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Gepostet on 29 Aug 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Die humanitäre Lage in Gaza

Die humanitäre Lage in Gaza

Gaza1GAZA-25. August 2014. Fassaden, in die die Kugeln eingeschlagen haben , eingestürzte Häuser und Gebäude, zerstörte Dächer. Im Gazastreifen gibt es nur wenige Stadtteile, die von den Kämpfen und Bombeneinschlägen verschont wurden. An dieser Stelle machen wir eine Bestandsaufnahme, in dem wir den letzten Bericht der OCHA, dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der Vereinten Nationen, verfolgen.

Während auf der anderen Seite der Grenze 70% der Israelis ihre Häuser verlassen haben, um den Bereich, der unter ständiger Raketenbeschuss stand, zu verlassen, ist Gaza eine verwüstete Landschaft. Viele Tausende Wohnungen, Krankenhäusern, Geschäfte und Lagerhallen wurden dem Erdboden gleichgemacht. Dies beinhaltet viel mehr als nur Wände wieder aufzubauen. Das Gefühl der ständigen Angst, der Verlust von Angehörigen, die erlebten Gräueltaten haben die Seelen stark gezeichnet. Die Experten, die für die palästinensischen psychosozialen Dienste arbeiten, wie der Rote Halbmond, Caritas, CRS (Catholic Relief Services) und andere humanitäre Organisationen, müssen als aller erstes die dringendsten Bedürfnisse der Zivilbevölkerung wie Nahrung, Wasser und Unterkunft befriedigen und eine Bevölkerung in einem Zustand des Schocks unterstützen, damit Sie wieder zu einem Gefühl von Sicherheit und Normalität finden.

 

Gaza2Die Intensität der Luftangriffe, die schweren Kämpfe zu Lande und die Unfähigkeit,dem Gazastreifen zu entkommen, erzeugen ein Gefühl der ständigen Angst. Angst auch hervorgerufen von der Tatsache, dass die Standorte, die als sicher und eigentlich unantastbar gelten, manchmal direkt angegriffen wurden, als Reaktion auf von diesen Orten abgefeuerte Raketen: Gesundheitszentren, Krankenhäuser, Schulen, UN-Gebäude.

Vom 7. Juli (Beginn der Operation Border Protection) bis zum 25. August (letzter Bericht der OCHA), wurden auf der israelischen Seite 67 Israelis, darunter ein Kind von 4 Jahren getötet; auf der palästinensischen Seite, wurden 2.076 Palästinenser getötet, darunter 1.454 Zivilisten, 491 Kinder und 253 Frauen.

Im Gazastreifen wurden mehr als 10.193 Menschen verletzt und mehr als 1.000 Kinder werden an dauerhafter Behinderung leiden.

Zu diesen Zahlen müssen  etwa 25 Palästinenser (nicht genau bekannt gemacht) hinzugefügt werden, die von der Hamas getötet wurden, weil sie der Kollaboration mit Israel beschuldigt wurden. Ein Verbrechen, das  von der palästinensischen Fatah-Partei verurteilt wurde.

In diesem undankbaren Krieg wurden mehr als 17.200 Häuser zerstört oder schwer beschädigt, hunderte von ihnen wurden direkt von der israelischen Luftwaffe angegriffen. Durch die Bombardements wurden mehr als 475. 000 Menschen gezwungen, in Notunterkünfte zu fliehen,  280.000 von ihnen leben in UNRWA-Schulen, die andere in regierungseigenen Notunterkünften  oder bei Familien.

Kein Platz ist sicher, die Menschen haben keinen Ort an den sie gehen können, da die Blockade die Bevölkerung in den 400 Quadratkilometern des Gaza-Streifens einschließt, von denen außerdem 44%  von der israelischen Armee als Pufferzone ausgewiesen wurden.

