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Gepostet on 4 Jun 2014 in Kirche, Papst - Heiligen Land 2014

Der interreligiöse Vormittag von Papst Franziskus

Der interreligiöse Vormittag von Papst Franziskus

Pape-à-lesplanade-300x205JERUSALEM – Mit der Ankunft in Jerusalem am 25. Mai zu einem ökumenischen Treffen am Hl. Grab setzte Papst Franziskus seine Pilgerreise fort und besuchte am 26. Mai den Tempelberg und die Klagemauer vor einem Treffen mit zwei Rabbinern.
Früh an diesem Morgen wurde Papst Franziskus am Tempelberg, dem dritt heiligsten Ort der islamischen Sunniten, vom Großmufti von Jerusalem empfangen. Anwesend war auch der Kronprinz von Jordanien, Ghazi bin Muhammed, weil das Gebiet unter der Rechtsprechung des Haschemitischen Königreichs steht. In einer diplomatischen Rede begrüßte der Großmufti den Hl. Vater in Palästina, an einem Ort, der von Juden und von Israel so begehrt wird.
Der Papst, der sich über das Treffen mit den Muslimen freute, fokussierte seine Ansprache auf Abraham, der die drei monotheistischen Religionen im Hl. Land vereint. Seine Worte forderten alle auf, nicht die Suche nach Gott aufzugeben, „Wir können nicht zufrieden sein, indem wir zurückgezogen bleiben, sicher in unseren Überzeugungen. Vor dem Mysterium Gottes sind wir alle arm. Wir erkennen, dass wir ständig darauf vorbereitet sein müssen, aus uns herauszugehen, dem Ruf Gottes gehorsam und offen für die Zukunft, die er für uns zu schaffen wünscht.“
Zweifellos ein Aufruf, den interreligiösen Dialog zu entwickeln und so allen, Christen, Moslems und Juden in der gemeinsamen Suche nach Gott zu unterstützen.
Papst Franziskus rief auch auf, den Frieden zu suchen, sodass Gottes Name nicht dazu missbraucht wird, Gewalt zu rechtfertigen.
Pape-au-Mur-300x200Einige Minuten später und ein paar Meter tiefer
Unmittelbar danach ging der Papst zum Fuße der Klagemauer. Er legte seine Hände an die Mauer und sammelte sich für einige Momente, ehe er eine Botschaft zwischen die Steine der Mauer steckte, dem heiligen Platz der Juden.
Es scheint, dass diese Botschaft das Vater Unser auf Spanisch, der Muttersprache des Papstes, ist, er nahm sich Zeit zum Lesen und das Gebet vor der Mauer zu rezitieren.
Der Papst überraschte auch damit, dass er seine zwei argentinischen Freunde,die ihn begleiteten, warmherzig  umarmte: den sichtlich bewegten Rabbi Abraham Skorka, und den Moslemprofessor Omar Abboud, der mit dem Besuch des Jüdischen Schreins ein wichtiges politisches und religiöses Zeichen setzte. Ein Trio, das die Worte von Franziskus sichtbar macht: Menschen müssen einander lieben und respektieren, ungeachtet ihrer Religion, und sogar im Namen ihrer Religion.
Nach der sonntäglichen ökumenischen Dimension legte Papst Franziskus eine stärkere Betonung auf die interreligiöse Dimension. Dieser kurze Morgen, mehr religiös als politisch, endete bald, und der Papst begab sich zum Grab von Herzl, dem Gründer der Zionistischen Bewegung, und nach Yad Vashem.
Pierre Loup de Raucourt