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Gepostet on 26 Mai 2016 in Lokalnachrichten, Patriarch, Politik und Gesellschaft, Slide

Der Lateinische Patriarch zu EU Repräsentanten:“ Die EU sollte eine viel bedeutendere politische Rolle in der Region spielen“

Der Lateinische Patriarch zu EU Repräsentanten:“ Die EU sollte eine viel bedeutendere politische Rolle in der Region spielen“

 

JERUSALEM – Am Mittwoch, den 25. Mai 2016, traf Ralph Tarraf, Delegationsleiter der „EU Assistence for the Palestinians“, Seine Seligkeit Fouad Twal, den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, um mit ihm über den israelisch-palästinensischen Konflikt und Probleme in der Region zu sprechen.

Her Tarraf wurde von seiner Frau und Herrn David Geer, dem stellvertretenden Delegationsleiter der „EU Assistence for the Palestinians“, begleitet.

Die Delegation wird morgen Nachmittag das Cremisan-Tal besuchen, wo gerade die Trennungsmauer gebaut wird, die de facto Land, das palästinensischen Familien gehört, enteignet ohne Berücksichtigung der Grenzen von 1967. „Nach einem scheinbaren Sieg beim Israelischen Obersten Gerichtshof“, sagte der Patriarch, „begannen sie letzten Sommer mit dem Mauerbau als Reaktion auf die Anerkennung des Staates Palästina durch den Vatikan. Wir glauben nicht, dass diese Mauer der Sicherheit dient. Es gibt mehr Gewalt auf der anderen Seite der Mauer, in Jerusalem. Diese Mauer ist nicht zum Schutz.“

Man sei den Mitgliedern der Assistenz für die Palästinenser dankbar, doch der Patriarch sagte, dass „die EU eine viel bedeutendere politische Rolle in der Region spielen und sie nicht nur finanziell unterstützen sollte“.

Der Patriarch und Herr Tarraf sprachen über den Konflikt in Syrien und seine Auswirkungen auf die Region und erwähnten auch die Krise der Millionen von Flüchtlingen, die das Recht haben müssen, eines Tages in ihre Länder zurückzukehren.

Der Patriarch betonte auch die „Wichtigkeit, die religiösen Führer zu befragen“, was die Probleme in der Region betrifft, denn die Realität ist oft weit weg von der politischen Tagesordnung. „Unsere Stimme ist schwach, wir sind nur eine Stimme. Wir sind keine militärische oder wirtschaftliche Macht, wir sind nur eine kleine Anzahl, aber wir können unsere Stimme erheben. Manchmal akzeptieren sie, uns zu hören, manchmal nicht, weil wir stören, aber wir können nicht ruhig bleiben, weil nur wir die Wahrheit zu sagen haben“, stellte der Patriarch den beiden europäischen Diplomaten gegenüber fest.

Was den israelisch-palästinensischen Konflikt betrifft, betonten der Patriarch und der Delegationsleiter die Notwendigkeit einer Zwei-Staaten-Lösung. Herr Tarraf unterstrich die Bedeutung einer „ausverhandelten Lösung“, wies auf die „verordnete“ Rolle der Europäischen Union hin, eine „gerechte und faire“ Lösung für den Konflikt zu finden, und bezog sich im Besonderen auf die „Grenzen von 1967“ und auf „Jerusalem als Hauptstadt der zwei Staaten“. Dennoch bemerkte Herr Tarraf, dass eine „aufgezwungene“ Lösung „nur zu mehr Gewalt führen würde“. Der Patriarch begrüßte diese Einstellung, bat die Europäer dringend, „ die beiden Parteien (Israelis und Palästinenser) bei den Verhandlungen nicht allein zu lassen“ und wies auf die Ungleichgewichtung der Macht zwischen den beiden Parteien hin: „die Supermacht auf der einen Seite, und keine Macht auf der anderen Seite“.

Die Geschichte der Welt und Europas hat schon gezeigt, dass „die Zukunft denen gehört, die Mauern einreißen“, sagte der Patriarch und fügte hinzu, dass „wir von diesem Frieden träumen. Wir sind verurteilt zusammen zu leben, besser als gute Nachbarn denn als ewige Feinde“.

Myriam Ambroselli

Fotos: ©LPJ/Thomas Charrière

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