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Gepostet on 28 Jul 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Bischof Shomali: Die Bischöfe des Hl. Landes fordern einen „sofortigen Waffenstillstand“ in Gaza

Bischof Shomali: Die Bischöfe des Hl. Landes fordern einen „sofortigen Waffenstillstand“ in Gaza

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HL. Land – Die katholischen Bischöfe des HL. Landes fordern einen „sofortigen Waffenstillstand“ in Gaza und „die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen“, sagte Bischof Shomali, Weihbischof des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem in einem Exklusivinterview im America Magazine am 24. Juli, als die Zahl der Todesopfer und die Zerstörung weiter eskalierte.

Nach 14 Tagen dieses Konflikts im Gazastreifen, wo 1,8 Millionen Palästinenser ums Überleben kämpfen – und sie können weder das Land verlassen noch in das Land einreisen wegen der 7 Jahre andauernden israelischen Blockade – sprechen die Zahlen für sich. Mehr als 520 Palästinenser wurden bei israelischen Angriffen getötet, die große Mehrheit sind Zivilisten, und ca. ein Drittel von ihnen sind Kinder (zwischen 1 und 18) und Frauen. Mehr als 3500 wurden verwundet, viele schwer. Einige 100.000 haben Zuflucht in UN betriebenen Schulen gesucht. Viele tausend haben durch Raketen oder Artilleriefeuer ihr Heim verloren, und der Großteil der Bevölkerung kämpft wegen des Mangels an Trinkwasser, an Sanitärartikeln und an Strom ums Überleben. Ein Spital wurde getroffen, 4 Menschen wurden getötet und mehr als 60 verletzt.

Auf israelischer Seite starben 25 Soldaten und 2 Zivilisten, ein Soldat wird vermisst und wahrscheinlich entführt.

Ich ersuchte Bischof Shomali, einen Palästinenser, um einen Kommentar zur Situation.

Wie sehen Sie die heutige Situation, wo der Konflikt in Gaza wütet?

Ich sehe die gewalttätige, heutige Situation als unmittelbares Ergebnis des Versagens des Friedensprozesses, den US Staatssekretär John Kerry eingeleitet hatte. Er hatte neun Monate, um politische Rahmenbedingungen für weitere Verhandlungen festzulegen. Die Deadline Ende April brachte keinen Erfolg. Dieses Versagen verursachte eine Menge Frustration unter den Palästinensern, Spannung und Erbitterung. Der Tod von drei israelischen Jugendlichen, die darauffolgende Festnahme von Palästinensern, der Tod des palästinensischen Jugendlichen und der Start von Raketen aus Gaza waren die auslösenden Faktoren für die gegenwärtige Gewalt.

Wo sind die Stimmen für den Frieden? Gibt es irgendwelche auf israelischer Seite? Gibt es irgendwelche auf palästinensischer Seite?

Es gibt natürlich Friedensstimmen auf beiden Seiten. Ich denke, dass Mahmoud Abbas eine von ihnen ist. Er ist gegen eine dritte Intifada und gegen Eskalation. Er bot seine Anteilnahme am Tod der drei israelischen Teenager, und arbeitet für einen Waffenstillstand zwischen Israelis und der Hamas gemeinsam mit Hrn. Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Auch auf israelischer Seite gibt es Friedensstimmen: die religiösen Führer von Jerusalem (Juden, Moslems, Christen und Drusen) trafen sich vor einigen Tagen im Großen Rabbinat. Sie riefen zum Frieden auf, im dem sie sagten, dass das jüdische und das palästinensische Blut gleich seien, dass das Leben wertvoll sei, weil der Mensch als Abbild Gottes geschaffen wurde. Aber leider werden solche Stimmen, wie auch die Stimmen der politischen Linken, die in Tel Aviv und Haifa für den Frieden demonstrierten, mitten im Artilleriefeuer und im Töten nicht gehört. Es gibt immer Menschen, die Frieden suchen und für den Frieden beten.

Warum gewinnen immer die Falken, wenn Probleme auftauchen?

Wenn die Falken an der Macht sind, treffen sie auch die Entscheidungen – daher gewinnen sie. Das ist jetzt der Fall in Israel mit der rechtsstehenden Partei, und das ist der Fall in Gaza mit der Hamas.

Was erhoffen Sie hier?

Ich bete für einen sofortigen Waffenstillstand, aber auch dafür, dass ernster verhandelt wird gemäß den internationalen Richtlinien (der Vereinten Nationen) und für die Notwendigkeit einer Zwei-Staaten-Lösung.

Was passiert mit der kleinen katholischen Gemeinde in Gaza? Der Papst hat ihnen ja am 17 Juli eine Botschaft der Ermutigung geschickt.

Sie sind nur 200 Leute. Der argentinische Gemeindepfarrer, Fr. Jorge, ist ein mutiger Mann. Er hilft den Menschen, so gut er kann. Er öffnete seine Schule für die Heimatlosen, deren Häuser in diesen letzten Tagen bombardiert wurden. Die argentinischen Schwestern sind weggegangen, aber die Schwestern von Mutter Theresa sind geblieben und betreuen weiterhin die behinderten Kinder. In einer Email sagte der Papst Pfarrer Jorge, dass er ihm nahe sei und dass er für ihn und seine Gemeinde bete. Und ich glaube, dass das eine sehr nette und ermutigende Botschaft ist, dass der Papst sich an den Pfarrer von Gaza und seine Gemeinde erinnert.

Wie fühlen sich die Christen im Hl. Land?

Das Gefühl der Christen im Hl. Land ist eines von Angst und Frustration. Sie können nicht verstehen, dass sich die Lage nach dem Papstbesuch nicht verbessert, sondern, im Gegenteil, verschlechtert hat. Das können sie nicht verstehen. Das gleiche Gefühl war spürbar nach dem Besuch von Johannes Paul II im Jahr 2000. Sechs Monate danach begann die zweite blutige Intifada. Aber nehmen wir an, dass das eine logische Folge des Versagens im Camp David im gleichen Jahr war.

Papst Franziskus telefonierte mit den Präsidenten von Israel und Palästina am 18. Juli. Wie bedeutsam war das?

Es ist eine schöne Geste des Papstes, der sie als Freunde und Männer des Friedens sieht. Wir haben erwartet, dass er so eine Geste setzt, besonders nach dem Gebetstreffen im Vatikan am 8.Juni.

Ich glaube an die Wirkung des Gebets, obwohl wir im Moment kein Resultat spüren. Wir müssen unermüdlich weiter für den Frieden beten. Gebete allein sind nicht genug, es muss auch eine ernste Bemühung zu einer Friedensübereinkunft geben. Wir Bischöfe des Hl. Landes haben oftmals wiederholt, dass wir einen sofortigen Waffenstillstand und eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen fordern.

Quelle: America Magazine