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Gepostet on 21 Dez 2016 in Apostolischer Administrator, Rede und interviews, Slide

Weihnachtspressekonferenz im Lateinischen Patriarchat 2016

Weihnachtspressekonferenz im Lateinischen Patriarchat 2016

 

Weihnachtspressekonferenz

Dezember 2016

Ich möchte Ihnen danken für Ihre Anwesenheit hier und heute im Lateinischen Patriarchat, und im Namen der Weltkirche wünsche ich Ihnen ein Weihnachten voller Segen, Freude und Liebe. In unserer Region, die von Kriegen, Gewalt und Ungerechtigkeit umgeben ist, kann uns unser Gott, der als Kind kommt, vieles lehren.

Advent, die Zeit, die auf Weihnachten zuführt, ist eine Zeit der Vorbereitung auf die Überraschungen Gottes. Wir wissen, dass Er kommt und wir wollen darauf vorbereitet sein, ihn mit offenen Händen und Herzen willkommen zu heißen. Vor 2000 Jahren überraschte er uns, als Er als Kind zu uns kam, eingewickelt in Windeln und ausgesetzt in einer Krippe liegend. Zu Weihnachten denken wir an dieses unglaubliche Geschenk für die ganze Menschheit. Aber es ist nicht nur eine Zeit der Erinnerung, sondern auch eine Zeit der Vorbereitung, weil wir wissen, dass er kommen wird und uns ziemlich sicher wieder überraschen wird. Wir brauchen die Überraschungen Gottes. Mit diesen Überraschungen öffnet uns Gott den Horizont und bringt uns die Nachricht, die unsere Welt und unser Leben verändern kann.

Dieses Jahr, das gerade zu Ende geht, war ein schwieriges Jahr, und mehr denn je müssen unsere Horizonte erweitert und unsere Hoffnungen erneuert werden.

