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Gepostet on 12 Jun 2015 in Dialog, Ökumenismus, Politik und Gesellschaft, Regionalnachrichten, Slide

Al Azhar stellt sich gegen einen fundamentalistischen Islam: „Die Erneuerung wird vom Islam begrüßt“

Al Azhar stellt sich gegen einen fundamentalistischen Islam: „Die Erneuerung wird vom Islam begrüßt“

 

KAIRO – Seit einigen Tagen berichten arabische und internationale Medien von einem Treffen, das in der renommierten Al Azhar Moschee am Dienstag, den 26. Mai 2015 in Kairo stattfand und bei dem Intellektuelle und moslemische Gelehrte die Veröffentlichung eines Dokuments über die moslemische „Erneuerung des religiösen Diskurses“ diskutierten.

An diesem für die Sunniten heiligen Ort des Islam trafen sich Doktoren des islamischen Rechts mit anderen Intellektuellen, Denkern und sogar Künstlern und moslemischen Schriftstellern, Männern und Frauen, um an den Dienstagen in den Wochen vor dem Monat Ramadan den Hintergrund eines Dokuments zu diskutieren, das sie zu veröffentlichen beabsichtigen und das sich befasst mit „Mechanismen und Kriterien zur Erneuerung religiösen Denkens und Maßnahmen zum Schutz der Gesellschaft vor fanatischem Denken und Tendenzen der Auflösung, die heute die Stabilität und Sicherheit der Gesellschaft bedrohen“. Gemäß den Teilnehmern begrüßt der Islam die Erneuerung und erinnert daran, dass die Hadith (1) von Mohammed den Vers beinhaltet: Gott wird alle hundert Jahre dieser (der moslemischen) Gemeinschaft jemanden senden, der ihre Religion erneuert“.

Viele Terroristengruppen, die man beinahe überall findet, geben seit einigen Jahren dem Islam auf der ganzen Welt ein düsteres Image. Ein Aufruf zu so einer Erneuerung ist lobenswert, es ist der Versuch, die Stimmen derer zu erheben, die an einen gemäßigten Islam glauben. Es ist normal, auf das Ergebnis dieses Dokuments zu warten, auf sein endgültige Form, um dann den Inhalt zu diskutieren, zu evaluieren und zu erkennen, wie dieses Dokument in der großen und mannigfaltigen moslemischen Welt eingesetzt werden könnte, in der es keine echte zentrale Autorität gibt, und ohne auf das beinahe unüberbrückbare Schisma zwischen Sunniten und Schiiten zu vergessen, die die sunnitische Al Azhar jedenfalls nicht repräsentiert.

Gemäß der offiziellen Seite des arabisch-sprechenden TV-Kanals Al Jazeera sagte der Imam von Al Azhar, Ahmad al Tayyeb: „Trotz des Lärms, der damit Hand in Hand geht, hat das Thema der Erneuerung des Denkens und des religiösen Diskurses nicht viel bewegt auf der Ebene des Diskurses – weder vermittelnd noch kulturell, erzieherisch oder religiös. Unser Treffen gebildeter Männer in al Azhar fällt in den Bereich unsres Wunsches zuzuhören und um Rat zu fragen, was wir Ägypten und der moslemischen Welt anbieten könnten“,

Der im Besitz von Katar stehende TV-Kanal – bekannt für seine Unterstützung fanatischer islamischer Bewegungen – erinnerte an eine Rede, die Ägyptens Präsident Sissi im vergangenen Jänner zum Geburtstag Mohammeds gehalten hatte. In dieser Rede rief der Präsident auf zu einer religiösen Revolution, um im Verlauf der Jahrhunderte bekannte heilige Ideen und Texte loszuwerden, die heute ein Grund der Sorge in der ganzen Welt sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Imam von Al Azhar (ernannt vom Präsidenten der ägyptischen Republik) zur Erneuerung des religiösen Diskurses aufruft. Schon 2003 bezog sich der damalige Imam Mohamad Sayyed Tantawi im Verlauf einer Debatte, organisiert vom Hohen Rat für Islamische Angelegenheiten in Kairo, auf eine „Erneuerung des Diskurses, ohne solide Realitäten zu zerstören“.

Es ist erwähnenswert, dass der Imam von Al Azhar, sobald er ernannt ist, nach seinem Willen handeln und „Fatwas“ (religiöse Meinung) seiner Wahl annehmen kann.

Firas Abedrabbo

 

(1) Es ist eine mündliche Kommunikation des Propheten des Islam Mohammed und daher eine Sammlung, die Überlieferungen einschließt, die sich auf Taten und Worte Mohammeds und seiner Begleiter bezieht und die als Prinzipien des persönlichen und gemeinschaftlichen Verhaltens für Moslems gehalten werden, bezeichnet als die Überlieferung des Propheten“.