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Gepostet on 30 Okt 2014 in Patriarch, Rede und Interviews FT

Fouad Twal: „Londons Anerkennung des Staates Palästina ist ein Beispiel, dem man folgen soll“

Fouad Twal: „Londons Anerkennung des Staates Palästina ist ein Beispiel, dem man folgen soll“

Fouad-Twal-Palestine-150x150Interview – Die Entscheidung des Britischen Unterhauses, den Staat Palästina anzuerkennen, ist ein Beispiel, dem „andere Nationen“ folgen sollten, sagte der Lateinische Patriarch von Jerusalem Fouad Twal in Radio Vatikan am 14. Oktober 2014 am Rande der Präsentation seines Interviews in Buchlänge „Jerusalem, Hauptstadt der Menschheit.“

 

Es geht um ein Volk wie jedes andere, das ein Recht hat, in Frieden zu leben, ein Heimatland zu haben, eine Hauptstadt, einen Reisepass, seine eigenen Briefmarken und seine eigene Währung…Ich bitte nicht um irgendwelche Privilegien.

Q – Glauben Sie, dass diese Abstimmung des Britischen Unterhauses den Verhandlungen einen neuen Antrieb geben könnte?

Ja, Sie haben Recht. Das kann ein gutes Beispiel sein für andere Länder, die noch zögern. Wir müssen den Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne Komplex, ohne Angst, und alles wird gut werden.

Q – Was ist mit den Geldern, die für den Wiederaufbau von Gaza auf der Konferenz von Kairo zugesichert wurden?

Es ist die Verrücktheit der Welt. Anstatt ein ganzes Land zu zerstören, zu töten, zu erniedrigen und dann mit fünf Milliarden Dollar wieder aufzubauen, hätten wir die fünf Milliarden sparen können, wenn wir nicht Krieg geführt, sondern in Frieden gelebt hätten.

Q –  Kriegsopfer waren hauptsächlich Kinder…

Es gibt viele Wunden im Herzen der Menschen. Ich glaube nicht, dass Geld das ändern kann. Es liegt an uns, über die Zeit durch Erziehung, Geduld, Liebe und Gebet den Menschen zu erneuern und ihn eher zu einem Menschen des Friedens, der Brüderlichkeit und Zusammenarbeit zu machen als zu einem Menschen des Kriegs und der Gewalt.

  Q – Auch in Jerusalem sind die Schwierigkeiten, die Familien erfahren, zahllos…

Viele unserer jungen Menschen können nicht heiraten oder eine Familie gründen, weil sie kein Haus haben, kein Geld, keine Arbeit und keine Berufsmöglichkeiten. In unseren palästinensischen Dörfern können viele unserer Jugendlichen nicht diese Freude und diesen Segen haben.

Das Buch „Jerusalem, Hauptstadt der Menschheit“, das dem Senat präsentiert wurde, ist ein Dialog zwischen Patriarch Fouad Twal und dem Journalisten Nicola Scopelliti. Es erzählt die Geschichte eines jungen Jordaniers aus einer Beduinenfamilie, der Priester wurde, dann Diplomat beim Hl. Stuhl, der erste arabische Bischof von Tunis und nun der Lateinische Patriarch von Jerusalem. Jerusalem, eine einzigartige Stadt in der Welt, sagt Patriarch Twal in diesem Buch, ist eine Stadt voller Widersprüche, die alle Gläubigen vereint und gleichzeitig spaltet. Das Buch ist eine Erzählung vieler kleiner Geschichten und konzentriert sich gleichzeitig auf das Leben der Christen im Hl. Land, wo Kultur, Dialog und Toleranz – so der Patriarch – die Säulen des Friedens im Nahen Osten darstellen.

Interview: Elvira Ragosta auf Italienisch für Radio Vatikan