  1. Die Situation der Christen in Syrien, im Irak und in Ägypten ist eine absolute Tragödie. In diesen Ländern, den Wiegen unserer Kultur, scheint der Teufelskreis der Gewalt, der dort herrscht, hoffnungslos und endlos. Wir alle sahen die Bilder aus Aleppo vergangene Woche, aber auch die aus der gesamten Region während der langen Jahre des Konfliktes. Syrien und der Irak sind zerstört. Kriege und der Weg der Gewalt konnten nicht Frieden und Gerechtigkeit bringen, sondern führten nur zu mehr Gewalt, Tod und Zerstörung. Diese schrecklichen Kriege werden blind angetrieben von Waffenhandel, dem Spiel der Machtinteressen, von unerbittlichem Fundamentalismus. Friede würde politische Verhandlungen und Lösungen implizieren. Eine Armee kann den Krieg gewinnen, aber zum Aufbau braucht man Politik. Und wir sehen sie nicht. Viele Interessen sind in diesen Kriegen am Werk, aber schlussendlich sind es die Armen und Machtlosen, die dafür zahlen, und sie haben schon zu viel gezahlt.
  2. In unseren Diözesen, in Jordanien, nahmen wir Tausende von Flüchtlingen auf, Christen, die sich entschlossen, zu ihrem Glauben zu stehen, aber auch Moslems, sie alle liefen um ihr Leben. Ihre Angst, ihr Durst nach Frieden sollte auch der Unsere werden.
  3. In Ägypten lebt die christliche Gemeinde unter ständiger Bedrohung, wie wir letzte Woche bei der Bombardierung einer Kirche in Kairo sahen, 25 Menschen wurden getötet, während sie den Sonntagsgottesdienst besuchten. Es ist Zeit, dass wir unsere Augen zu dem Einzigen erheben, der uns retten kann. Wir tragen unseren Teil der Verantwortung an diesen zerstörerischen Tragödien: wir können nicht weiterhin nur über Dialog, Gerechtigkeit und Frieden reden. Worte sind nicht genug. Wir müssen die Armut und die Ungerechtigkeit bekämpfen und ein fortwährendes Zeugnis der Barmherzigkeit geben, um der Welt die Liebe und Zärtlichkeit unseres Gottes zu enthüllen.
  4. Unsere Situation im Heiligen Land findet ihren Nachhall in der ganzen Welt, die sich wachsendem Extremismus und Fundamentalismus gegenüber sieht. Überraschend ist, dass dieser Fundamentalismus in der jungen Generation verwurzelt ist. Wir haben in diesem Jahr einige Akte von Vandalismus gegenüber Christen, Friedhöfen und Kirchen verurteilt. Wir wollen nicht nur unsere Stimmen erheben, um solche Taten zu kritisieren, sondern wir möchten dabei helfen, Lösungen zu finden, die Probleme an den Wurzeln zu packen, indem wir der jungen Generation eine bessere Zukunft bieten. Erziehung ist in unserer Sicht fundamental. Sie ist die wirkliche Basis des Aufbaus einer besseren Zukunft für alle. Trotzdem durchlaufen unsere Schulen in Israel gerade eine nie dagewesene Krise und bis jetzt wurde keine konkrete Lösung angeboten.
  5. Unsere Zukunft scheint verzerrt. Es fehlt uns eine Vision. Die beständigen Hindernisse für Frieden in Israel und Palästina und das Fehlen eines Dialogs und Engagements für wahren Frieden, der auf Gerechtigkeit und Sicherheit aufbaut, sind offensichtlich. Als Ergebnis des Mangels an Einheit und des Mangels an Vision auf beiden Seiten scheint es, dass Hass und Gewalt über Vernunft und Dialog vorherrschen. Falsche Ansprüche und Egoismus sollten beiseitegelassen werden, Politiker sollten mit Mut auf ihre Leute schauen, die leiden und nach Frieden und Gerechtigkeit für alle streben. In Cremisan nahe Bethlehem wurde die Mauer nach einem langen Kampf gebaut trotz mehrfacher Anrufungen der Israelischen Behörden. Die Enteignung des Landes christlicher Familien ist eine Beschlagnahme ihres Erbes.
  6. Auch in Israel nehmen wir Universalkirche Tausende von Fremdarbeitern auf und sorgen für sie, viele von ihnen Christen. Wir versuchen, Hoffnung zu geben, wieder vor allem mit besonderer Aufmerksamkeit für die Kleinen, die Machtlosen, die Kinder. Unlängst haben wir für sie eine neue Tagesbetreuungsstätte in Jerusalem eröffnet.
  7. Angesichts so vieler Probleme müssen wir unsere Verantwortung übernehmen, wir müssen weiter daran arbeiten, eine Mentalität für den Frieden zu schaffen. Unsere Ortskirche hier im Heiligen Land erkennt auch ihr eigenes Bedürfnis nach spiritueller Erneuerung und tritt ein in eine Periode der Reform, was Organisation, Administration und Pastoralarbeit betrifft.
  8. Und hier können wir unsere Augen erheben und etwas Licht am Horizont Papst Franziskus führt uns und bringt uns gute Nachrichten. Auf der internationalen Bühne, in dem tatsächlichen politischen Aufruhr, dem sich die Welt gegenüber sieht, spricht der Papst die einzige klare und prophetische Stimme, die wir hören und der wir vertrauen können. Wir können seine Stimme erkennen als die des Guten Hirten. Seine Botschaft ist universal.
  9. Das Jahr der Barmherzigkeit, das er uns zu leben anbot, hat uns wieder auf unsere Mission fokussiert, unser Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit zu stärken, weil er nie müde wird, uns zu vergeben. Gott ist der Vater aller, er wartet immer auf uns und kommt uns entgegen. Innerhalb der Kirchen müssen wir weiterhin auf die Einheit
  10. Die Restaurierungen des Grabes Jesu und der Geburtskirche in Bethlehem, die beide durch die Zusammenarbeit verschiedener Konfessionen realisiert werden, geben uns großartige Beispiele davon, dass wir nur gemeinsam auf dem Felsen bauen können. Als eine Kirche werden wir weiterhin ohne Unterbrechung mit denjenigen guten Willens zusammenarbeiten – mit Juden, Moslems und Glaubenslosen – um Brücken zu bauen, den Ärmsten zu helfen, unsere Kinder zu erziehen, Flüchtlinge und Obdachlose willkommen zu heißen.

Abschließend möchte ich betonen, dass wir trotz allem Hoffnung haben. Diese Hoffnung ist das Licht, das uns immerzu durch die Dunkelheit und Verwirrung dieser Region und der ganzen Welt leitet. Unsere gebrochenen Herzen sollten bereit sein für Überraschungen. Und Weihnachten ist wirklich die Zeit, unseren Glauben an den Gott der Überraschungen zu erneuern, wenn wir nach Bethlehem gehen, um einen offensichtlich machtlosen Gott zu verehren: das Kind Jesus. In unseren Gebeten tragen wir jetzt und immer diese verwundete Welt.

+ Pierbattista Pizzaballa

Apostolischer Administrator

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