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Gepostet on 20 Aug 2014 in Politik und Gesellschaft, Regionalnachrichten

Langsam erwachen die Ägyptischen Kopten

Langsam erwachen die Ägyptischen Kopten

118996-coptic-christians-300x168ÄGYPTEN – Nach drei harten Jahren als Folge der politischen Unruhen, die vom Tahir Platz ausgingen, scheint die koptische Gemeinschaft wieder ihre Stimme zu erheben.

 

Nach einem unguten Nebeneinander mit der Muslim-Bruderschaft lässt die Machtübergabe an General Al Sissi hoffen. Es scheint, als ob es viele Konversionen zum Christentum gegeben hat, ohne dass die Zahlen bekannt sind. Unter den Irakern, die von den blutrünstigen Djihadisten des Islamischen Kalifats aus Mossul vertrieben wurden, werden wahrscheinlich einige von der Koptischen Kirche träumen, die unbeschadet der dunklen Jahre immer noch lebt. In ihren Herzen werden sie hoffen einmal ihre Kirchen wieder aufbauen zu können und an einen der ältesten christlichen Orte der Welt zurückkehren zu können.

Den ägyptischen Kopten geht es derweil wieder besser. Überfallen, ausgeraubt, bisweilen nur als Sündenbock oder Prügelknabe missbraucht, versuchen sie jetzt ihre Kräfte zu sammeln, nachdem Mohammed Mursi und die Muslim-Bruderschaft an die Macht kamen und diese nach dem Umsturz durch General Al Sissi wieder verloren. Er wurde am 29. Mai 2014 mit 96% der Stimmen zum Präsidenten von Ägypten gewählt. Diese Wahl wurde von den Führern der Kirchen begrüßt, insb. Mgr Adel Zeky, Apostolischer Vikar von Alexandria, der erklärte “dass Sissi die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt ist. Sein Sieg bietet uns Christen Sicherheit und Zukunftsperspektiven”.

Dieser Optimismus wird geteilt von Papst Tawadros II, Haupt der Koptisch Orthodoxen Kirche mit ca. 8-10 Millionen Gläubigen; das sind ungefähr 10% der ägyptischen Gesamtbevölkerung. Besorgt um den Schutz seiner Kirche, suchte er nach dem Coup im Juli 2013 schnell die Nähe des jetzigen Präsidenten. Seitdem fühlen sich die Christen sicherer. Sie bemühen sich ihre Kirchen, Gemeinschaftsräume und Häuser wieder aufzubauen und können ohne Angst vor Angriffen wieder ihre Kirchen besuchen.

 

Verfolgung führt zur Konversion

Organisationen, die den Christen im Osten nahestehen, und die Kopten selbst sprechen über einen Anstieg der Konversionen zum Christentum. Die Zahl ist schwer zu bestimmen da viele derer, die konvertieren, im Falle einer Veröffentlichung gerichtliche Verfolgung oder sogar den Tod fürchten müssen.

Es formiert sich eine Untergrundkirche, nicht im Gegensatz zur Regierung wie in China oder anderen asiatischen Ländern, sondern zum Schutz vor Racheakten der ursprünglichen Gemeinschaften dieser neuen Christen. “Es sind nicht politische Kräfte die uns unterdrücken”, berichtet ein ägyptischer Neubekehrter, “sondern die engste Familie. Wenn ein Muslim konvertiert, werden ihn Nachbarn und Familie prügeln, wenn nicht gar töten, da dies einem Verrat gleichkommt”.

Die Härten sagen jedoch nichts über die Schönheit der Wirklichkeit: in Zeiten der Verfolgung, in denen Konversionen eher unwahrscheinlich erscheinen, wird die gefährlichste Botschaft, die Botschaft Christi, gehört. Daran halten sich die Christen, denn sie bleiben gleichermaßen besorgt, aber auch ermutigt, ihre Kirche, die zu zerfallen droht, wieder aufzubauen und dies für immer.

Pierre Loup de Raucourt