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Gepostet on 9 Jul 2014 in Politik und Gesellschaft, Projekte

Christliche Araber haben eine Verantwortung für den Friedensprozess?

Christliche Araber haben eine Verantwortung für den Friedensprozess?

Notre-Dame-de-la-Paix-300x166Rom – Mai 2014. Beim 56. Treffen der Internationalen Katholischen Migrationskommission (ICMC oder International Catholic Migration Commission) sprach Pfarrer Imad Twal vom Lateinischen Patriarchat in Jordanien über „Wege des Friedens und der Versöhnung im Mittleren Osten” und betonte die wichtige Verantwortung der christlichen Araber im Friedensprozess.

Über den Besuch von Papst Franziskus sagte Pfarrer Imad Twal, dass er den Glauben und die Hoffnung der christlichen arabischen Bevölkerung stärkte. (..) Wir fühlten die Kraft seiner Botschaft von Frieden und Versöhnung.

Pfarrer Twal begann mit der Betonung der komplexen und paradoxen Natur ein solcher Konferenz: „Der Gegenstand meiner heutigen Präsentation ist definitiv ein Oxymoron. Wie kann es Wege des Friedens und der Versöhnung in einer Region geben, die von Krieg und Unterdrückung verwüstet ist wie der Mittlere Osten?“ Trotzdem setzte er fort mit einer „Botschaft der Hoffnung“ und betonte gleichzeitig, dass „wahrer Friede Hand in Hand geht mit Gerechtigkeit“. Der erste konkrete Schritt auf diesem Weg ist die Anerkennung eines Heimatlandes für die Palästinenser in ihrem eigenen Land und nicht in einem ‚Ersatzheimatland‘. Das wird den Prozess des Friedens und der Versöhnung unter allen Völkern des Mittleren Ostens stimulieren.“

Für Pfarrer Imad Twal ist der Mittlere Osten, die Wiege der Zivilisation, wie ein riesiges Mosaik durch ihre vielen Erbschaften, Nationalitäten, Religionen, ethnischen und politischen Ansichten.“ Ein Mosaik, dessen Diversität nicht ohne Einheit ist, was durch unseren Glauben an einen Gott, unser prophetisches Erbe, unsere semitischen Sprachen und den Respekt für Familien“ bewiesen wird.

Im Friedensprozess sind die arabischen Christen aufgerufen zu einer wichtigen Rolle. „Wir sind ein Volk, das Kultur und Sprache mit den islamischen Arabern teilt genauso wie die 39 heiligen Bücher des Alten Testaments, die wir mit den Juden teilen, und die Erfahrung der Verfolgung und Unterdrückung. Arabische Christen können sein und sind schon Brücken, die die Wege des Friedens und der Hoffnung im Mittleren Osten öffnen“, betonte Pfarrer Twal. Die zu Pfingsten dabei waren, sind ein wahrer „verborgener Schatz“. Apostelgeschichte (2:11) erwähnt die arabische Anwesenheit bei der Geburt der Kirche von Jerusalem, „Juden und Proselyten, Kreter und Araber…“ Und Pfarrer Twal fügt hinzu: „Das arabische Wort lässt sich nicht nur auf die Moslems anwenden, sondern schließt auch die christliche Bevölkerung mit ein.“ Besonders weil das Christentum eine Hauptreligion in der arabischen Welt Jahrhunderte vor dem Islam war.

Er setzte fort mit vielen Beispielen von Zusammenarbeit und brüderlichem Austausch zwischen verschiedenen Gemeinden in Jordanien: Katastrophenhilfe für Flüchtlinge von religiösen Organisationen, Termine für religiöse Feste werden in gegenseitigem Einverständnis festgelegt, heilige Stätten wie Bethanien jenseits des Jordans, wo die Taufstelle Christi liegt, werden von allen in Toleranz und gegenseitigem Respekt geteilt, Nowruz (das persische Neujahr), wo die muslimische Bevölkerung die Gemeinschaft der Menschheit mit der Natur feiert und aktiv teilnimmt, wird gemeinsam mit vielen Christen organisiert, etc. …..

