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Gepostet on 14 Nov 2014 in Dialog, Kirche, Lektüren, Politik und Gesellschaft

Mauern oder Brücken bauen?   

Mauern oder Brücken bauen?  

Sofa-con-vistas-300x224ROM – Wie sonntags üblich war der Papst am 09. November 2014 am Fenster seiner Residenz, um die Gläubigen und große Zahl der Pilger zu begrüßen, die mit ihm den Angelus beten und seiner kurzen Meditation zuhören. Der Sonntag fiel auf den 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer; wie konnte man da nicht an die von Israel gebaute Mauer denken, die die palästinensischen Gebiete voneinander trennt?

 

Zweifellos hat sich die Rede des Papstes nicht direkt an die Menschen im Hl. Land gerichtet. Sie bezog sich auf den Konflikt, der dies Land der Himmlischen Botschaften auf solch grausame Weise zerreißt. Der Papst als Oberhaupt der Weltkirche ist sich bewusst, wie viele Mauern es in der Welt gibt. Und wer immer Papst Franziskus versteht weiß, dass seine Worte vor allem spiritueller und nicht politischer Natur sind, weswegen sie für unterschiedliche Gegebenheiten und Lebensmuster gelten können.

 

Seine Worte waren einfach, aber sehr realitätsnah: “Lasset uns beten so dass wir, mit der Hilfe des Herrn und dem Zusammenwirken aller Menschen guten Willens, eine Kultur des Miteinanders weiter entwickeln die es ermöglicht, die Mauern einzureißen die diese Welt trennen, so dass unschuldige Menschen nicht mehr wegen ihres Glaubens oder ihrer Religion verfolgt werden.Wo immer Mauern sind, sind die Herzen verschlossen. Wir brauchen Brücken und keine Mauern!”.

 

Wir können unterscheiden zwischen zwei Arten von Mauern, die die Menschheit  “ideologisch” trennen: materielle Mauern (aus Stein) und psychologische Mauern. Materielle Mauern finden sich dieser Tage nicht mehr so oft; wir sehen sie selten. Aber eine wird noch immer gebaut und dies im Hl. Land. Es ist die berüchtigte Mauer, die Israel um das palästinensische Volk “zu dessen Sicherheit” baut. Viele sehen darin eine kurzfristige “Lösung”; kurzfristig mag sie sein aber wie hässlich ist sie. Diese Mauer ist wie die sichtbare Widerspiegelung aller anderen Mauern, der unsichtbaren, der psychologischen Mauern, die noch viel undurchdringlicher und schwerwiegender sind.

 

Psychologische Mauern gibt es viel mehr als echte Mauern. Es gibt ebenso viele wie die Zahl der Menschen, die in diesem Land leben. Jeder von uns hat Mur-1-300x156innere Mauern, Mauern die wir selbst bauen oder die wir durch unsere Kultur oder unsere Prägung geerbt oder mitbekommen haben. Für manche Menschen sind diese Mauern so hoch geworden, dass sie sich ein anderes Leben hinter diesen Mauern nicht mehr vorstellen können. Wer immer in der Lage ist zu erkennen, was hinter diesen “Sicherheitsmauern” passiert, wird letztlich neue Horizonte und das Erlebnis von Frieden und Sicherheit erfahren. Die höchste und härteste psychologische Mauer ist die Mauer der “Angst”, hinter der man vergeblich nach Frieden und Sicherheit Ausschau hält.

 

Der Papst spricht von “verschlossenen Herzen”. Dieses Bild ist in der Tat erschreckend. Ein Mensch mit verschlossenem Herzen kann keine Liebe für den Nächsten mehr empfinden. Er kann das Leiden anderer nicht nachempfinden. Sie sind seine “Feinde”! Dies ist wahrscheinlich der Grund warum Jesus seine Jünger aufgefordert hat ihre Feinde zu lieben! Dadurch erschließt sich der Weg zur Freiheit!

 

Denn andererseits verdrängt der Mensch, der zwischen sich und anderen Mauern baut, seinen sehnlichen Wunsch geliebt zu werden und beraubt sich damit der Zuneigung anderer wenn er selbst leidet. Welche Einsamkeit und Betrübnis! Das ist höllisch.

 

Die wir unsere Feinde nennen zu lieben ist jedoch möglich durch unser “Bemühen” und Streben, die Hilfe des Himmels herbeizubitten um diese Brücken mit unseren Feinden zu bauen. Es ist eine harte und mühsame Anstrengung, die aber gleichzeitig auch befreiend für einen selbst und andere ist. Dies ist der Weg der in das Königreich der Verheißung führt.

 

Dies sind die Brücken die das Heilige Land und die beiden Völker der Christen und Israelis in diesen Tagen dringender brauchen denn je. Es scheint als ob diese “Kultur der Mauern” zumindest in im religiösen wie politischen Bereich ein weltweites, internationales Phänomen geworden ist; und dies angesichts der Entwicklung der Kommunikations”werkzeuge”, auf die wir so stolz sind. Welch ein Paradox.

 

Diese Realität zwingt uns, ob wir nun Christen sind oder nicht, jeden Tag zu einer verantwortungsvollen Entscheidung: baue ich Mauern oder Brücken?

 

 

Firas Abedrabbo