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Gepostet on 30 Jan 2015 in Orden vom Heiligen Grab

Ritter und Dame des Ritterordens vom Hl. Grab in heutiger Zeit

Ritter und Dame des Ritterordens vom Hl. Grab in heutiger Zeit

JERUSALEM – Die weiten weissen Mäntel der Ritter, geschmückt mit dem grossen roten Jerusalemkreuz, sind sehr beeindruckend. Weit entfernt vom Mythos des geheimen militärischen Ordens des Mittelalters bedeutet heute für den Ritter oder die Ordensdame die Zugehörigkeit zum Ritterorden viel mehr als schöne Mäntel oder prächtige Feierlichkeiten. Wir berichten über die Begegnung mit sechs Mitgliedern, von denen jedes über seinen Einsatz für das Hl. Land und für die Christen im Nahen Osten berichtet.

Der Orden besteht in 34 Ländern und hat ca. 28.000 Mitglieder. Ritter und Damen des Ordens leben ihre Verpflichtung in unterschiedlicher Weise, aber im selben Geist der Solidarität und Hingabe.

carola-henrique-dominique-300x203Carola und Henrique sind Ritter und Ordensdame seit vier bzw. zwei Jahren; sie leben derzeit im Hl. Land. In einem früheren Artikel haben sie uns von ihrer Berufung, sich in den Dienst der Christen im Hl. zu stellen, berichtet. “Meine heutige Mitwirkung und mein Einsatz übersteigen bei weitem meine ursprüngliche Vorstellung. Als Ritter ist es die grösste Ehre und erfüllt einen mit Stolz, wenn man so viele Jahre nach unseren Vorfahren im Orden nach Jerusalem zurückkehren kann, in der Grabeskirche zu beten und unseren Herrn und diejenigen zu ehren, die in der Vergangenheit so hart dafür gearbeitet haben, um unsere Religion und unsere Werte zu wahren”. Während ihrer freiwilligen Arbeit in Taybeh trafen sie einen anderen Ordensritter, den 1997 aufgenommenen Dominique Nettebroeck, der als “hart arbeitender Mann” für einen Monat zu den Heilig-Kreuz-Schwestern nach Jerusalem kam. Für ihn wie auch Carola und Henrique bedeutet der Eintritt die Zugehörigkeit zu einem Orden, der ihre Suche nach Werten und Sinngehalt des Lebens verkörpert. “Ein Ritter ist für mich ein Kämpfer für den Frieden, ein gentleman, eine Person die mit grosser Zivilcourage und Mut die Christen im Hl. Land schützen will und mit grossem Respekt, Kenntnis und Verantwortungsbewusstsein die Werte und Normen unserer Kirche vertritt” sagt Henrique. Für Dominique ist es ein Leben “das einen grossen spirituellen Anspruch (einschliesslich dessen Grundlegung) mit einer wohl organisierten und zielgerichteten (weltlichen) karitativen Tätigkeit im Hl Land verbindet. Mir wurde bewusst dass es möglich ist, diesen Dingen nachzugehen und auch heute diese Tugenden unser Vorfahren ohne Pomp oder Romantik zu leben”. Dominique, der eine Reihe von Aufgaben in der französischen Statthalterei wahrgenommen hat und der nach Beendigung seines Einsatzes nach Frankreich zurückkehrt, bemerkt folgendes: “Unbeschadet des Umfangs der vor Ort geleisteten Arbeit ist jeder Ritter “von Nutzen” und geschätzt. Neben den nationalen Projekten der einzelnen Statthaltereien können wir, entsprechend unseren Möglichkeiten, bescheiden und unsichtbar, individuelle Aktivitäten entfalten.”

Carola und Henrique, die ihr heimatliches Leben verlassen haben und ins Hl. Land gekommen sind, um hier zu leben, erfahren durch ihren täglichen Einsatz und ihr Engagement einen grossen Wandel in ihrem Leben. “Ich habe gelernt mich von materiellen Gütern zu lösen und ein einfacheres und strengeres Leben zu führen. Ich bin glücklich, die Möglichkeit zu haben hier den Christen im Hl. Land zu helfen und bin stolz, meinen Mann bei diesem einmaligen Einsatz zu begleiten” führt Carola aus. Ihr Mann fügt hinzu “ich bin nach Jerusalem gezogen, um zu erfahren, was es ist, ein Ritter in diesem Land zu sein und gerade in der Zeit der Konflikte und Schwierigkeiten, die wir durchleben, brauchen die Christen unsere Unterstützung und Fürsorge am meisten. Die Gebete sind das Wichtigste, aber Massnahmen und Unterstützung “vor Ort” sind heutzutage ebenso wichtig”. Seit ihrer Ankunft haben Carola und Henrique bei der Umsetzung fünf verschiedener Projekte mitgewirkt.

