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Gepostet on 23 Apr 2015 in Politik und Gesellschaft, Vertiefung

Das armenische Massaker: der „Genozid Plan“ der Türkei

Das armenische Massaker: der „Genozid Plan“ der Türkei

Analyse – Hundert Jahre sind vergangen seit dem Tod von beinahe 1,5 Millionen Armeniern – ohne die anderen Minoritäten mitzuzählen, die das gleiche Schicksal erfahren haben – und das Thema bleibt eine Debatte für die Türkei. Papst Franziskus selbst zögerte nicht diesen Begriff des internationalen Rechts „Genozid“ in Bezug auf dieses Massaker zu benutzen, trotz der türkischen Reaktion. In einem Interview für den „Vatican Insider“ gibt Aram I, eine Katholik der Armenischen Apostolischen Kirche in Sizilien, der im Libanon lebt, eine Analyse, die klar ihre friedliche, aber deutliche Position beschreibt.

„Die türkische Reaktion auf die Worte von Papst Franziskus zum armenischen Genozid verrät den türkischen Versuch, ein geplantes Massaker zu vertuschen und auszulöschen, für das es schlüssige, dokumentierte Beweise gibt“, erklärt der armenische Katholik im Hinblick auf die feindliche Reaktion der Türkei auf die Worte von Papst Franziskus.

Gemäß den armenischen Katholiken existieren genügend Beweise, dass „dieser erste Genozid im 20. Jahrhundert – nach der Bezeichnung von Johannes Paul II, die Papst Franziskus am 12. Mai 2015 wiederholt hat – wirklich stattgefunden hat. Dieser Beweis, fügt der Bischof hinzu, besteht aus „historischen Beweisen, Dokumenten, Augenzeugen, persönlichen Berichten von Diplomaten dieser Zeit, Historikern und mehrheitlich nicht von Armeniern. Sie haben geschrieben, diskutiert, veröffentlicht und öffentlich ihre Meinung kundgetan im Hinblick auf diese tragischen Ereignisse, und alle beziehen sich auf einen Genozid.“

Gemäß den Türken kann der Begriff Genozid nicht verwendet werden zur Bezeichnung eines Massakers, das den Armeniern zugefügt wurde, weil dieser Begriff des internationalen Rechts erst 1948 eingeführt wurde. Aram I betont angesichts dieses Arguments jedoch: „OK, ich verstehe das. Das war 1948. Aber das Wort ist nicht wichtig, es ist die Absicht, die wichtig ist, und die Absicht der Türkei war der Genozid. Die Absicht war es, das armenische Volk auszurotten, aus der Geschichte zu löschen und von den Landkarten die Namen Armenisch und Armenien(…). Es gibt genügend Beweise, die klar zeigen, dass das, was dem armenischen Volk widerfahren ist, Genozid war im wirklichen und juristischen Sinn des Wortes.“

Aram I glaubt auch nicht dem türkischen Argument, nach dem die Aussagen von Papst Franziskus die Spannungen zwischen dem Islam und der Christenheit nähren würden. „ Sie stellen diese Dinge absichtlich in einen falschen, strittigen und gefährlichen Kontext. Ich sage Ihnen, warum. Was den Armeniern geschehen ist, der Genozid, geschah nicht, weil die Armenier Christen waren. Das war Teil der pan-türkischen Ideologie (1), von Politik und Plänen der jungen Türken. Und die Armenier waren ein großes Hindernis bei der Verwirklichung ihrer pan-türkischen Politik. Sie wollten alle diese Nationen und Länder der gemeinsamen türkischen Ethnie und Kultur vereinen, unter einem pan-türkischen Schirm. Und die Armenier waren ein Hindernis. Daher organisierten sie dieses Verbrechen, diesen Genozid, genau aus diesem Grund. Religion war kein Faktor. Nun benutzen sie die Religion, um diese Empfindlichkeit zwischen den Christen und dem Islam zu schaffen. Das kann nicht akzeptiert werden.

Die Tragödie der Christen im Mittleren Osten und die Sorge der Kirche um eine sichtbare Einheit.

Der armenische Bischof schloss das Interview mit einem Bezug auf das tragische Schicksal vieler Christen im mittleren Osten, auf die Rolle, die die Christen im Westen spielen können, um zu schützen, was von den Christen bleibt, und auf die ökumenische Bewegung, die ihm so am Herzen liegt. „Die armenische Kirche war von Anfang an eine tolerante, eine flexible Kirche. Wir sind eine Kirche, die wirklich an die Ökumene und an die sichtbare Einheit der Kirche glaubt“(…). Ich diskutierte mit ihm (Anmerkung der Verfassers: mit Papst Franziskus), ich sagte, dass aus vielen Gründen unsere Kirchen, alle unsere Kirchen, und besonders die katholischen und orthodoxen Kirchen, stark institutionalisiert wurden. Die Institution hielt die Kirche in eingefrorenen Grenzen. Ich sagte: Für die Kirche als essentielle Gemeinschaft der Gläubigen ist es lebensnotwendig, dass wir die Kirche aus ihren Mauern führen.“

Zusammenfassung von Firas Abedrabbo

  1. Pan-Turkismus, auch Pan-Turanismus: ist eine nationalistische Ideologie, die im 19. Jahrhundert entstanden ist, um die Verbindung zwischen Türkisch sprechenden Völkern zu bestärken, um ihre Einheit innerhalb des gleichen Staates zu erhalten. Das Konzept wurde öffentlich gemacht durch bestimmte Trends junger Türken und besonders durch Enver Pacha.