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Gepostet on 21 Nov 2014 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese, Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Ostjerusalem – Die Rechte der Kinder sind bedroht

Ostjerusalem – Die Rechte der Kinder sind bedroht

Conference-Childhood-interruption-225x300JERUSALEM – Am 19. November 2014 wurde eine Konferenz zu den Kinderrechten in Jerusalem abgehalten, die von Juristen und Spezialisten besucht wurde. Das Thema der Bürgerregistrierung palästinensischer Kinder in Jerusalem und die Unmöglichkeit für sie, wie ihre Eltern, eine dauernde Aufenthaltsgenehmigung oder einen Ausweis zu erhalten, wurde besprochen. Das Thema ist verknüpft mit dem größeren Thema der Familienzusammenführung.

Unterbrochene Kindheit: Kinderregistrierung in Jerusalem

Das war das Thema der Konferenz, die von der St. Yves Gesellschaft – der legalen Gesellschaft, die dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem angeschlossen ist – in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer Stiftung in Jerusalem veranstaltet wurde. Die Konferenz fand im Päpstlichen Zentrum Notre Dame von Jerusalem statt. Nach zwei kurzen Begrüßungsreden, gehalten vom Leiter der Konrad-Adenauer Stiftung in Jerusalem und dem Direktor der St. Yves Gesellschaft,  Raffoul Rofa, sprach Seine Seligkeit Patriarch Emeritus Michel Sabbah über die Krise der Gerechtigkeit, die das Hl. Land seit vielen Jahren belastet. Er sprach über das Thema der Kinderregistrierung. Für den palästinensischen Patriarchen, geboren in Nazareth vor der Gründung des Staates Israel, „ist das Thema der Kinderregistrierung eine Facette eines weiteren Gebietes: der Familienzusammenführung. Die Familie steht im Zentrum all dessen, und daher ist diese Angelegenheit sowohl natürlich als auch human. Eine Familie bedeutet einen Vater, eine Mutter und Kinder, die unter einem Dach zusammenleben. Aber hier, unter sehr besonderen Umständen, erlässt das israelische Gesetz Regelungen, die es einer Familie nicht erlauben, unter einem Dach zu leben. Für sie scheint das normal zu sein, obwohl es dem natürlichen Gesetz widerspricht. Ein positives Gesetz sollte nicht dem natürlichen oder göttlichen Gesetz widersprechen, das Gott selbst in Harmonie mit der menschlichen Natur gegeben hat  – sonst wird der Mensch Opfer des Gesetzes.“

Indem er sich auf die aktuelle alarmierende Situation bezog, wiederholte der Patriarch Emeritus, was oft seine Überzeugung war: „Jeder Regierende sollte sich immer fragen, warum es so oft zu Explosionen kommt? Er wird die Antwort finden, wenn er auf sein Gewissen hört. Die Schuld liegt nicht in der Reaktion, sondern in der Ursache für die Reaktion. Dieses Wissen dient dem Interesse Israels. Wenn die Israelis Sicherheit genießen wollen, sollen die Palästinenser auch Sicherheit genießen können. Frieden für jeden herrscht dann, wenn jedes Individuum die Humanität in sich selbst erkennt: wenn er weder Angreifer noch Angegriffener ist.“

Der Nächste in der Reihe war Bassem Khoury, Vorstandsmitglied der St. Yves Gesellschaft, der auch der Moderator der Konferenz war. Er kam spät wegen der Checkpoints zwischen Ramallah und Jerusalem, weil die Israelis in letzter Zeit ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt haben. In seiner Einleitung, und mit Bezug auf die schmerzliche Realität, fragte sich Khoury: „Ist Gerechtigkeit für Macht, oder ist Macht für Gerechtigkeit?“ Er betonte, dass das Verweigern, Kinder zu registrieren, eine Art ethnischer Säuberung“ von Seiten der Israels ist, und dass es wirklich „ein Kriegsverbrechen gemäß dem internationalen Gesetz“ ist. Die Palästinenser halten heute „eine Atombombe“ in ihren Händen, so palästinensische Intellektuelle. Diese „Bombe“ ist ihr Recht, von jetzt an internationalen Vereinigungen und Verträgen beizutreten, besonders dem Vertrag von Rom, der sie zukünftig vor jeder israelischen Aggression beschützen wird. Ein Schutz, der auf Gerechtigkeit und Recht gründet.

Auf diese Rede folgte das Zeugnis einer moslemischen, palästinensischen Mutter. Sie ist Mohammed Asfours Großmutter. Mohammed ist 7 Jahre alt, aber er ist immer noch nicht als Bewohner Jerusalems registriert. Sein Vater ist im Gefängnis, und seine Mutter ist eine Palästinenserin von der Westbank, die nicht mit ihrem Kind in Jerusalem leben darf. Mohammed lebt daher bei seiner Großmutter, aber er darf nicht in die Schule gehen, er hat keine soziale Sicherheit, weil er „keinen Ausweis oder Pass hat, der seinen Wohnsitz in Israel beweist“. Er hat auch keinen palästinensischen Ausweis. Nach dem Gesetz existiert dieses Kind nicht.

Raffoul Rofa und Haitham Al Kathib, beide Mitglieder der St. Yves Gesellschaft, sprachen über die Angelegenheit vom gesetzlichen Standpunkt aus. Herr Rofa erklärte, dass „im Jahr 1967 Israel den Palästinensern in Ostjerusalem ein dauerndes Wohnrecht gab, aber keine Staatsbürgerschaft. Das bedeutet, dass der israelische Innenminister diese Aufenthaltsgenehmigungen jederzeit widerrufen kann, in besonderen Fällen wie bei Personen, die eine bestimmte Zeit außerhalb Jerusalems lebten. Die Kinder erben den legalen Status ihrer Eltern. Diese Politik hat demographische Gründe. Von Anfang an hat Israel versucht, in Jerusalem eine demographische „Balance“ zwischen palästinensischen Arabern und Israelis zu erhalten. Am Anfang war sie festgelegt mit 20% Arabern und 80 % Israelis. Später verschob sich der Prozentsatz auf 30% Araber und 70% Israelis.“

Haitham Al Kathib, der der Vorstand der Rechtsabteilung der St. Yves Gesellschaft ist, stellte abschließend fest, dass ein Kind, das bis zum 18.Lebensjahr nicht registriert wurde, das Recht verliert, sogar wenn es später die notwendigen Bedingungen erfüllt (wenn zum Beispiel der Vater aus dem Gefängnis kommt). Die Zukunft dieses Kindes, das in keinem Register verzeichnet ist, wird sehr kompliziert. Gegenwärtig ist es Bewohner keines Landes!

Firas Abedrabbo

 

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