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Gepostet on 18 Dez 2015 in Patriarch, Rede und Interviews FT, Slide

Frieden, Barmherzigkeit und Taten im Herzen der Weihnachtsbotschaft des Patriarchen

Frieden, Barmherzigkeit und Taten im Herzen der Weihnachtsbotschaft des Patriarchen

 

Jerusalem – Am 16. Dezember hielt Seine Seligkeit Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, seine traditionelle Weihnachtspressekonferenz, nachstehend der vollständige Text seiner Botschaft:

Liebe Freunde,

Liebe Gläubige des Heiligen Landes,

Euch allen und euren Lieben wünsche ich ein Weihnachten voll Freude und Segen!

Ihnen, liebe befreundete Journalisten, ein Danke für Ihre Anwesenheit hier und heute. Danke für die wertvolle Arbeit, die Sie mit Offenheit, Freiheit und Weisheit ausführen, bestens angeleitet durch beständige Anteilnahme und Interesse für die Wahrheit.

In wenigen Tagen werden wir die Geburt von Christus feiern; Weihnachten, das Mysterium der Fleischwerdung, das Mysterium des Ewigen Wortes, das „Fleisch wurde und unter uns wohnte“. Weihnachten, das Fest des Lichtes, das die Nacht erhellt, das Fest der Freude, der Hoffnung und des Friedens. Die Kinder dieser Welt träumen von einem Fest mit Geschenken, Lichtern, geschmückten Bäumen und Krippen. Jedoch, und ich wiederhole die gleichen Worte von Papst Franziskus, alles ist gestört, „weil die Welt weiterhin Kriege führt“. Dieser berühmte „dritte Weltkrieg, der an verschiedenen Schauplätzen ausgefochten wird“, wovon er so oft spricht, findet vor unseren Augen in unserer Region statt.

I – Gewalt

Was für ein Leid ist es, unser geliebtes Heiliges Land wieder im Teufelskreis blutiger Gewalt gefangen zu sehen. Was für ein Schmerz, erneut zu sehen, dass Hass über Vernunft und Dialog herrscht. Die Qual der Menschen dieses Landes ist unsere, und wir können sie nicht ignorieren oder missachten. Genug! Wir sind dieses Konflikts müde, wenn wir das Heilige Land mit Blut besudelt sehen.

Den israelischen und palästinensischen Führern sagen wir, es ist Zeit, Mut zu zeigen und für die Errichtung eines gerechten Friedens zu arbeiten. Genug des Hinhaltens, des Widerwillens und der falschen Versprechen! Respektiert internationale Lösungen! Hört auf die Stimme eurer Menschen, die nach Frieden streben, handelt in ihrem besten Interesse! Jedes der zwei Völker des Heiligen Landes, Israelis und Palästinenser, haben das Recht auf Würde, auf einen unabhängigen Staat und nachhaltige Sicherheit.

Leider ist unsere Situation im Heiligen Land die einer Welt, die sich mit einer nie dagewesenen terroristischen Bedrohung konfrontiert sieht. Die tödliche Ideologie, die auf religiösem Fanatismus und Hartnäckigkeit basiert, verbreitet Terror und Barbarei unter unschuldigen Menschen. Gestern waren es der Libanon, Frankreich, Russland, die Vereinigten Staaten; aber der Krieg wütet seit Jahren im Irak und in Syrien. Die Situation in Syrien steht auch im Zentrum der Krise; und die Zukunft des Mittleren Ostens hängt von der Lösung dieses Konflikts ab.

Diese schrecklichen Kriege sind angetrieben vom Waffenhandel und involvieren einige internationale Mächte. Wir sind konfrontiert mit einer Situation totaler Absurdität und eines Doppelspiels. Auf der einen Seite sprechen einige von Dialog, Gerechtigkeit und Frieden, und auf der anderen Seite fördern sie den Waffenverkauf an die Kriegführenden. Wir rufen diese skrupellosen Waffenhändler, die vielleicht ohne Gewissen sind, zu Umkehr und Wiedergutmachung auf. Groß ist ihre Verantwortung in diesen verheerenden Tragödien, und sie werden vor Gott das Blut ihrer Brüder verantworten.

Militärische Reaktion und der Weg der Gewalt können die Probleme der Menschheit nicht lösen. Wir müssen die Wurzel und Ursache dieser Geisel finden und behandeln. Wir müssen Armut und Ungerechtigkeit bekämpfen, die eine Brutstätte für Terrorismus sein können. Gleichzeitig müssen wir die Erziehung zu Toleranz und gegenseitiger Akzeptanz fördern.

Die Kirche und die Gemeinschaft der Gläubigen müssen auch auf die gegenwärtige Situation reagieren. Diese Reaktion ist das Jubiläum der Barmherzigkeit, eröffnet am 8. Dezember von Papst Franziskus. Barmherzigkeit ist das Heil für die Krankheiten unserer Zeit. Durch die Barmherzigkeit machen wir der Welt die Güte und Nähe Gottes sichtbar.