frederic-300x169Ein gänzlich anderes Beispiel: Ghada und Tewfiq Habesch, arabische Christen, sind seit 2010 Ritter bzw. Dame im Ritterorden. Ritter und Dame im Orden zu sein “bedeutet für uns den Willen Gottes, dass wir Mitglieder in diesem alten und historischen Orden sind, der Kirche Gottes dienen und uns in den Dienst anderer stellen”. Investiert durch seine Seligkeit Fouad Twal teilen Tewfig und Ghada die Wertvorstellungen der Ritter und Damen in aller Welt und setzen diese durch Gebet, Mitgefühl, moralische Unterstützung und die Durchführung von diversen Projekten um. “Wir leben hier, wir sind von hier, und unsere Rolle bei der Aufrechterhaltung der christlichen Präsenz im Hl. Land ist eine andere, da wir sie täglich leben. Unsere Verpflichtung, Zeuge des Glaubens zu sein, leben wir in der alltäglichen Gegenwart”. Um diese Erfahrung mit anderen Ordensrittern und – damen sowie “einfachen” Pilgern aus aller Welt zu teilen haben Ghada und Tewfiq ein Reisebüro gegründet um Katholiken zu Reisen in das Hl. Land zu bewegen. “Eine Pilgerreise ist eine grosse spirituelle Erfahrung, die den Glauben wiederbelebt und stärkt und gleichzeitig den dauerhaften Verbleib der Christen im Hl. Land unterstützt.”

une-nuit-de-la-terre-saint-samedi-au-sanctuaire-300x169Frederic Fagot, 2012 zum Abt ernannt, erkundete das Hl. Land 2006. Ein Unwetter wurde zur Liebesgeschichte: “Ich trat dem Orden bereits vor meiner Entscheidung, Priester zu werden, bei. Seit Jugendjahren liebte und beschäftigte ich mich mit Geschichte und dem Nahen Osten, das Ritterrum entdeckte ich durch historische Gestalten wie Godrey de Bouillon, Baudouin IV von Jerusalem und ich las Bücher von Jacques Heers, Jean Richard und Regine Peroud…” Die Begeisterung des Abtes nimmt zu, wenn er über den christlichen Osten spricht: “Jeder Christ ist in Jerusalem geboren. Die Ritter des Ordens vom Hl. Grab sind – durch ihr Gebet und ihr vielfältiges Tun – Verteidiger der Kirche und, im besonderen, der Christen im Osten”. Eine seiner vielen Aufgaben ist die Vereinigung der Friedenswächter, die zweierlei Schwerpunkte setzt: erstens die Ausweitung des Schüleraustauschs zwischen Schulen in der Bretagne (der Abt ist Diözesan-Delegierter für die katholischen Schulen in Morbihan in Frankreich) und im Hl. Land; ein weiterer Punkt ist für den Sommer angedacht – junge Erwachsene werden auf Pilgerreise ins Hl. Land geschickt, wo sie freiwillige Arbeit mit den christlichen Gemeinden leisten. “Ein Ritter ist für mich Gottes Arm; seine Pflicht bestand in der Vergangenheit darin, die Heilige Kirche zu schützen, zu verteidigen und zu unterstützen. Heute leistet er dies durch Gebet, die Durchführung von Projekten in Zusammenarbeit mit den Christen und insbesondere den Jugendlichen im Hl. Land.” Eine der zuletzt durchgeführten Initiativen war beispielsweise “die Nacht des Hl. Landes” in der Bretagne in Ste-Anne d’Auray, zu der sich im letzten November 1500 Personen versammelten: “Es ist von wesentlicher Bedeutung, dass die grösstmögliche Anzahl an Personen Betroffenheit für dieses Land und den dort lebenden Männern und Frauen empfindet. Dies gilt ebenso für unser Überleben”.

Aus diesem Grund stellt die Mitgliedschaft als Ritter und Dame im Orden einen bedeutsamen Einsatz dar und reflektiert die tiefe Liebe für das Hl. Land und die lebendige Mutter Kirche in Jerusalem. Indem er den Mantel trägt, in dem er wie in einem Grabtuch begraben werden wird, bekräftigt der Ritter vom Hl. Grab seine Zugehörigkeit zu Gott, sein Bekenntnis zum Dienst in der Kirche und ihren Einrichtungen und tut dies durch die Unterstützung der verschiedenen Arbeiten vor Ort und der Institutionen – kulturelle, karitative und soziale – der katholischen Kirche im Hl. Land; dies insbesondere der Einrichtungen, die zum Lateinischen Patriarchat in Jerusalem gehören.

Eva Maurer Morio