich zahlreiche ermutigende und hoffnungsvolle Dinge entdeckt, aber ich habe auch bemerkt, dass wir Probleme haben, die zu meiner Ernennung zum Apostolischen Administrator geführt haben, bis ein anderer Patriarch ernannt werden kann; Probleme,  die wir mit Ehrlichkeit, Mut, Entschlossenheit und brüderlicher Liebe angehen müssen und natürlich im festen Glauben an den HERRN, der uns führt. Eine Krise kann ein Ort des Todes sein, aber mit der Hilfe des Heiligen Geistes, auch ein Ort neuen Lebens, der Auferstehung. Dies ist es wofür wir uns einsetzen, hoffen und beten.

Ich möchte mit Ihnen meine Freude in dieser Fastenzeit darüber, dass ich diesen sehr wichtigen Weg im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem begonnen habe, teilen. Ich hatte beschlossen, kurz vor dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit, alle Priester des Lateinischen Patriarchats einzuberufen. Ich fühlte, dass ich nun bereit war, mit den Priestern einige meiner Erkenntnisse der letzten Monate zu teilen und selbst aufmerksam ihre Anregungen und Meinungen zu hören. So trafen sich die Priester am Montag, den 27. Februar, und Dienstag, den 28. Februar im Gästehaus der Rosenkranz Schwestern in Fuheis, Jordanien. Wir haben uns vor allem auf folgende Themen konzentriert: das Leben des Lateinischen Patriarchats mit besonderem Augenmerk auf das Leben und die pastoralen Aufgaben der Priester; die finanziellen Probleme und deren mögliche Lösungen; die Vorbereitung eines internen Regelwerks für unsere Verwaltung.

Ich kann Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, Gläubige aller Pfarreien, versichern, dass sie mit all Ihren Schwierigkeiten, all Ihrem Leid und Ihren Hoffnungen auf vielerlei Weise in unseren Diskussionen und unserem Austausch präsent waren.

Die erste große Freude bestand darin, dass alle Bischöfe und Priester, jung und alt, denen es möglich war, auch wirklich gekommen sind, und zwar sowohl aus Jordanien als auch aus Palästina, Israel und sogar aus den Golfstaaten. Sie kamen mit dem Wunsch zuzuhören, zu lernen und auch sich selbst zu äußern. So  verbrachten wir zwei Tage mit tiefgehenden und bedeutungsvollen Gesprächen über unser geliebtes Patriarchat, über unsere Berufung und Sendung, aber auch über die Fehler, die uns vor allem finanziell in eine kritische Situation geführt haben.

Die zweite Freude bestand darin, zu sehen, dass sich alle bemühten, diese Probleme zu analysieren, mit dem festen Willen, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und sich für die notwendigen Schritte einzusetzen,  um wieder auf den richtigen Kurs zu gelangen. Es war rührend einen Priester zu hören,  der laut und deutlich sagte: “Die Zeit ist gekommen, unsere persönliche Verantwortung anzuerkennen und einen Neuanfang zu starten.” Ein anderer bemerkte: “Wir müssen herausfinden, wie wir diese schmerzliche Realität in Gnade umwandeln können”. Ich glaube, er meinte die Gnade eines „Neuanfangs“, die Verheißung der Auferstehung, die über dem Leiden und Sterben steht, die viele von uns gerade jetzt erleben. Wir haben eine Menge zu tun. Jetzt ist der Moment gekommen, mit Reformen, Wiederaufbau und Erneuerung in einigen Bereichen unserer Verwaltung zu beginnen, aber nicht nur das. Neben anderen Schlussfolgerungen sind wir übereingekommen, uns noch stärker auf unsere pastoralen Aktivitäten zu konzentrieren und  z. B. neue Diözesan Büros für die pastorale Arbeit zu eröffnen, die unseren pastoralen Dienst an der Gemeinschaft koordinieren und vereinheitlichen sollen.

Obwohl ich als Apostolischer Administrator die Befugnis habe, bestimmte finanzielle und administrative Realitäten zu ändern, bin ich mir bewusst, dass die Situation nicht geändert werden kann, wenn wir nicht zusammenarbeiten. Es ist nicht das erste Mal in unserer Geschichte, dass wir ernste Probleme angehen müssen, und in der Vergangenheit waren wir immer in der Lage, die Schwierigkeiten mit der Hilfe Gottes zu lösen. Nach diesen zwei Tagen mit unseren Bischöfen und Priestern kehre ich zuversichtlich zurück. Der Weg, den wir vor uns haben, ist zweifellos schwierig, die Herausforderungen sind enorm und die Hürden sind groß.  Aber diese zwei Tage haben mich davon überzeugt, dass, wenn wir zusammen arbeiten, mit dem Schwerpunkt auf unserer Mission, Christus in seiner Kirche zu dienen,  wir diesen Moment überwinden können. Ich glaube, dass unsere Bischöfe und  Priester  dazu bereit sind, “den guten Kampf zu kämpfen” und mutig diesen Weg, mag er noch so schwer sein, zu gehen. Dank Gott und ihrem guten Willen beginne ich die Fastenzeit mit einem Gefühl der Erleichterung, Dankbarkeit und neuer Energie, die ich mit Ihnen teilen möchte.

Am Ende unseres Treffens baten mich die Priester, mit Ihnen auf transparente Weise die derzeitigen Schwierigkeiten, die ja schon bekannt sind, zu teilen, und  Ihnen aber gleichzeitig unsere Entschlossenheit, diese, mit Gottes Hilfe und vollem Einsatz zu lösen, kundzutun.

Ich bitte Sie, während der Fastenzeit dafür zu beten, dass wir Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, Männer und Frauen, jung und alt  tatsächlich zusammenarbeiten können. Genauso wie das “apostolische Leben” der ersten Gemeinschaft der Gläubigen in Jerusalem,  müssen auch wir “ein Herz und eine Seele” (Apg 4,32) sein, zuversichtlich, dass der Herr uns weiterhin unterstützt und hilft in dem Werk, das er vor 170 Jahren begonnen hat.

Die Fastenzeit ist ein Weg der Umkehr. Wir, die Bischöfe und Priester des Patriarchats, gehören zu den Sündern, die Gottes Gnade erflehen und um die Gnade der Bekehrung bitten. Wir haben unsere Fehler und falschen Urteile klar vor Augen, wie der Psalmist sagt (Psalm 50 (51), v. 5). Wir müssen zugeben, dass wir die Gefäße zerbrochen haben. Viel war uns anvertraut worden, aber in unserer menschlichen Gebrechlichkeit haben wir zugelassen, dass viel davon verloren ging. Auf der anderen Seite wissen wir, dass der Herr in seinem Heilsplan zerbrechliche Gefäße als Werkzeuge für die Vorsehung benutzt. Der heilige Paulus macht klar: “Denn Gott, der sprach:” Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen: so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; “(2 Kor 4, 6-8).  Wir können sicher sein, dass der Schatz, der uns gegeben wurde, leuchten wird, auch wenn wir zerbrechliche Gefäße sind.

Brüder und Schwestern, vereint im Gebet bereiten wir uns darauf vor, dem Herrn in Jerusalem zu folgen. Ja, der Weg wird schwierig sein, aber lassen Sie mich mit Ihnen die Zuversicht teilen, dass, wenn wir ausharren, im Lichte seiner Auferstehung erscheinen werden!

Möge der Herr Sie alle auf diesem Weg in dieser österlichen Bußzeit segnen!

Jerusalem, den 3. März 2017

†Pierbattista Pizzaballa

Apostolischer Administrator

Übersetzung aus dem Italienischen