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Gepostet on 24 Mai 2016 in Lokalnachrichten, Patriarch, Politik und Gesellschaft, Slide

Der französische Premierminister Valls trifft Patriarch Twal

Der französische Premierminister Valls trifft Patriarch Twal

 

Jerusalem – Am Montag, den 24. Mai 2016 kam der französische Premierminister Manuel Valls, der zurzeit Israel und Palästina besucht, mit seiner Delegation ins Lateinische Patriarchat, um mit Patriarch Twal über eine französische Initiative zu sprechen, die den israelisch-palästinensischen Friedensprozess wieder in Gang setzen sollte.

Der Besuch des Premierministers findet statt als Teil einer offiziellen Reise nach Israel und Palästina von Samstag, den 21. bis Dienstag, den 24. Mai 2016.

Das Treffen zwischen dem Premierminister und dem Patriarchen dient der Vorbereitung für eine französische Initiative zum Friedensprozess im Mittleren Osten, der auf einer Konferenz in Paris am 3. Juni 2016 lanciert werden soll.

In seiner Rede (gesamter Text) begrüßte Patriarch Twal „die französische Initiative für einen Frieden im Heiligen Land und im Mittleren Osten. „ Wir sind erfreut, Frankreich wieder aktiv in der internationalen Szene zu sehen, die den Extremismus bekämpft, dessen Opfer wir alle werden können“, versicherte der Patriarch und bedauerte die Tatsache, dass Frankreich „viel zu lange von internationalen Verhandlungen ausgeschlossen war“ durch das „Lavrov-Kerry Duo“.

In seiner Rede über die politische Situation in der Region drückte der Patriarch seine „Unzufriedenheit“ über die Teilnahme am Krieg in Syrien aus. „Die Geschichte hat im Irak und in Libyen gezeigt, dass diese militärischen Interventionen mehr Tod, Zerstörung und Gewinn für Extremismus verbreitet hatten in einer Region, die so noch mehr destabilisiert wurde (…)“. Der Wunsch, das Regime in Syrien zu stürzen, hat zu einem furchtbaren Rekord geführt, obwohl der Krieg noch nicht einmal vorbei ist. Das Nichtwissen darüber, wer nach diesem absurden und blutigen Krieg die Macht übernehmen wird, kann nur Benommenheit und Angst erzeugen.“

Das israelisch-palästinensische Problem ist für den Patriarchen „zentraler denn je“: „Wir hoffen, dass die Französische Republik den Mut haben wird, die Wahrheit zu sagen zum Nutzen all unserer israelischen Freunde, unserer älteren Brüder. Wenn wir gemeinsam alle Gewalt und alle terroristischen Akte gegen Israelis durch Palästinenser verurteilen, verurteilen wir auch jeden exzessiven Gebrauch von Gewalt, Ungerechtigkeiten, Mauern, die trennen oder anschließen, unfaire Landenteignungen und die Missachtung der Freiheit der Bewegung und der Verehrung“. Der Patriarch sprach von einer Realität der Koexistenz in der Vergangenheit und in der Gegenwart“, die „ das Argument, dass der israelisch-palästinensische Konflikt einer religiöser Konflikt sei“, für nichtig erklärt, und er betonte die entscheidende Rolle „des Wohlwollens der Politiker“ bei der Lösung des Konfliktes.

Premierminister Valls betonte in seiner Antwort, dass „das Schicksal der christlichen Gemeinden im Osten uns betrifft und Frankreich betrifft“. Er erinnert auch an die Frage der Flüchtlinge und die Verbannung der Christen, ein Synonym für „die Schwächung ihrer Anwesenheit, dennoch ein Zeichen der Diversität und des Maßhaltens in der Region“. Der Premierminister vergaß auch nicht, „ die Akte des anti-christlichen Terrorismus, die in Israel begangen wurden, zu erwähnen und die Probleme der christlichen Schulen im Land. Er versicherte den Patriarchen seines Wunsches, die „historische Partnerschaft“ mit bestimmten Schulen, Seminaren oder durch die Anwesenheit französischer Freiwilliger im Land zu erhalten.

Seite an Seite mit dem Patriarchen betonte der Premierminister auch, dass Frankreich weiß, dass es eine „besondere Verantwortung der Geschichte gegenüber geerbt hat“ und nannte die 40 französischen, römisch-katholischen Gemeinden im Heiligen Land, die unter dem Schutz Frankreichs stehen.

Die französische Initiative, setzte der Premierminister fort, will „bescheiden und geduldig den Faden des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufnehmen“. Herr Valls, der sich selbst als „einen Freund Israels“ bezeichnet, erinnerte daran, wie „die Fortsetzung des Siedlungsbaus die Errichtung eines existenzfähigen Staates Palästina ruiniert, wenn es nur eine Lösung gibt: zwei Staaten für zwei Völker.“

Am Vorabend der Pariser Konferenz bekräftigten der Premierminister und der Patriarch die Wichtigkeit von Verhandlungen. Am 3. Juni werden Vertreter der 5 Mächte des Sicherheitsrates in Paris zusammentreffen, um wieder Gespräche zu beginnen. Auch wenn der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu seine Nichtübereinstimmung mit dieser internationalen Konferenz ausgedrückt hat, wiederholte Manuel Valls, dass „sie stattfinden“ und sich bemühen werde, einen direkten Dialog zwischen den Parteien (Israelis und Palästinenser) wieder aufzunehmen, zunächst in deren Abwesenheit, um die Pattsituation „in der Beziehung zwischen den Schwachen und den Starken“ zu durchbrechen. Eine zweite Konferenz wird später in Anwesenheit der beiden Parteien stattfinden.

Myriam Ambroselli
Fotos: © LPJ/Thomas Charriere

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