Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 19 Mai 2015 in Heiligen Mariam und Marie Alphonsine, Patriarch, Rede und Interviews FT, Slide

Was ist die Botschaft der ersten beiden neuzeitlichen palästinensischen Heiligen?

Was ist die Botschaft der ersten beiden neuzeitlichen palästinensischen Heiligen?

 

Interview – Nachstehend ein Interview mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Seiner Seligkeit Fouad Twal, veröffentlicht am 7. Mai 2015, mit Francois Vaine, Kommunikationsdirektor des Ordens vom Heiligen Grab in Zusammenarbeit mit Vatican Insider, über die Heiligsprechung von zwei palästinensischen Nonnen, Mariam und Marie-Alphonsine.

Eure Seligkeit, Sie sind am 17 Mai in Rom zur Heiligsprechung von zwei palästinensischen Nonnen, und Sie haben den Präsidenten des Palästinensischen Staates eingeladen, Sie zu begleiten. Was bedeutet dieses Ereignis der universalen Kirche für die Bewohner des Hl. Landes in diesem Moment der Geschichte?

Die Kanonisierung dieser beiden palästinensischen Heiligen ist ein spiritueller Höhepunkt für die Bewohner im Hl. Land. Inmitten all unserer Schwierigkeiten sind Mariam und Marie-Alphonsine ein Licht auf unserem Weg, eine Einladung, nicht entmutigt zu sein und unser Ziel und unsere gemeinsame Berufung als Christen im Auge zu behalten: Heiligkeit. Wenn das Heilige Land, das durch Gewalt und Trennung so zerrissen ist, manchmal entstellt scheint, so kommen unsere Heiligen, um seine Heiligkeit wiederherzustellen. Es ist, als ob Mariam und Marie-Alphonsine durch ihr Beispiel uns sagten, „Ja, das Heilige Land kann fruchtbar sein, und es kann Früchte der Heiligkeit tragen“. Heiligkeit ist noch möglich, sogar in einem extrem schwierigen Kontext.

Mariam und Marie-Alphonsine erfuhren den israelisch-palästinensischen Konflikt während ihres Lebens nicht, aber auch sie lebten in schwierigen Zeiten und in extremer Armut. Mariam, die keine Bildung erhielt, war Analphabetin. Trotzdem liebten beide in Ausdauer, Geduld und Demut Gott und ihre Brüder durch Nächstenliebe und Opfer bis zur Heiligwerdung.

Was ist die größte Botschaft dieser beiden neuen Heiligen, Mariam Bawardi und Marie-Alphonsine Ghattas – denen Sie gerade einen Pastoralbrief gewidmet haben – für die Welt heute?

„Es ist eine Botschaft von Hoffnung und Liebe, eine Botschaft von Ermutigung zur Heiligkeit durch Demut und Einfachheit. Mariam bezeichnete sich selbst als das „kleine Nichts“ des gekreuzigten Jesus. Marie-Alphonsine lebte auch in größter Demut und wurde manchmal verfolgt, während die Schwestern, die mit ihr lebten, bis zum Schluss ignorierten, dass sie die Gründerin ihrer Gemeinschaft war, der Schwestern vom Rosenkranz in Jerusalem.

Die Botschaft von beiden ist, dass wir in Gottes Gegenwart leben, uns in Allem auf Ihn verlassen, mit vollem Vertrauen auch inmitten von sogar größten Schwierigkeiten. Marie-Alphonsine, wie Mariam, empfing alles von Gott. Die Selige Jungfrau zeigte ihr die Pläne der Kirche, die Unserer Frau vom Rosenkranz in Jerusalem gewidmet ist. Genauso zeigt der Heilige Geist Mariam, wo sie den Carmel von Bethlehem gründen sollte. Beide hörten in den kleinsten Details ihres Lebens auf Gott. Ich würde also sagen, dass ihre wichtigste Botschaft ist, dass Heiligkeit für alle zugänglich ist, Heiligkeit als eine liebende und innige Beziehung mit Gott.

Nun, die Tatsache, dass Mariam und Marie-Alphonsine, die ersten neuzeitlichen palästinensischen Heiligen, beide arabischer Herkunft sind, ist ein Zeichen der Hoffnung für Palästina, für das gesamte Hl. Land und den Mittleren Osten: Heiligkeit ist immer möglich, sogar in einer vom Krieg zerrissenen Region. Möge eine Generation von Heiligen ihnen folgen!“

Was erwarten Sie vom Treffen mit Papst Franziskus, und noch weiter, was ist das Programm der Pilgerreise der Delegation, die Sie bei dieser Gelegenheit leiten?

„Das Treffen mit dem Heiligen Vater, im außergewöhnlichen Kontext dieser Heiligsprechungen, ist eine Zeit großer Freude für uns. Ich bin sicher, es wird die Hoffnung für unsere Gläubigen im Mittleren Osten wieder entfachen und sie ermutigen, stark im Glauben zu bleiben und ihre Augen auf den Himmel gerichtet zu halten, besonders in diesen schwierigen Zeiten, die die Christen dort erleben. Mariam und Marie-Alphonsine sind ein Trost von Himmel. Wir haben dieses Jahr gesehen, dass Papst Franziskus beständig auf unsere Region schaut. Er hat wiederholt die unerhörten Gräueltaten gegen Christen und Minderheiten im Mittleren Osten beklagt, seine tiefe Betroffenheit ausgedrückt und die Initiativen vervielfacht: das Treffen im Vatikan mit den Apostolischen Nuntien von Ägypten, dem Heiligen Land, Jordanien, Irak, Iran, Libanon, Syrien und der Türkei vom 2. bis 4. Oktober 2014, das ordentliche Konsistorium über den Mittleren Osten am 20. Oktober 2014, den Brief an die Christen des Mittleren Ostens zu Weihnachten usw..

Mariam und Marie-Alphonsine sind beide Töchter des christlichen Ostens, und ich glaube, dass ihre Heiligsprechung in diesem schwelenden Kontext auch ein Aufruf des Papstes zum Gebet ist, das allein auf wunderbare Art unserer Region helfen kann, sich zu erholen. Wir haben jetzt zwei neue Heilige als Fürsprecher für den Frieden. Ihre Suche nach Weisheit und ihre göttliche Botschaft stellen ein Modell der Perfektion dar für Christen genauso wie für Juden und Moslems. Beide haben Maria, Myriam als Vornamen; und dieser Name, der in unseren drei Traditionen gebräuchlich ist, ist auch ein Zeichen für unsere Zeit, in dem er zeigt, dass sie zu allen drei ohne Unterschied sprechen können.“