Pfarrer Twal besprach dann die alarmierende Situation der Flüchtlinge in der Region und erklärte, wie die katholische Kirche alles Mögliche tue, um ihnen zu helfen. „In Jordanien hilft die Kirche den Flüchtlingen auf verschiedene Weise: unter anderem durch Herstellen einer Stabilität der religiösen Tradition, die weltweit ähnlich ist,, was den Immigranten ein Gefühl der Zugehörigkeit gibt; durch Zur-Verfügung-Stellen von bequemen Notunterkünften, sodass die Menschen nicht in Zelten leben müssen; durch Nahrung, Kleidung und andere notwendige Dinge und finanzielle Hilfe; durch Rechtshilfe bei Mieten und Rechtslagen; durch Hilfe bei Arbeitssuche; durch ärztliche Hilfe und Beratung. Die Kirche bringt auch Hoffnung und ermutigt Glauben durch die Gnade von Jesus Christus.“

Was die Wege des Friedens und der Versöhnung im Mittleren Osten betrifft, so sind sie noch mit Hindernissen gesäumt, politischen, religiösen und erzieherischen.

Von einem politischen Standpunkt aus betont Pfarrer Twal, dass „weder Friede noch Versöhnung erreicht werden können ohne Gerechtigkeit und einen Staat für die Palästinenser in ihrem historischen Heimatland und nicht anderswo“. Sie müssen „grundlegende Staatsrechte erhalten (Gleichheit, Menschenrechte und Anerkennung) und natürlich die Pflichten, die diese Rechte begleiten“.

Von einem religiösen Standpunkt aus: „theokratische Ideen, wo eine Nation Herrschaft und Souveränität über ein Gebiet im Namen Gottes fordert, richten sich gegen eine Frieden für alle. Christen verwerfen diese Ideen eines versprochenen Landes gemäß den Worten von Christus zu Pilates: Mein Reich ist nicht Teil von dieser Welt (Joh. 18:36) erinnert Pfarrer Twal.

Bezug nehmend auf die Harmonie zwischen den verschiedenen Gemeinden in Jordanien, setze Pfarrer Twal damit fort, dass sein Land als „Beispiel dienen kann, dem andere Religionen und Orte in dieser Region folgen können“. „Die Unterdrückung von Diskriminierung und sogar religiöse Morde, die Christen in anderen Ländern betreffen, stehen hinter der alarmierenden Emigration von Christen aus dem Mittleren Osten. Diese Unterdrückungen und Probleme werden besonders vorherrschend, wenn eine Regierung formal eine Religion annimmt.“ Der Emigration muss damit begegnet werden, dass man das Leben der Jungen und Familien in den katholischen und christlichen Gemeinden sicherer und attraktiver macht, sodass sie in ihren Ländern bleiben oder von der Emigration zurückkehren.“

Abschließend, vom Standpunkt der Erziehung aus, erinnerte Pfarrer Twal daran, dass „Friede ein Gottesgeschenk ist, das sich oft aus einer Erziehung herleitet, die wahre Prinzipien der Gerechtigkeit lehrt“. Er verweist auf die Mission im „Our Lady of Peace Center“ bei Amman für Menschen mit Behinderung ohne Berücksichtigung ihrer religiösen oder sozialen Hintergründe, in Zusammenarbeit mit NGOs wie der Caritas, und hofft, dass die „harte Arbeit der Bewusstheit und Unterstützung von Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien Brücken der Hoffnung und Versöhnung im gesamten Mittleren Osten bauen kann.“

Pfarrer Twal beendete seine Vorlesung, indem er seine Zuhörer daran erinnerte, dem Beispiel Christi zu folgen und, indem er Seine Worte zitierte, rief er uns alle auf, Friedensstifter zu sein, eine Kultur des Friedens und der Versöhnung basierend auf Gerechtigkeit zu schaffen, die zentral ist in der Botschaft des Evangeliums. „Gesegnet sind die Friedensstifter, sie werden Kinder Gottes genannt werden.“  (Mt. 5:9)

Myriam Ambroselli