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Gepostet on 30 Mai 2016 in Liturgisches Leben, Patriarch, Predigten FT, Slide

Patriarch Twals Predigt zum Fronleichnamsfest und zu seinem Goldenen Priesterjubiläum

Patriarch Twals Predigt zum Fronleichnamsfest und zu seinem Goldenen Priesterjubiläum

 

JERUSALEM – Am Donnerstag, den 26. Mai 2016, zum Fronleichnamsfest und dem Dankgottesdienst, der in der Grabeskirche gefeiert wurde, hielt Seine Seligkeit Fouad Twal eine Predigt, in der er Gott für die 50 Jahre seines Priesteramtes dankte.

FESTGOTTESDIENST ZU FRONLEICHNAM

Goldenes Jubiläum der Priesterweihe

Basilika zum Heiligen Grab, 26. Mai 2016

Liebe Brüder und Schwestern,

Danke, dass Sie so zahlreich zu unserem Gottesdienst zu Fronleichnam an diesen heiligen Ort gekommen sind, der nur wenige Meter entfernt ist von der Stelle, an der unser Erlöser seinen Leib opferte und sein Blut vergoss in dem letzten Opfer für all unsere Sünden.

Das Fronleichnamsfest ist untrennbar von der Messe des Letzten Abendmahles, die hier vor dem leeren Grab gefeiert wurde, und in der wir uns an die Einführung der Eucharistie erinnern. Am Abend des Gründonnerstages denken wir an das Mysterium Christi, der sich uns selbst anbot im gebrochenen Brot und im vergossenen Blut. Und heute, am Fronleichnamsfest, ist uns das gleiche Mysterium zur Anbetung und Meditation gegeben.

Die Hostie, die wir in der Prozession hier um die Ädikula und in vielen anderen Prozessionen in Pfarren von Städten und Dörfern tragen, erinnert uns an den auferstandenen Christus, der mitten unter uns geht. Er ist bei uns und führt uns zum Himmlischen Königreich: Christus vincit Christus regnat.

Im Gründonnerstagsgottesdienst denken wir daran, wie in der Eucharistie die Gaben der Erde – Brot und Wein – verwandelt werden, die unser Leben verändern. In dem wir „alle satt“ (Luk 9:17) sind durch Christi Leib, sind wir ein Körper und, so beginnen wir die Verwandlung unserer Gemeinden und unserer Welt, die den Frieden nicht finden oder erreichen kann….Die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ist das Geschenk, das Christus uns gegeben hat, ein Geschenk der Liebe, stärker als der Tod, eine göttliche Liebe, die das Fleisch verklärt und den Tod erhöht.

Der Ausdruck „die Kommunion empfangen“ ist schön und sehr stark. Er lässt uns zur Kommunion mit dem Herrn selbst und den Menschen zurückkehren, in den Worten des Hl. Paulus: „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ (1Kor 10:16-17)

Die leibliche Nahrung, die wir zu uns nehmen, trägt zum Wachstum unseres Körpers bei, während die Nahrung, die wir in der Eucharistie zu uns nehmen, die Kommunion, uns zu Mitgliedern des gleichen mystischen Körpers macht, die Kommunion macht uns zur Kirche.

Daher eint uns die Eucharistie einerseits mit Christus und andrerseits öffnet sie uns für andere und macht uns zu gemeinsamen Gliedern. Die eucharistische Kommunion vereint mich mit der Person neben mir, mit der Person, die ich auf der Straße treffe und auch mit den Brüdern und Schwestern auf der Welt. Wie wir Christus folgen, der sich uns hingab, so bittet uns der Herr besonders, uns selbst als Nahrung für die vielen zu geben: „Gebt ihr ihnen zu essen“ (Luk 9:13)

Angesichts der Bedürfnisse der hungrigen Menge bieten die Jünger die Lösung an, die Menge wegzuschicken und dass sie sich um sich selbst kümmern! Wie oft erleben wir, als Christen, die Versuchung, Menschen, die an unsere Tür klopfen wegzuschicken.

Die Lösung, die Jesus anbietet, geht in eine andere Richtung: „Gebt ihr ihnen zu essen“ [1] Und auch wenn wir nichts anzubieten haben, wir selbst hungrig sind mit nur „5 Broten und zwei Fischen“ zum Teilen, so können mit aufrichtiger Bereitschaft und dem Glauben an Gott Wunder geschehen. Er lässt unsere guten Absichten und Glaubenstaten bis zur Unendlichkeit wachsen: „Alle waren satt“ (Luk 9:17)

Jesus in der Heiligen Hostie zu erkennen heißt das Leiden eines Bruders zu erkennen in denen, die hungrig und durstig sind, den Fremden, den Nackten, Kranken, den Heimatlosen, den Gefangenen und sogar in jenen, die gezwungen sind, in Flüchtlingslagern zu leben. Die Kommunion im Gottesdienst zu empfangen heißt in die Kommunion einzutreten mit all jenen, die fehlen oder weit weg sind, mit den Verborgenen und Unsichtbaren, mit allen Heiligen im Himmel vereint in dem einen Leib Christi.

