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Gepostet on 6 Mai 2015 in Heiligen Mariam und Marie Alphonsine, Kirche, Slide

Bischof Shomali: „Heiligkeit kann mit der arabischen Sprache verknüpft werden“

Bischof Shomali: „Heiligkeit kann mit der arabischen Sprache verknüpft werden“

JERUSALEM – Während einer Presseinformation im Christlichen Medienzentrum am 6. Mai zur bevorstehenden Heiligsprechung von zwei palästinensischen Nonnen, der Seligen Mariam und der Seligen Marie-Alphonsine, sprach Bischof William Shomali, der Lateinische Patriarchalvikar für Jerusalem und Palästina, über die Bedeutung von Heiligkeit heute und erläuterte die Bedeutung eines solchen Ereignisses für das Heilige Land.

Hier folgt der gesamte Text seiner Ansprache.

Ich danke dem CMC für die Organisation dieser Pressekonferenz vor unserer Pilgerreise nach Rom, wo Papst Franziskus am 17. Mai zwei palästinensische Nonnen heiligsprechen wird. Die Bezeichnung für einen solchen Vorgang ist Kanonisierung.

Das Heilige Land bereitet sich auf so ein wichtiges Ereignis vor. Viele Dichter schrieben Lieder und Hymnen, Filmemacher tun dasselbe. Mehr als 15 Bücher in verschiedenen Sprachen wurden geschrieben, um ihre Gedanken und Heiligkeit zu verbreiten.

Was bedeutet das Ereignis selbst, und was heißt es für uns, die Menschen im Heiligen Land: ob Araber oder Juden, Palästinenser oder Israelis oder Jordanier, Christen oder Muslime.

Ich gestatte mir, einen Vergleich zu verwenden. Jedes Jahr wird der Nobelpreis an Menschen verliehen, die große Verdienste für die Menschheit haben im Bereich der Wissenschaft, der Literatur, Medizin, Wirtschaft oder des Friedens. Ein Friedensnobelpreisträger ist ein herausragender Mann oder eine Frau, die sich selbst aufopferten und all ihre Energie in Konfliktlösung, in die Erreichung von Versöhnung, in die Konfliktvermeidung oder sogar in das Anprangern von Unterdrückung und Ungerechtigkeit stecken. Die katholische Kirche hat ihre eigenen Parameter, die Besten ihrer Gläubigen, die einige Erfordernisse erfüllt haben, zu ehren.

Ein Heiliger, der die ewige Seligkeit mit Gott und seinen Engeln genießen will, sollte:

  1. Eine große Erfahrung von Gott und der Gemeinschaft mit ihm haben;
  2. Einen hohen und heroischen Standard ethischen Lebens leben: Ehrlichkeit, Demut, Verzicht, Weisheit, Nächstenliebe, Liebe und Vergebung;
  3. Die Menschen sollen seine Heiligkeit bezeugen. Aus diesem Grund befolgt die Kirche einige legale Prozeduren der Untersuchung der Schriften, Aussagen und Taten des Kandidaten für die Heiligsprechung, bevor er /sie erstens ehrwürdig, zweitens selig und drittens heiliggesprochen wird.
  4. Um die letzten beiden Grade zu erreichen, sind zwei Wunder notwendig. Die zwei Wunder sollen zuerst von einem lokalen, dann von einem internationalen Komitee von Ärzten untersucht werden. Ein Wunder sollte wie eine Spontanheilung sein, nicht das Ergebnis eines Medikaments oder einer Behandlung, und durch die Fürsprache des Heiligen. Diese Bedingungen machen den Vorgang der Kanonisierung schwierig. Aus diesem Grund werden Marie Alphonsine Ghattas, die 1927 starb, und Myriam Bawardi, die 1878 starb, erst heuer heiliggesprochen.

Unsere beiden Heiligen haben alle Prüfungen erfolgreich bestanden. Wir werden nicht über die Wunder reden, die sie gewirkt haben. Die Zeit ist knapp. Aber sie können den Pastoralbrief des Patriarchen zu diesem Thema lesen.

Letztendlich ist ein Heiliger neben der Tatsache, dass er ewige Seligkeit im Himmel genießt, ein Objekt der Verehrung durch die örtliche Gemeinde und die gesamte Kirche, ein leuchtendes Beispiel zur Nachahmung und ein mächtiger Fürsprecher.

