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Gepostet on 8 Sep 2014 in Bischöfe, Diözese, Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Weihbischof Shomali: Es ist noch Hoffnung in den Augen der Bewohner von Gaza zu sehen

Weihbischof Shomali: Es ist noch Hoffnung in den Augen der Bewohner von Gaza zu sehen

Gaza-visite-1-300x225Gaza – 1. September 2014 – Bei einem Tagesbesuch im zerstörten Gaza traf Bischof Shomali, Patriarchalvikar für Jerusalem und Palästina, Gazas christliche Gemeinden. Es erwarteten ihn eine zerstörte Landschaft und Menschen, die fast alle nur  weg wollen. Gleichzeitig geht das Leben aber  weiter und der Bischof konnte sogar einen Schimmer von Hoffnung nach dem Krieg entdecken.

1 Sie verbrachten einen Tag in Gaza. Was haben Sie gesehen? Wen haben Sie getroffen?

Als wir gestern mit dem Kanzler des Lateinischen Patriarchats, Pfarrer George Ayoub, dem Administrator,  Pfarrer Imad Twal,  und dem Superior der Rosenkranzschwestern in Gaza ankamen, wurden wir von einer Delegation der Pfarrei unter Führung von Pfarrer Mario de Silva, dem Pfarrvikar, am Checkpoint von Erez erwartet. Pfarrer Jorge Hernandez war noch nicht von seiner Audienz beim Hl. Vater in Rom zurückgekehrt. Wir fuhren dann durch die zerstörte Gegend um Shejaiya, und fanden eine verwüstete Landschaft vor: Ruinen, Geröll, Hunderte von zerstörten und verbrannten Häusern. Wir glaubten,  uns in der Nachkriegszeit des  Zweiten Weltkriegs zu befinden. Wir trafen einige Familien, die uns ihr Leid klagten. Viele standen der Hamas kritisch gegenüber, weil sie denken, dass der Krieg sie heimatlos und zu Verlierern  gemacht hat. Wir sahen Menschen, die unter der Wasserknappheit leiden und Schlange standen, um ihre Wassercontainer aus den Tanks in den Straßen, die von der Caritas Jerusalem bereitgestellt wurden, zu befüllen. Wir begrüßten Jugendliche, die nach Eisen im Geröll und anderem von Wert in den Ruinen suchten, um es zu verkaufen.

Wir besuchten die Schwestern von Mutter Teresa,  die während des Krieges geblieben waren und sich um dreißig bis fünfzig ältere und behinderte Menschen gekümmert hatten. Sie lächelten und waren zufrieden mit ihrer Arbeit. Eines Nachts waren sie gewarnt worden,  zu fliehen, weil ihr Haus bombardiert werden sollte. Aber dank einer Intervention der italienischen Botschaft konnten sie mit den Kindern und alten Menschen im Haus bleiben. Es war die einzige Möglichkeit, denn sie hätten nirgendwo Schutz vor den Bomben gefunden. Danach besuchten wir das Haus der Schwestern von Verbo Incarnato. Ihr gerade erst kürzlich renoviertes Haus wurde von Trümmern einer Explosion getroffen und benötigt eine weitere Restaurierung. Anschließend trafen wir den orthodoxen Bischof von Gaza Alexios aus Griechenland. Wie ein guter Hirte blieb er während des Kriegs in seiner Pfarrei. Er erzählte uns, wie er am Höhepunkt des Konflikts seine Kirche für palästinensische Moslems während des Ramadan öffnete und ihnen jeden Abend zum Fastenbrechen ein warmes Mahl anbot. Wir gingen auch in das anglikanische Al Ahli Spital, das 4000 Menschen, die unter tragischen Umständen verletzt wurden, aufnahm. Wir hielten bei den Rosenkranzschwestern, deren Schule von drei Explosionen betroffen war, weniger schlimm diesmal als im vorherigen Krieg. Der gesamte Besuch war ein Marathon, er endete um zwei Uhr nachmittags wegen des frühen Schließens von Erez, und so konnten wir unsere Pfarrschule nicht besuchen, die für 1000 Heimatlose offen war und von der Caritas während des Krieges versorgt worden waren.

