Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 7 Okt 2014 in Geschichte, Publikationen, Vertiefung

Was ist das „Heilige Land“?

Was ist das „Heilige Land“?

787px-1570_Palestinae_HondiusREFLEXION – Die Antwort scheint offensichtlich, doch schon der Begriff „Heiliges Land“ allein erinnert an Jahrtausende von Geschichte: die Erzählungen von verschiedenen Menschen und verschiedenen Ländern. Aus einer geographischen, biblischen und spirituellen Perspektive, ohne politische oder unpolitische Betrachtungen abzutun, ist die Frage „Was ist das Heilige Land“ in einen Kontext gestellt, der vielleicht keine Antwort gibt, aber eine Einladung zur Reflexion ist.

Eine biblische Geographie

„Pilgerreise ins Heilige Land“, ein Satz, der überall oft wiederholt wird. Und doch kann die historische und geographische Definition abhängig vom Standpunkt einer Person sich ändern.

Für Christen ist es der Name für den Ort, wo Jesus geboren wurde und gelebt hatte, mit besonderer Betonung auf Jerusalem, wo Er starb und auferstand. Heute würde das folgenden Gebieten entsprechen: den Grenzen von Israel, dem syrischen Territorium und den annektierten Golanhöhen (nahe der Gegend von Banias und Caesarea Philippi), Palästina (Westbank und Gazastreifen) inklusive der Südküste des Libanon (mit Tyror und Sayda/Sidon), Teile von Jordanien (Bethanien jenseits des Jordan) und Ägypten, wo an die Flucht der Hl. Familie erinnert wird.

Der Name Palästina wurde von den Römern zwei Jahrhunderte nach Jesus  erfunden und erscheint nicht in der Bibel. In den Evangelien werden folgende Namen verwendet: Galiläa, Samaria, Judäa, römische Provinzen. Der Begriff Heiliges Land wird in der Bibel nur zweimal im Alten Testament verwendet: zuerst im Buch Exodus (Ex 3.5), wo Gott sich Moses im brennenden Dornbusch offenbart. Dort sagt Gott zu Moses: „Zieh deine Sandalen aus, denn der Platz, auf dem du stehst, ist heiliger Grund.“ Dann im Buch Zacharias (2:16): „Der Herr wird Juda erben als sein Teil des Heiligen Landes…“ So ereignen sich im Heiligen Land auch Ereignisse der Bibel, nicht nur der Evangelien.

Das Land Ur, aus dem Abraham kam, Ägypten, von wo Moses floh, Syrien, Libanon, etc… Gott versprach Abraham ein Land, das sich vom Fluss in Ägypten bis zum großen Fluss Euphrat erstreckt (Genesis 15:18), was Ägypten und Mesopotamien einschließt. Später versprach Gott das Land Kanaa, was heute Israel und Palästina ist.

Der Name Israel erscheint zum ersten Mal in der Bibel und bezieht sich auf den neuen Namen von Jakob, Sohn des Isaak, Sohn des Abraham (Genesis 32, 22-29), als er mit dem Engel kämpft, der ihm sagt: „Du sollst nicht länger Jakob heißen, sondern Israel, denn du hast mit göttlichen und menschlichen Wesen gekämpft und gesiegt.“

Israel heißt daher „der mit Gott kämpft, ist stark.“ Nach der Rückkehr aus Ägypten führt Salomon das Königreich Israel zu seinem Höhepunkt, indem er die zwölf Stämme von Juda vereint. Das Königreich verschwand, als Nebukadnezar von der Region Besitz ergriffen hatte und die jüdische Bevölkerung im Jahr 721 v. Chr. ins Babylonische Exil schickte. Erst im Jahr 1948 wurde mit der Unabhängigkeitserklärung der neue Staat Israel genannt.

Aber zurück zu den Schriften, das Heilige Land ist das Land, das Gott den Patriarchen (Abraham, Isaak und Jakob), den Propheten, den Menschen von Israel offenbarte. Es ist das Land, in dem die Kirche geboren und das Evangelium zuerst verkündet wurde. Es würde daher auch Orte einschließen, die die Apostel betreten hatten, die ja die Ersten waren, das Evangelium zu verkündeten: Rom, Zypern, Türkei, Griechenland ………….was einen Teil der Welt „heilig“ machen würde. Die Kreuzritter zum Beispiel haben sich die Größe der Region nicht vorgestellt: für sie bedeutete „Heiliges Land“ nichts weniger als das gesamte Gebiet zwischen dem Jordan im Osten, dem Mittelmeer im Westen, dem Euphrat im Norden und dem Golf von Akaba im Süden. Im Besonderen errichteten sie die Lateinischen Staaten entlang der Straßen, die zum irdischen Königreich Jerusalem führten: Königreich Odessa, Tripolis, Antiochien und später in Zypern, eine Geographie, die die Orte einschließt, die von den Aposteln, besonders vom Hl. Paulus, bereist wurden.

Könnte es sein, dass das Heilige Land, dessen spiritueller Charakter jeden anderen Blickwinkel übersteigt, nicht nur durch Landgrenzen definiert werden kann?pelerins

Jenseits von Schranken und Grenzen, „Pilgerreisen in das Heilige Land“

Wäre das ein Weg, sich jenseits der parteiischen Unterschiede zu bewegen, um vom Heiligen Land zu sprechen? Es würde eine Beschränkung auf den geographischen Standpunkt vermeiden, oder nur eine Wahrheit nennen und die anderen ignorieren. Das ist auch der Begriff, der vom Hl. Stuhl verwendet wurde, wenn man vom Besuch von Papst Franziskus im Mai 2014 sprach, bei dem er Vertreter von drei Ländern traf: Jordanien, Palästina und Israel. Das Heilige Land wäre demnach eine spirituelle Berufung jenseits menschlicher Fähigkeiten und Grenzen und jenseits menschlicher Kapazität, um Haus des Friedens und Licht für die Welt zu sein.

Das Heilige Land ist heute ein Ort der Pilgerreisen. Zwischen Januar und Mai 2014 besuchten 1,4 Millionen christliche Pilger das HL. Grab. Der jüngste Konflikt in Gaza und die Instabilität der Region im Allgemeinen haben die Zahl der Pilger stark reduziert, trotzdem kommen immer wieder Pilger. Wenn Christen zahlreich kommen, können sie die Vorteile einer greifbaren Erfahrung im Land der Bibel erleben oder das „fünfte Evangelium“. Und viele Atheisten, die auf der Suche sind und als Touristen kommen, können der einzigartigen Schönheit dieser Region gegenüber nicht gleichgültig bleiben.

Eva Maurer Morio