Die Feier des Fronleichnamsfestes lädt uns ein, über unsere Verantwortung zur Errichtung einer sorgenden, gerechten und familiären Gesellschaft nachzudenken. Wie die Jünger sind wir versucht, die Menge wegzuschicken, den Bedürftigen zu sagen, geht und sorgt für euch selbst. In unserer besonderen Zeit, in der uns die Globalisierung abhängiger voneinander macht, in unserer Zeit, in der die Kirche Ziel von Angriffen ist, von politischer Verfolgung und religiösem Extremismus, muss uns der Leib Christi zu einem Körper machen, zu einer Kirche gestärkt durch den Glauben an Gott und die Solidarität unter einander.

Das Evangelium strebt nach und arbeitet immer für die Einheit der menschlichen Familie, die auseinandergerissen wurde. Eine Einheit, die nicht von außen kommt durch wirtschaftliche oder soziale Interessen, sondern die aus dem Wohlwollen und unserer Verantwortung für einander entstehen soll, weil wir uns selbst als Glieder des einen Leibes erkennen. Wir haben gelernt und lernen immer noch, dass das Teilen von Liebe und Barmherzigkeit der Weg zur wahren Gerechtigkeit ist.

Um die Gewalt und die zerstörerische Situation zu überwinden, in die der Mittlere Osten gestürzt ist, müssen wir dem Weg folgen, der uns von Christus selbst eröffnet worden ist: Offenheit, Treue und Mut, und gleichzeitig Demut, Barmherzigkeit und Versöhnung. Unsere Mission im Heiligen Land muss zu einem geduldigen und demütigen Verstehen führen, wie das Weizenkorn, das stirbt, um Leben zu geben: ein Tod, der plötzlich sein kann oder langsam in kleinen Dosen!

Unsere Mission muss genährt werden durch die Fülle des Glaubens, der mit der sanften Macht Gottes Berge versetzt. Das ist es, wie Gott immer wieder die Menschheit, die Geschichte und die Welt erneuert durch diese Reihe von Verwandlungen, deren Sakrament die Eucharistie ist.

Die Kirche von Jerusalem hat, wie ich schon oft gesagt habe, zwei untrennbare Dimensionen: sie ist die Kirche des Kalvarienberges und die Kirche der Auferstehung. Die Stufen den Kalvarienberg hinauf sind steil und schwierig, wie wir erfahren; aber jede Stufe ist eine Stufe der Hoffnung, die uns näher zur Freude der Auferstehung bringt. Gemeinsam bewegen wir uns weiter, und nach dieser langen Pilgerreise erwartet uns Christus selbst, um uns zu empfangen.

Mit euch allen, liebe Freunde, danke ich Gott für die Gabe des Priesteramtes, die ich vor 50 Jahren empfangen habe. Ich komme jetzt zum Ende meines Mandates. Demütig kann ich sagen, dass die Aufgabe, die mir übertragen wurde, erfüllt ist, und ich lege jetzt meine Zukunft in Gottes Hände. Ich danke für all die Jahre im direkten Dienst des Heiligen Vaters und der Mutterkirche von Jerusalem.

Ich danke für all die Gläubigen und wertvollen Freundschaften, die hier im Heiligen Land und auf der ganzen Welt geknüpft sind. Ich danke all meinen Vikaren, Priestern, Pastoren, Ordensmännern und Ordensfrauen und den vielen, vielen Freunden in Nah und Fern, die mich während meiner Mission begleitet und unterstützt haben.

Ich bitte unseren Nuntius, dem Heiligen Vater meine kindliche Liebe und den Ausdruck der Zugehörigkeit zur universalen Kirche zu überbringen, und die Dankbarkeit für seine väterliche Sorge um das Heilige Land und die Christen im Mittleren Osten.

Mit der Demut zu wissen, dass wir alle nur Diener sind, vertrauen wir darauf, dass Gottes Liebe stärker ist als das Böse, und dass wir in unserer Mission nie allein sind. „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28:20)

„Bleib bei uns Herr, denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt“ (Luk24:29). Wenn die Dunkelheit des Zwielichts vorzuherrschen scheint, verkündet das Licht der Auferstehung die Morgendämmerung eines neuen Tages, der niemals endet! Amen.

+ Fouad Twal

Lateinischer Patriarch von Jerusalem

[1] Papst Franziskus, Predigt zum Fronleichnamsfest, 30. Mai 2013

Fotos: ©LPJ/ Thomas Charrière

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