Die aktuelle Militäraktion im Gaza-Streifen hat eine Bevölkerung getroffen, die bereits in einer chronische humanitäre Krise gelebt hat: vor dieser letzten Aktion, erhielten in diesem schmalen sandigen Landstreifen, der bereits seit  7 Jahren mit der Blockade lebt,  bereits 80% der Bevölkerung humanitäre Hilfe.

Laut UNO werden 367.000.000 $ Nothilfe für die unmittelbaren Bedürfnisse, einschließlich 293 Mio.$ für Nahrung und Schutz, benötigt. Die lokalen und internationalen Organisationen sind in Aktion getreten.

 

Die Daten der OCHA:

Die Häuser von mindestens 100.000 Menschen wurden zerstört oder schwer beschädigt (17.200 Familien).

  •  100.000 Menschen, deren Häuser zerstört oder schwer beschädigt wurden, bedürfen  der Nahrungsmittelhilfe. Allerdings ist die gesamte Bevölkerung von Gaza von dem Konflikt betroffen, so dass für  fast alle die Notwendigkeit der Nahrungsmittelhilfe auf lange Sicht besteht. Der Mangel an Elektrizität begrenzt die Möglichkeit, frische Produkte in  Geschäften und/oder bei den Familien zu lagern. Der Preis für einige Lebensmittel ist wegen der Schäden an den Unternehmen und dem Ackerland gestiegen, darunter frisches Obst, Gemüse und Eier. Mehr als 4.000 Tiere müssen gefüttert, um den Verlust ihrer Existenzgrundlage zu verhindern. Ein hoher Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurde zerstört,  Vieh wurde getötet.

 

  • Wasser und Sanitäranlagen: Mindestens 180.000 Menschen haben nur beschränkten Zugang zu Gaza3Wasser. Das Fehlen von Strom und Kraftstoff beschränkt auch die Zufuhr von Wasser. Die Vereinten Nationen und andere Organisationen sind besorgt wegen des erhöhten Krankheitsrisikos mangels freiem Zugang zu sauberem Wasser, denn Tausende von Menschen leben in überfüllten Unterkünften (Schulen und Notunterkünften). Dies, zusammen mit dem Mangel an Wasser und mangelnder Hygiene, stellt eine ernsthafte Epidemiegefahr  dar.

 

  • Gesundheit und Ernährung: der große Mangel an Medikamenten und benötigtem medizinischem Material behindern die medizinische Versorgung,  insbesondere die Notfälle, von chirurgischen Eingriffen bis hin zur Intensivmedizin. 29 Krankenhäuser arbeiten mit Notstromaggregaten, die Kraftstoff benötigen. 15 Krankenhäuser und 16 Gesundheitszentren sind beschädigt und erfordern ihren Wiederaufbau. Das Fehlen von spezialisierten Chirurgen beschränkt medizinische Hilfe für die Verwundeten.

 

  • Schutz: mindestens 373.000 Kinder bedürfen psychosozialer Unterstützung. Tausende von explosiven Kriegsmunitionsrückständen befinden sich in den städtischen Gebieten und stellen ein erhebliches Risiko für Kinder, Landwirte, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Vertriebene, die  in ihre Häuser zurückkehren wollen, dar.
  • Ausbildung: Der für den 24. August geplante Schulbeginn konnte nicht stattfinden. Die UNOGaza 4 hat eine Frist von einem Monat gesetzt, die verlängert werden könnte, sollten die Feindseligkeiten fortgesetzt werden. 25 Schulen wurden zerstört oder schwer beschädigt, 230 wurden beschädigt und dort besteht ein erhebliches Risiko wegen der explosiven Kriegsmunitionsrückständen. Fast eine halbe Million Kinder können in der nächsten Woche nicht in ihre Schulgebäude zurückkehren.

 

 

 

Myriam Ambroselli

Quelle: Bericht der Vereinten Nationen – OCHA 

Fotos des katholischen Pfarrers in Gaza, P. Jorge Hernandez, veröffentlicht in Cronica sobre Gaza