Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 21 Aug 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Gaza: Bericht der katholischen Hilfsorganisationen(CRS)

Gaza: Bericht der katholischen Hilfsorganisationen(CRS)

GazadestructionsGAZA – Nach beinahe einem Monat des Krieges veröffentlichten die katholischen Hilfsorganisationen einen Bericht über die dramatische humanitäre Situation im Gazastreifen.

Situationsbericht

Länderprogramm: Jerusalem, West Bank & Gaza

Situationsbericht: 6

Zeitraum des Berichts: 2. bis 11. August 2014

Ereignistyp: Militärischer Konflikt

  • Kontext

Nach einem Monat gewalttätiger Feindseligkeiten traten die Konfliktparteien in Gaza in einen 72-stündigen Waffenstillstand, beginnend am 5. August um 8:00 Ortszeit und endend am Freitag, den 8. August um 8:00. Der Waffenstillstand wurde nicht gebrochen, und indirekte Verhandlungen zu einer länger dauernden Resolution fanden in Ägypten statt. Die Feindseligkeiten begannen jedoch wieder am Freitagmorgen und dauerten am Wochenende an, wenn auch weniger heftig. Ein neuer Waffenstillstand begann am Montag, den 11. August, um Mitternacht.

An den Tagen vor und nach dem anfänglichen Waffenstillstand erlitten die Bewohner von Gaza immer wieder Todesopfer, Vertreibung und Mangel an Grundversorgung. Das Kraftwerk in Gaza bleibt geschlossen, was zu Stromausfällen von bis zu 21 Stunden pro Tag führt. Begrenzte Stromversorgung in Verbindung mit Schäden an den Wasserleitungen und chronischer Treibstoffmangel hat  den Zugang zu sauberem Wasser stark begrenzt. Die Unmöglichkeit, Farmland und Fischgewässer zu erreichen, hat in ähnlicher Weise den Zugang zu Nahrung kritisch belastet.

Trotz des momentanen Waffenstillstandes sehen sich die Gesundheitseinrichtungen weiterhin mit einem enormen Bedarf und mit eingeschränkter Kapazität zu helfen konfrontiert wegen der andauernden Stromausfälle, der zerstörten Einrichtungen, dem Mangel an medizinischen Hilfsmitteln und den engen Beschränkungen, Patienten nach Ägypten, in die Westbank oder nach Ost-Jerusalem zu bringen.

Mitten in der zerbrechlichen Ruhe haben die Bewohner von Gaza begonnen, den Schaden abzuschätzen und erste Schritte zur Wiederherstellung zu setzen. Einige haben ihre Häuser besichtigt, um die Möglichkeit einer dauernden Rückkehr zu erwägen. Märkte und Geschäfte sperren auf und erhöhen, zwar in begrenztem Ausmaß, den Zugang zu Gegenständen des täglichen Bedarfs. Stadtverwaltungen haben mit Aufräumarbeiten begonnen und ermöglichen medizinischen Teams die Bergung von Toten, was vorher unmöglich war. Jetzt, wo sich die Bewohner von Gaza frei zu bewegen beginnen, sind die explosiven Relikte des Krieges besonders zu beachten, vor allem für Bauern, IDPs, die in ihre Häuser zurückkehren, und Kinder genauso wie die Helfer der Organisationen.

  • Sicherheit und Schutz

Alle Mitglieder der Katholischen Hilfsorganisationen und ihre unmittelbaren Familienmitglieder sind sicher. Weiter entfernte Verwandte von zwei Mitgliedern wurden während des Monats der kriegerischen Handlungen getötet.

Das Team in Gaza begann am 5. August wieder mit der Arbeit, und das Büro ist geöffnet und voll funktionsfähig. Einige Mitglieder sind im Land, um die NFI Verteilungen zu überwachen. Zwei Internationale Mitglieder – ein Landesvertreter und ein Programm-Manager –kamen am 5. August nach Gaza, unmittelbar nach dem Beginn des ersten Waffenstillstandes, und verließen Gaza am 8. August mit dem Ende der Feuerpause. Sie kamen am 11. August mit der neuerlichen Feuerpause zurück. Das CRS Gästehaus erlitt kleinere Schäden, vor allem zerstörte Fenster in einigen Räumen.

  • CRS Bewertung 

GAZA-CRS-300x180CRS beginnt den Schaden der militärischen Operationen auf die physische Umgebung und die Menschen in Gaza zu bewerten. Die Ergebnisse werden veröffentlicht, sobald die Daten verfügbar sind.

Bis jetzt:

  • 1.948 Palästinenser wurden getötet, mindestens 1.042 (Beinahe 72%) waren Zivilisten, darunter 456 Kinder und 237 Frauen. Geschätzte 9.300 wurden verletzt.
  • 64 israelische Soldaten, zwei israelische Zivilisten und ein Ausländer in Israel wurden getötet.
  • 490.000 Menschen in Gaza wurden intern vertrieben, die meisten fanden Zuflucht in Schulen, in anderen nicht öffentlichen Orten oder bei Gastfamilien.
  • Spitäler berichten beständig über arge Knappheit an allen Artikeln.
  • 141 Schulen und 31 Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört.
  • 400.000 intern vertriebene Personen brauchen Nahrung und Wasser.
  • 1,4 Millionen Menschen sind von der Verschlechterung der Wasserversorgung und der sanitären Einrichtungen betroffen.
  • 11.855 Wohneinheiten in Gaza wurden zerstört oder stark beschädigt, weiter 36.000 wurden beschädigt.
  • Über 373.000 Kinder sind direkt von dem Konflikt betroffen (durch den Verlust des Heimes oder eines Familienmitgliedes) und brauchen psychosoziale Unterstützung.

 

  • Programmatische Reaktion und Finanzierung

Das CRS Team in Gaza hat die Aktivitäten im Land aufgelistet, seit der erste Waffenstillstand begonnen hat. Von den 3.000 NFI Paketen, die von USAID Und CRS Privat Fonds bereitgestellt wurden, wurden 1.022 Im Norden und in Rafah verteilt. Genauso wurden 1.600 der 5.000 von der OFDA bereitgestellten Hygienepakete im Norden, Khan Younis und Rafah verteilt. Zusätzlich zu den vorher genannten medizinischen Artikeln im Wert von $ 25.000, gespendet von der OFDA, ist CRS im Begriff, besonders benötigte medizinische Artikel und Ausrüstung für das Al Ahli Spital und das Klinik-Netzwerk der Caritas Jerusalem in Gaza mit finanzieller Unterstützung von USAID zu besorgen.

Mit € 100.000 von der Caritas Deutschland kann die CRS 400 Familien mit Grundnahrungsmitteln, Gegenständen des täglichen Bedarfs und mit sauberem Wasser versorgen, vor allem durch uneingeschränkte Bargeldgutscheine. Der Übergang von direkter Güterverteilung zu Bargeldgutscheinen erlaubt es den Familien, ihre persönlichen Bedürfnisse abzudecken und unterstützt die Erholung der örtlichen Märkte.

Psychosoziale Unterstützung wird in allen Programmen soweit wie möglich eingebunden, wobei das CRS Team und seine Partner erste Empfänger sind, gefolgt von den Diensten für CRS Empfängern, inklusive Betreuer und Kinder.

Jetzt, wo die Langzeitauswirkungen des Konfliktes klarer werden, plant CRS Aktivitäten für den Wiederaufbau von Unterkünften und sucht nach Möglichkeiten für Übergangsquartiere.