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Gepostet on 19 Sep 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft, Publikationen, Vertiefung

Soziale Netzwerke zur Förderung des Friedens mitten im Konflikt

Soziale Netzwerke zur Förderung des Friedens mitten im Konflikt

Stop-incitement-campaign-300x197Israel/ Palästina – Sommer 2014. Während des Gaza-Krieges verbreitete sich Aufhetzung zu Hass und Gewalt in allen sozialen Netzwerken und nährte die gefährliche Spirale der Eskalation. In den Nachwirkungen des Krieges und gegen diese Bewegung wollen Christen und Vereinigungen den interreligiösen Dialog und eine Kultur der Koexistenz und des Friedens fördern, wie Papst Franziskus auf Twitter.

Der israelisch-palästinensische Konflikt hat seit seinem Beginn Leidenschaften entfesselt. Dieses Phänomen ist nicht auf die gewöhnlichen Extremisten im Internet begrenzt. Auf einmal tauchten auf Facebook extreme Bemerkungen von wenig politischen Menschen oder von solchen, die man für gemäßigt hielt, auf. Menschen aller Altersgruppen und verschiedenen Hintergrunds aus allen Teilen der Welt wurden von ihrem Gewissen oder ihrer Überzeugung getrieben, oder hatten die Absicht, der Welt zu zeigen, was die Medien nicht zeigten.

Und während die israelische Armee und die Hamas in Gaza kämpften, wütete im Internet ein virtueller Krieg mit gewalttätigen Bildern und hasserfüllten Kommentaren. Mit einer stärkeren Wirkung als Wörter wurden Bilder, manchmal unerträglich, reproduziert, um Empörung zu erzeugen und  von Aufrufen zur Rache begleitet: auf der einen Seite Bilder von verwundeten Kindern in Gaza, und auf der anderen solche von Schulkindern in Israel, die während der Raketenangriffe Schutz suchen mussten. Manchmal wurden die Bilder ohne Angabe der Quelle gepostet; einige Medien konnten allerdings unter diesen Bildern manche identifizieren, die nichts mit dem laufenden Konflikt zu tun hatten, im Besonderen erkannte die BBC Fotos, die im Irak, in Syrien oder in früheren Gaza-Konflikten aufgenommen wurden.

Bilder waren aber nicht die einzige Waffe dieses Krieges. Für die Facebook und Twitter –Gemeinde sind Worte wichtig, die manchmal für eine bestimmte Wirkung aus dem Kontext gerissen werden. Während des Gaza-Kriegs wurden die widersprüchlichsten Diskurse weitergegeben und von einigen Nutzern heftig kommentiert, manchmal mit völlig ungehindertem Hass.

Manche bevorzugten eine Teilnahme auf eine offensichtlich weniger gewalttätige, aber nicht immer respektvollere Art und boten eine vereinfachte Version des Jahrzehnte alten Konflikts in Form von animierten Zeichnungen, Cartoons oder abstoßenden Videospielen Wie „Bomb Gaza – wirf Bomben ab und vermeide es, Zivilisten zu töten, einem Spiel, das auf Google Play einige Tage verfügbar war und dann gelöscht wurde.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die sozialen Netzwerke auf beiden Seiten  in einem Krieg, der im Sommer das ganze Land zerrissen hat, eine wichtige Rolle spielten. Nach den Morden an den drei jungen Israelis und dem Palästinenser hetzten israelische und palästinensische soziale Netzwerke, anonyme Online-Aktivisten oder Soldaten  zu anti-arabischem oder anti-jüdischem Hass auf und bestanden auf dem Gesetz der Vergeltung mit „Rache“ als Motto. Diese Verhetzungen wurden vom abtretenden israelischen Präsidenten Shimon Peres scharf verurteilt, und die Justizministerin Tzipi Livni zögerte im Bewusstsein der Macht des Internets nicht zu sagen: „Es gibt eine Verbindung zwischen sozialen Netzwerken und der Gewalt in den Straßen.“ Ein Statement aus dem israelischen Justizministerium von Anfang Juli betonte: „Wir nehmen diese Verhetzungen wie Hassreden sehr ernst, und das betrifft sowohl Juden wie Araber.“

Den der Gewalt entgegengesetzten Kurs nehmenPontifex-300x193

Wie kann jemand, im Herzen dieser sehr belasteten Region, offen Ansichten auf sozialen Netzwerken ausdrücken, ohne – direkt oder indirekt – in die Falle der Verhetzung zu Gewalt zu geraten? Wie kann jemand „weinen, mit denen die weinen und den Kummer eines jeden respektieren, ohne Rache zu suchen? Lesen und kommentieren zu können im Geist des Dialogs ist eine Herausforderung für Christen und für die, die für Koexistenz und Frieden eintreten. In einer Welt, in der junge Menschen – und nicht so junge – ihre Augen beständig an die Bildschirme geheftet haben, in einer Zivilisation von Bildern und „Hashtags#“, in der Informationen in Sekunden um die Welt gehen, sind soziale Netzwerke ein wertvolles Werkzeug, um dem Frieden zu dienen. Die Mobilisierung von Christen im Irak ist ein Beweis, besonders mit dem berühmten arabischen Brief ن von „Nazarene“, der rasch um die ganze Welt ging. Es ist auch das Zeugnis von Papst Franziskus auf Twitter @ Pontifex, wo er beständig Aufrufe zu Frieden und Gebet postet. Oder das von Pfarrer Jorge Hernandez, Pfarrer der Lateinischen Pfarre in Gaza, der während des Krieges auf Facebook Nachrichten aus seiner kleinen christlichen Gemeinde veröffentlichte und die ganze Welt um Gebete bat.

Im Hl. Land versuchen auch interreligiöse Organisationen wie ICCI (Interreligious Coordinating Council in Israel) Kurs gegen Gewalt zu nehmen, die auf sozialen Netzwerken vorherrschen kann. Das ICCI hat unlängst eine Kampagne gestartet mit dem Namen „Verbreitet das Licht! Verhetzt nicht!“(„Spread the light! Don’t incite!“), in der sie Nutzer einlädt, Licht zu verbreiten, anstatt Hass zu säen, und sie vereint die Stimmen der Menschen guten Willens auf Facebook, Twitter, YouTube, verschiedenen Blogs und Websites, sodass die Stimme des Friedens nicht erstickt werden kann, und noch besser, dass sie von allen gehört wird.

Myriam Ambroselli