  1. Der Schaden ist beträchtlich. Was ist das vorherrschende Gefühl der Menschen in Gaza? Angst, Verzweiflung, etc..?

Es ist paradox: Wir erwarteten traurige oder weinende Menschen, waren aber überrascht, mutige Menschen zu treffen, die mit Tatkraft ihr Leben wieder aufnehmen. Die Menschen gehen langsam wieder zur Arbeit. Die Fischer haben ein wenig Hoffnung gefunden; sie fahren um sechs Uhr abends hinaus und kehren in der Morgendämmerung mit Booten voll Fisch heim, darunter auch Arten, die sie vorher nicht in ihren Netzen hatten. Jemand erzählte mir, dass es nach acht Uhr morgens keinen Fisch mehr am Markt gibt, weil die Menschen ihn solange entbehren mussten…. Ja, wir sahen Hoffnung aufleuchten in den Augen derer, die wir trafen, und nicht die Verzweiflung, die wir erwarteten.

  1. Haben Sie Schulen besucht, die Flüchtlinge beherbergt haben? Was ist die Zukunft für diese Menschen? Die Schule in diesem Land hat begonnen. Könnte das in Gaza auch geschehen?

Über 30.000 Häuser wurden zerstört. Circa 350.000 Menschen haben ihr Heim verloren. Sie schlafen immer noch in UNWRA Schulen oder bei ihren Eltern oder Verwandten. Ich sah auch Menschen, die auf Behelfsmatratzen in den Straßen schlafen, bis die Zelte ankommen, die die UN vor dem Winter schicken sollte. Zelte….während man auf den Wiederaufbau von Gaza wartet; es wird Jahre dauern und Milliarden Dollar kosten. Zum neuen Schuljahr: es wird nicht sofort beginnen, aber mir wurde gesagt, dass die Regierungsschulen zuerst mit dem Unterricht beginnen, weil sie nicht von den Bombardements betroffen waren. Die UNWRA Schulen waren am meisten betroffen. Einige Wochen sind nötig, um sie wiederherzustellen. Was unsere Schule in Gaza betrifft:  wir werden mindestens noch ein Monat brauchen bis alles hergerichtet ist, und wir  die Schüler beherbergen können. Dann aber werden die Schulen gravierende finanzielle Probleme haben. Und da die Familien der Schüler  nicht für den Unterricht bezahlen können, werden wir Hilfe finden müssen.

  1. Was ist die Rolle der Kirche, der religiösen Gemeinden und christlichen Vereinigungen für humanitäre Hilfe?

Die Kirche war sehr aktiv und setzt dies auch nach dem Krieg fort: Orthodoxe, Anglikaner und Moslems waren einig in der Anerkennung der Arbeit der katholischen Kirche und ihrer humanitären Einrichtungen, inklusive Caritas, katholischer Hilfsorganisationen und dem Päpstlichen Hilfswerk, die gemeinsam mit anderen christlichen Vereinigungen wie World Vision arbeiteten. Alle leisteten wunderbare Arbeit beim Verteilen von Wasser, Brot, Decken, warmen Mahlzeiten und Medizin. Sie konnten auch Treibstoff für Spitäler bekommen, weil das Hauptkraftwerk schwer beschädigt war, und sie erzeugen jetzt mit Generatoren Elektrizität.

  1. Welche Hoffnung besteht für die Menschen in Gaza? Wiederaufbau bis zum nächsten Krieg? Glauben sie an die Waffenruhe? Und im Besonderen, glauben sie noch an Frieden?

Nach drei zerstörerischen Kriegen, unterbrochen von kurzen Waffenruhen, haben die Menschen in Gaza die Hoffnung auf Waffenruhe verloren und glauben kaum mehr an Frieden. Die Christen sind auf weniger als 1500 dezimiert und denken nur ans Weggehen. Trotzdem glauben noch einige Menschen in Gaza an Frieden. Es sind die, die glauben, dass sie den Krieg gewonnen haben und denken, dass sie bald alle Vorteile dieses Sieges genießen können: freier Zugang, Schaffen eines Hafens und eines Flughafens. Die Tatsachen, besonders die zukünftigen, werden zeigen, wer gewonnen hat. Der Sieg wird in Wahrheit politisch oder diplomatisch sein, denn vom militärischen Standpunkt aus haben alle verloren. Der Verhandlungsbeginn wird für September erwartet: wer am meisten bekommt, wird den Krieg „gewonnen“ haben. Was uns betrifft, wir beten, dass das der letzte Krieg in Gaza war, und der Frieden kommt. Das ist unsere Hoffnung.

Aussagen zusammengestellt von Myriam Ambroselli

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