Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 15 Dez 2014 in Geschichte, Publikationen, Vertiefung

Feierlicher Einzug des Lateinischen Patriarchen in Bethlehem

Feierlicher Einzug des Lateinischen Patriarchen in Bethlehem

Cisjordanie-Bethlehem-24decembre2012-2BETHLEHEM: Wenige Tage vor Weihnachten konzentrieren sich die Augen der ganzen Welt auf Bethlehem, wo verschiedene Zeremonien der katholischen Kirche in der Stadt, in der Christus geboren wurde, stattfinden. Ein kurzer Blick auf diese Festlichkeiten und den feierlichen Einzug des Patriarchen in Bethlehem.

Am 24. Dezember um 13 Uhr geht der Patriarch über die Stiege des Patriarchats und steigt in sein Auto. Eine sorgfältig geplante Autokolonne, symbolisch bis ins feinste Detail, fährt Richtung Bethlehem. Die israelische Polizei sperrt alle Straßen, die Ampeln schalten auf Grün. In dieser Autokolonne begibt sich der Patriarch vom Jaffa-Tor zum Eliaskloster, wo der Bezirk Bethlehem beginnt. Dort erwarten Persönlichkeiten des öffentlichen und religiösen Lebens den Patriarchen und benutzen mit ihm gemeinsam die alte Straße der Patriarchen. Bekannt als Straße 60 durchquert dieser Weg das biblische Gebiet vom Norden nach Süden und folgt dem Weg von Abraham, Isaak und Jakob. Unser Patriarch, zurzeit Seine Seligkeit Fouad Twal, fährt auf dieser Straße bis zum Grab Rahels. An diesem Punkt von höchster politischer Bedeutung begrüßt die Priesterschaft die Autokolonne.

Während der Ottomanischen Regierung wurde der Patriarch von fünf Kavalleristen begleitet. Heute, wegen der Trennungsmauer, werden die fünf Kavalleristen aus Jerusalem am Tor von fünf berittenen Palästinensern abgelöst. Das Tor, das der Patriarch heute benützt, ist nur zu seltenen Gelegenheiten geöffnet. Es ist nicht der normale Check-Point.

Während der Ottomanischen Regierung verließ der Patriarch, der auf einem Pferd ritt, den Sitz des Patriarchats, vor ihm ging sein Vikar, der ein großes Kreuz trug. Hinter dem neu eingesetzten Patriarchen von Jerusalem (das Lateinische Patriarchat wurde im Land erst 1848 wieder begründet) gingen seine Kanoniker zu Fuß. Beim Eliaskloster begrüßten die Autoritäten von Bethlehem den Patriarchen und öffneten die Straße bis zum Manger Square (Krippenplatz).

Der Guardian des Franziskanerklosters der Geburtsbasilika erwartet den Patriarchen. Der Manger Square ist voll mit Gläubigen. Die Stimmung ist erwartungsvoll, die Menschen hören Musik, die von Pfadfindergruppen gespielt wird, schließen sich dem Konvoy an, kommen näher. Nach zweieinhalbstündiger Fahrt für nur 10 Kilometer öffnet der Patriarch die Tür. Unter den Rufen der Menge und vor der Pforte der Demut begrüßt der Franziskanerguardian den Patriarchen. Vespern, erste Feiern des Weihnachtsrituals, werden unter dem Vorsitz des Patriarchen gefeiert. Die tägliche Prozession zur Geburtsgrotte findet genauso wie während des ganzen Jahres statt, aber mit einer erneuerten Erregung in den Herzen der Christen während dieser besonderen Nacht.

Der Patriarch zieht sich dann zurück und wartet auf die traditionelle Mitternachtsmette. Man mag sich über diesen riesigen Aufwand wundern; wir sollten uns jedoch an die einzigartige Bedeutung dieses Festtages für jeden einzelnen Christen erinnern. Einige sind gesegnet, weil sie dieses Ereignis genau an dem Ort der Geburt des Gottessohnes erleben. Trotzdem sind in der gesamten Welt, wenn jeder Christ in seiner Kirche – ob in Frankreich, England, in den USA, in Spanien Portugal, Deutschland, in seiner eigenen Kongregation, mit seiner Familie – Weihnachten feiert, alle durch die Kraft des Gebets mit Bethlehem verbunden. Dann können wir verstehen, warum es wichtig ist, dass der Repräsentant der Katholischen Kirche in diese kleine Stadt in Judäa geht, wo alles begonnen hat, mit dem Klang von Hörnern und Trommeln.

Eva Maurer Morio