Unser Heiliges Land hat vom ersten Jahrhundert bis heute Hunderte von Heiligen hervorgebracht. Unsere größte Heilige ist die Hl. Maria, Mutter von Jesus, ihr Ehemann Josef, die ersten Apostel, viele Bischöfe, Mönche und Märtyrer des Glaubens. Einige Namen sind herausragend: Jerome, Justin, Helena, Sofronius, Saba, Euytimus, Albert von Jerusalem. Wir haben aber nur drei aus der Neuzeit, deren Sprache nicht Griechisch, Lateinisch oder Aramäisch war, sondern Arabisch. Heiligkeit kann mit der arabischen Sprache verknüpft werden.

Neben Bawardi und Ghattas ist der dritte Simon Srouji, ein Salesianer. Sein Fall wird in Rom geprüft.

Die beiden Nonnen trafen sich in Bethlehem um das Jahr 1875. Eine war kontemplativ, Karmeliterin, die ihre letzten Lebensjahre in Bethlehem verbrachte. Die andere war aktiv und die Gründerin der Kongregation vom Heiligen Rosenkranz. Sie arbeiteten als Lehrerinnen, Krankenschwestern und spirituelle Berater in den Städten Beit Sahour, Jaffa Nazareth, Zababdeh, Salt Bethlehem und Ain Karem.

 

Was bedeutet ihre Heiligkeit für uns?

  1. Es heißt zunächst, dass unser Heiliges Land fähig ist zur Heiligkeit und heilig bleibt nicht nur wegen der heiligen Stätten, die es beherbergt, sondern auch, weil gute Menschen hier leben.
  2. Diese beiden Heiligen lebten in schwierigen Zeiten von extremer Armut, Mangel an Freiheit – es herrschte das türkisch-ottomanische Reich – Mangel an Schulen und Universitäten. Viele Menschen, besonders Frauen, waren Analphabeten. Sie litten an Krankheiten und Seuchen, Hunger und Durst und an einem Mangel an Komfort. Aber sie hatten Ausdauer, Geduld, Demut und vor allem, sie liebten Gott und ihre Nachbarn auf eine heroische Art. Der Heilige Geist war ihr Lehrer.

Mariam Bawardi war eine kontemplative Karmeliterin. Sie war eine Mystikerin. Von ihr lernen wir zu beten und in Gemeinschaft mit Gott zu treten. Sie sprach mit ergreifenden Worten über die Gnade Gottes, seine Nähe und Bereitschaft, den größten Sündern zu vergeben. Unsere Bewunderung steigt, wenn wir wissen, dass sie beinahe Analphabetin war.

  1. Die andere heilige, Marie Ghattas, öffnete die ersten Schulen für Mädchen in den Dörfern, die sie besuchte, wie Salt, Zababdeh, Beit Sahour und Jaffa Nazareth. Sie verteidigte Frauen und half ihnen, Zugang zu Kultur und Bildung zu bekommen, die die besten Mittel sind für Freiheit und Würde. Sie war aktiv und gleichzeitig immer auch kontemplativ, während die andere kontemplativ war, ohne ihre Aktivität zu stoppen. Als Mariam Bawardi starb, sagte eine Zeuge: Wenn sie nicht in den Himmel kommt, wer dann?
  2. Fürsprache für den Frieden: Die beiden Heiligen lebten in Palästina vor der Teilung. Sie kannten den israelisch-arabischen Konflikt nicht. Ich bin sicher, sie verfolgen unsere Situation vom Himmel aus und werden weiterhin Fürsprecher sein für Frieden und Versöhnung im Heiligen Land. Ihre Fürsprache ist stark und wirksam.

Schlussfolgerung: Palästinenser sollten stolz auf diese beiden Heiligen sein. Präsident Mahmoud Abbas wird an der Feier in Rom mit einer hoch-rangigen Delegation teilnehmen. Ich glaube, dass nicht nur Christen, sondern auch Moslems und Juden glücklich sein können, dass zwei Menschen aus unserem Land den höchsten Grad menschlicher Aufrichtigkeit, spiritueller Weisheit und mystischer Erfahrung von Gott erreicht haben. Sie sind Vorbilder für alle und Fürsprecher für alle. Als Fürsprecher für das Heilige Land unterscheiden sie nicht zwischen Christen und Nicht-Christen. Zufällig heißen beide Maria, Myriam. Es ist auffallend: Dieser Name ist bei Juden, Christen und Moslems gebräuchlich. Mögen sie eine Brücke zwischen uns werden.