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Gepostet on 11 Jul 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Erzbischof Fouad Twal: “Das hier ist kein Heiliges Land mehr, hier gibt es kein normales Leben mehr”

Erzbischof Fouad Twal: “Das hier ist kein Heiliges Land mehr, hier gibt es kein normales Leben mehr”

A Palestinian boy looks at Hamas militants as they take part in a protest against peace talks between Israel and the Palestinians, in central Gaza StripJERUSALEM – Entführung, Mord, Aufruhr, Raketenangriffe, Antwort mit Luftangriffen… In ein paar Tagen hat sich die Situation in Israel und Palästina dramatisch zugespitzt. Die Politiker sind noch hin und her gerissen zwischen dem Beginn einer militärischen Offensive oder Friedensappellen, die noch sehr schwach sind. Für das Lateinische Patriarchat von Jerusalem sind Frieden und die Bildung der Jugend, die sich oft an der Front dieses Konfliktes befindet, von höchster Dringlichkeit.

Was ist der Ursprung des aktuellen Konflikts? Schwer zu sagen: Er hängt von mehreren Faktoren ab: die Bedrohung des Islamischen Staates im Irak und in Syrien, der endlose Konflikt in Syrien, die Instabilität in Ägypten. Vor kurzem haben wir das Ende und das Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina erlebt, insbesondere auf Grund der Weigerung Palästinas, Israel als “jüdischen Staat” anzuerkennen und auf Grund des weiteren Ausbaus der illegalen israelischen Siedlungen, was zu einer neuen Welle von Pessimismus und Verzweiflung geführt hat. Der Versuch der Versöhnung zwischen Fatah und Hamas hat den Staat Israel, der sich weigert mit der Hamas, die sie als terroristische Organisation bezeichnet, zu reden,  nicht überzeugt.

Die Entdeckung der drei toten israelischen Jugendlichen und der darauf folgende Racheakt, der zu dem schrecklichen Tod eines jungen Palästinenser führte, reichten aus,  um eine Zündschnur zum Brennen zu bringen. Und keiner weiß, wie groß das Pulverfass ist, an dem diese Zündschnur hängt. “Wir wissen weder wann noch wie das alles enden wird”, sagt Pater David Neuhaus, Vikar für die Hebräisch sprechenden Katholiken gegenüber Radio Vatikan. “Diese jüngsten Geschehnisse sind sehr traurig, weil wieder einmal die Jugendlichen die Opfer sind und die Erwachsenen nicht dazu bereit sind, ihre politischen Positionen, die die Rechte anderer leugnen, zu ändern. “

Ebenfalls auf Radio Vatikan appelliert Erzbischof Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, an die Eltern, Machthaber und an das Bildungsministerium: “Welche Art von Erziehung, lassen wir diesen jungen Menschen zukommen? Das ist die Frage. Wohin führt diese Bildung? Niemand ist glücklich. Niemand. Weder die Israelis noch die Palästinenser. “

In der Tat sind oft junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren an vorderster Front dieser Konflikte, von ihren Erwachsenen getrieben oder der Gehirnwäsche unterzogen oder entmutigt von dem Leben, das sie führen, ohne Arbeit und ohne eine klare Zukunft. “Man trifft aber auch eine Jugend,  die gegen all diese Gewalt ist”, mildert P. David Neuhaus ab. “Es gab Demonstrationen gegen die Gewalt, die Araber und Juden zusammengebrachten. Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich beschuldige nicht die Jugend, sondern unsere politischen Führer, die nicht in der Lage sind, eine Sprache zu entwickeln, die eine Zukunft außerhalb dieser Gewaltspirale vorbereitet. “

Während die Offensiven seitens der israelischen Armee im Gazastreifen als Reaktion auf die zahlreichen auf die  in Richtung Jerusalem und Tel Aviv abgefeuerten Raketen  gestartet wird, meint der Patriarch mutlos: “So sehr wir bei dem Besuch des Papstes und dem Gebet für Frieden in Rom  froh und optimistisch waren, so sehr sind wir jetzt in Not. “ Einmal mehr ruft er die verschiedenen Parteien zum Dialog auf, und erwähnt dabei auch die Rolle der Kirche, die “weder für dein einen noch den anderen ist,” aber für die Rückkehr des Friedens in Jerusalem.

Pater Neuhaus möchte außerdem “auf der Seite derer sein, denen die Werte der Kirche lieb sind. Dies bedeutet weder auf die jüdischen noch die palästinensische, die israelische oder arabische Seite zu schauen. Es bedeutet auf die Menschen, Juden und Araber, die etwas anderes als unserer aktuelle Realität haben wollen, zu schauen. Ich denke, dass die Kirche versucht dazu beizutragen, dass sich etwas ändert, dabei muss sie mutig, großzügig und kreativ sein “, endet P. Neuhaus. “Das, was es zu tun gilt, ist, denjenigen, der vor uns steht, anzuschauen und ihn “meinen Bruder” zu nennen, denn wir sind alle Kinder Gottes. “

Pierre Loup de Raucourt