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Gepostet on 1 Dez 2014 in Geschichte, Publikationen, Vertiefung

Was bedeutet „Status Quo“?   

Was bedeutet „Status Quo“?  

statu quoHeiliges Land – Das Heilige Grab lässt den Pilger meistens beim ersten Besuch verwirrt zurück, die Regeln, die den Ort verwalten, verwandeln den Platz in eine eingeschränkte Zone. Ein Rückblick auf den Status Quo, der das Hl. Grab verwaltet und noch wichtiger, die Hl. Stätten des Hl. Landes. Ein statischer Text, der auch die Stiege an der Fassade des heiligsten Schreins der Christenheit berühmt hält.

Ein einzigartiger Status Quo regelt seit beinahe 150 Jahren die Grabeskirche und die Geburtskirche, die Himmelfahrtkapelle und die Kirche mit dem Mariengrab. Der Status Quo ist definiert durch Edikte (Dekrete unter dem Ottomanischen Reich) von 1852 und 1853, um die Streitigkeiten zwischen den christlichen Gemeinden um den Besitz der Hl. Stätten zu beenden. Der Text regelte die territoriale Aufteilung und die Prozessionen, provozierte aber auch Meinungsverschiedenheiten. 150 Jahre später gab es neuerlich Streitigkeiten, die von den internationalen Medien aufgegriffen wurden, im Jahr 2002 (ein Stuhl wurde an einem heißen Tag in den Schatten gestellt. Resultat: 11 Verwundete, die im Spital behandelt wurden) und 2008 (Polizeiintervention zur Trennung von Streitenden, weil während einer Prozession eine Tür offen gelassen wurde). Was scheint der Status Quo zu sein?

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick

Nach den islamischen Eroberungen lebten christliche Gemeinden jahrhundertelang Seite an Seite trotz starker Unterschiede in Dogmen, Riten und Sprache.

Eine Entscheidung von Saladin im Jahr 1187 AD bestimmte eine moslemische Familie zum Schlüsselverwahrer und eine weitere Familie zum Torwächter der Grabeskirche. Daher gehörte dieser heilige Ort nicht mehr den christlichen Gemeinden und Saladin hatte die Kontrolle über den Eingang, den er mit einer erheblichen Gebühr (Steuer) belegte.

Von 1335 an konnten die Franziskaner beträchtliches Eigentum an den Hl. Stätten erwerben. Wenn man die Verstrickung westlicher Mächte im Konflikt mit dem Ottomanischen Reich im Jahr 1622 bedenkt, so wurden die Hl. Stätten während des 17.und 18. Jahrhunderts für die Botschafter der Westmächte ein Verhandlungspunkt mit dem Ottomanischen Reich, dessen Untertanen die Griechisch-Orthodoxen waren.

Während des 19. Jahrhunderts bekräftigte der Ottomanische Sultan den Status Quo durch zwei Dekrete, die den Streit um das Eigentum der Hl. Stätten regelten. Bis heute ist dieser Status Quo der Bezugspunkt, um die Angelegenheiten zum Betrieb dieser Stätten zu regeln, von der einfachen Laterne bis zu Prozessionen, durch weit angelegte Restaurierungsarbeiten (wie es momentan in der Geburtskirche der Fall ist).

Eine gut definierte, aber schwierig zu findende Regelung

Jeder Schritt eines jeden Ritus ist jetzt festgelegt, aber zur Zeit der Ottomanischen Dekrete wurden kein offizieller Text aufgeschrieben, die Aufmerksamkeit richtet sich daher auf private Aufzeichnungen. Die Tradition erledigte den Rest der Arbeit, und die Angelegenheit ist heute in Stein gemeißelt. Das Hinzufügen verschiedener Kirchenregelungen führte zu einem Präzedenzrecht. Der Status Quo bezieht sich jedoch nicht auf die Liturgie, sondern nur auf den Ablauf von Ritualen.

Die Grabeskirche wird von drei Kirchen, die in ihr leben, geleitet: die Griechisch-Orthodoxen, die den Löwenanteil an den Gebäuden haben, die Lateiner, repräsentiert durch die Franziskaner, und die Armenier. Später kamen, mit dem Segen der drei, die Äthiopisch-Orthodoxen, die am Dach der Helenenkapelle leben, die Kopten und Assyrer, die jeweils eine Kapelle besitzen.

Um auf die Türen zurückzukommen: die Regelung besagt, dass nur eine der drei residierenden Gemeinden das Öffnen der Basilika verlangen kann. Man ruft st sepulcre2 565x489die moslemische Türhüter-Familie, die die andere Familie mit dem Schlüssel ruft, und dann wird die Tür geöffnet. Zum Reinigen wird der Hof von den Griechen gekehrt, die für seine Sauberkeit sorgen. Die Lateiner reinigen die Stufen, die zur Kapelle der Franziskaner führen (rechts vom Eingang) und die Platte des Hofs, die näher an der Stiege sind. Ein weiteres Beispiel: der Salbungsstein wird von den drei Gemeinden nacheinander gereinigt. Acht Öllampen hängen: vier gehören den Griechen, zwei den Armeniern, eine den Lateinern und eine den Kopten. In der Engelskapelle dürfen die beiden Stufen rechts exklusiv von Lateinern benutzt werden, die Stufen links sind für die Griechen und Armenier reserviert. Und so ist das mit jedem Quadratzentimeter.

Für jede Änderung ist eine Zustimmung der drei residierenden Gemeinden notwendig. Dekoration und Ausrüstung sind Ausdruck des Eigentums des Ortes. Was die berühmte Stiege betrifft, die die Fassade seit den Dekreten schmückt, es gibt sie bis zum heutigen Tag, weil niemand es wagt, sie zu entfernen und damit heftige Konfrontationen mit Nachbarn auszulösen, die darin ein Ergreifen des Platzes sehen könnten. Sie ist deswegen die materielle Inkarnation des Status Quo. Trotzdem gibt es Entscheidungen, die zeigen, dass die Starre der Regelungen relativiert werden soll: die Gemeinden haben es vor einigen Jahren geschafft, eine Einigung zu Restaurierungsarbeiten des Daches zu erzielen.

Diese starren Positionen sind jedoch ein Weg, diesen einzigartigen Ort zu schützen und vor plötzlichen Architektureffekten aus alter Zeit zu bewahren. Für Pfarrer Stephan, den Guardian der Salvatorkirche, „erscheint der Status Quo auf den ersten Blick wie ein eiserner Kragen, der die Teilungen in der Kirche beweist; aber Regelungen sind notwendig zum Nutzen aller Kirchen. Es ist ein ökumenischer Ort, der für mich nicht einen Riss symbolisiert, sondern der die Universalität der Kirche um die gleiche Auferstehung, den gleichen Glauben erhält.“ Dort, im erfolgreichen Gebet inmitten einer oft lärmenden Menge, kann der Besucher oder Gläubige dasselbe Gefühl erfahren wie die Kreuzfahrer-Pilger des 12. Jahrhunderts und die gleichen Gegebenheiten sehen wie Chateaubriand im 19. Jahrhundert. Würde daher der Status Quo der Garant sein für die Zeitlosigkeit der christlichen Kirche innerhalb dieser Orte?

In einem kommenden zweiten Teil zum Thema wird sich der Artikel mehr mit den spirituellen Problemen als Nebeneffekt dieses Status Quo befassen.

Eva Maurer Morio