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Gepostet on 4 Mrz 2016 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft, Slide

Bischof Shomali: “Nichts kann uns davon abhalten, von der Versöhnung zu träumen“

Bischof Shomali: “Nichts kann uns davon abhalten, von der Versöhnung zu träumen“

 

ROM – Während der Teilnahme an einer internationalen ökumenischen Konferenz, die zwischen 24. und 26. Februar 2016 in Rom abgehalten wurde, kam Bischof William Shomali, Patriarchalvikar in Jerusalem und Palästina, auf die Rolle der Religion im israelisch-palästinensischen Konflikt zu sprechen und auf die Bedeutung des interreligiösen Dialogs im Friedensprozess.

Das Ereignis wurde von der deutschen Bischofskonferenz und vom Institut für Internationale Politik und Konfliktstudien der Universität München organisiert. Kirchenführer aus arabischen Ländern und Universitätsangehörige aus der Region, die auf diese Themen spezialisiert sind, aus dem Heiligen Land, Libanon, Ägypten, den Golfstaaten, Syrien und dem Irak waren eingeladen.

Die Konferenz in englischer und arabischer Sprache mit dem Titel „Christen, Kirchen und Religion in einem sich ändernden Mittleren Osten“ befasste sich mit den Christen, einer religiösen Minderheit, wichtig und signifikant wie sie ist, mitten in arabisch-moslemischen Ländern.

Fünf Jahre nach den arabischen Aufständen im Mittleren Osten ist das Gebiet Opfer eines vielfältigen Leids, sowohl auf politischem als auch auf ökonomisch-kulturellem Gebiet. Eine schwierige Situation, die direkt die ethnisch-nationalen und religiösen Minderheiten betrifft. Die verschiedenen Teilnehmer sprachen darüber, wie die christliche Religion, die im Mittleren Osten entstanden ist, dazu beigetragen hat, seit zwei Jahrtausenden das soziale, ökonomische und kulturelle Geflecht dieser Region zu weben.

Die Vorlesung betonte auch die Änderungen, die die christlichen Kirchen in diesen Ländern erfahren, konfrontiert mit einer doppelten Herausforderung – Globalisierung und arabische Aufstände.

Bischof Shomali kam in seiner Rede auf den multikonfessionellen Charakter des Mittleren Ostens zu sprechen, und besonders auf die Beziehung zwischen Juden, Christen und Moslems und ihre Koexistenz in der Stadt, die alle politische und religiöse Mannigfaltigkeit verkörpert: Jerusalem. „Wenn Geschichte erzählt wird und Orte benannt werden, bietet Jerusalem oft zwei Erzählungen und zwei Namen für denselben Ort. Der Tempelberg, Al Aksa, die Stadt selbst und ihre Tore haben zwei Namen. Das gilt auch für die Politik.“

Religiöse Divergenzen haben eine direkte Auswirkung auf die Politik und auf den Konflikt, der zwei Völker zerreißt, Israelis und Palästinenser, von denen jedes seine Sicht der Ereignisse hat.

Bischof Shomali unterstrich die Bedeutung des interreligiösen Dialogs, um den Frieden zu fördern. „Mit den Moslems haben wir eine gemeinsame Sprache, Geschichte, Kultur und die Tatsache, dass wir gemeinsam gelebt und gelitten haben und dass wir idente Bestrebungen teilen,“ sagte der Bischof von Jerusalem, der betroffen war über die „Islamisierung des Mittleren Ostens und den Anstieg des politischen Islam, der weniger Raum für religiöse Freiheit lässt.“ Der Bischof sprach auch über den Fortschritt des jüdisch-christlichen Dialogs seit Nostra Aetate, und über die gemeinsamen biblischen Wurzeln, die Christen und Juden teilen.

„Die Religion selbst ist Teil des Konflikts und sollte Teil der Lösung sein“, sagte Bischof Shomali weiter, indem er auf die Rolle der religiösen Führer im Friedensprozess zu sprechen kam.

Wer konnte vorhersagen, dass die europäischen Länder nach zwei Weltkriegen eine europäische Gemeinschaft gründen würden? Wer konnte das Ende des Kommunismus in Europa vorhersagen, und das in den meisten Fällen ohne Blutvergießen? Wer konnte vorhersehen, dass Sadat Jerusalem besuchen und sich Begin vom Sinai zurückziehen würde?“ – fragte der Bischof am Ende seines Vortrags. „Nichts hindert uns daher daran, von der Versöhnung zwischen Israelis und Arabern zu träumen und dass der Friede in Jerusalem regieren wird. Und dass die Heilige Stadt offen sein wird für die drei abrahamitischen Religionen und die politische Hauptstadt wird für beide Völker des Heiligen Landes.“

Myriam Ambroselli