Barmherzigkeit ist nicht beschränkt auf individuelle Beziehungen, sondern umfasst das öffentliche Leben in allen Bereichen (politisch, ökonomisch, kulturell, sozial) und in allen Richtungen (zwischen Staaten, Völkern, Kulturen und Religionen). Wenn Barmherzigkeit die grundlegende Komponente öffentlichen Handelns wird, kann die Welt von einer Sphäre eigennützigen Interesses zu menschlichen Werten kommen.

„Barmherzigkeit ist ein politischer Akt par excellence, vorausgesetzt, dass die Politik in ihrem nobelsten Sinn gesehen wird, in der Sorge für die menschliche Familie beginnend mit ethischen Werten, von denen Barmherzigkeit ein Hauptbestandteil ist im Gegensatz zu Gewalt, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und dem Geist der Dominanz.“

Während dieses Jahrs der Barmherzigkeit laden wir Pilger ein, das Heilige Land zu besuchen. Auf Einladung des Heiligen Vaters öffneten wir Heilige Pforten, Pforten der Barmherzigkeit in ausgewählten Kirchen der Diözese: die Basilika von Gethsemane in Jerusalem, die Verkündigungsbasilika in Nazareth und die St.Katharinen-Kirche in Bethlehem. Pilger sollten keine Angst haben zu kommen. Trotz der angespannten Situation in diesem Land ist die Pilgerroute sicher, und sie werden respektiert und geschätzt von allen Sektoren im Heiligen Land.

II – Was ist zu tun?

Wir glauben an den fundamentalen Wert der Erziehung. Wie könnten wir jemals den bitteren Kampf um Erhaltung der christlichen Schulen in Israel vergessen? Wie könnten wir nicht allen Beteiligten, Eltern, Kindern und Lehrern, danken? Eine Anzahl von politischen Führern und Offiziellen, inklusive dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin und einigen Mitgliedern der Knesset, hat sich für diese wertvolle Angelegenheit eingesetzt. Sie haben Engagement für eine Bildung gezeigt, wie sie von christlichen Schulen angeboten wird und gleichzeitig offen ist für alle Bürger ohne Unterschied, basierend auf brüderlichen Prinzipien, Dialog und Frieden.

Diese religiöse Perspektive führt mich zum 50. Jahrestag von Nostra Aetate, möglicherweise das revolutionärste Dokument des 2. Vatikanischen Konzils. Diese Erklärung legt den Grundstein für den Dialog zwischen der Kirche und den nicht-christlichen Religionen. Hier im Heiligen Land ist dieser Dialog von größter Bedeutung, wo Schwierigkeiten existieren, aber es ist notwendig, die Hoffnung nicht aufzugeben auf die Realisierbarkeit eines Jüdisch-Christlich-Moslemischen Dialogs.

Ich lobe auch unser St. James Vikariat für Hebräische Sprechende Katholiken, das es seit 60 Jahren gibt. Es arbeitet beständig am Jüdisch-Christlichen Dialog und unterstützt großzügig die Migrantengemeinden.

III – Weihnachtsfeier in diesem Jahr

Die momentane politische Situation verlangt nach gemäßigten Festen und nach Vertiefung unseres spirituellen Sinns dieser Erinnerung. Aus diesem Grund laden wir jede Pfarrgemeinde ein, die Lichter des Weihnachtsbaums aus Solidarität mit allen Opfern von Gewalt und Terrorismus für fünf Minuten abzuschalten. Gleichzeitig ist unsere Weihnachtsmesse allen Opfern und ihren Familien offen, sie sollen teilnehmen und sich die Freude und den Frieden von Weihnachten zu Herzen nehmen.

Der feierliche Einzug des Patriarchen

Seit dem Beginn dieses Monats und gemeinsam mit dem Kustodiat des Heiligen Landes haben wir ein Komitee eingesetzt, das den feierlichen Einzug des Patriarchen in Bethlehem am 24. Dezember neu organisiert. Einige Maßnahmen wurden ergriffen, sodass die Ankunft der Prozession in Bethlehem nicht verzögert wird und in geordneter Art und Weise am Krippenplatz und im Areal der Geburtskirche stattfindet. Ein Platz für Journalisten und Photographen ist ausgewiesen.

Ich möchte schließen mit einem Dank an Papst Franziskus aus mehreren Gründen. Zunächst für die Kanonisation der zwei Palästinensischen Heiligen vergangenen Mai, und dann für die Bischofssynode zur Familie, an der ich die Freude hatte teilzunehmen; für das Motu Proprio, das den Prozess der Eheannullierung erleichtert; für das historische bilaterale Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Palästina; und zuletzt für seine Enzyklika „Laudatio Si“ zu wichtigen Angelegenheiten für unseren Planeten und die Menschheit, die Sorge für unsere gemeinsame Heimat, für die Schöpfung und den Schutz der Umwelt.

Schlussfolgerung

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes. 9:5)

Liebe Freunde, die Geburt von Christus ist ein Zeichen der Barmherzigkeit des Vaters und ein Versprechen der Freude für uns alle. Diese Botschaft leuchtet über unserer verwundeten Welt, um die Bedrängten zu trösten, die Unterdrückten, und um gewalttätige Herzen zu bekehren.

Ein gesegnetes und frohes Weihnachten allen!