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Gepostet on 9 Mai 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Entschlüsseln der ” Preisschild ” – Attacken

Entschlüsseln der ” Preisschild ” – Attacken

TagNotreDame-263x300JERUSALEM – Zurück zu den jüngsten ” Preisschild ” Attacken (Tag Mehir auf Hebräisch; ein Euphemismus für die Hassattacken jüdischer Extremisten) und das Phantombild einer beunruhigenden Gruppe, die im Schatten existiert, um Spannung und Unbehagen zu säen. Die Häufung von Vandalismus und Übergriffen, besonders im Zusammenhang mit dem nahen Papstbesuch, hat die Ortskirche beunruhigt und auch begonnen, in der internationalen Szene Aufsehen zu erregen.

Israelische Extremisten, Aktivisten des rechten Flügels, ultra-religiöse Juden. Wer sind sie?

Unter dem Label einer rachsüchtigen Taktik, „Preisschild“, haben die Extremisten Übergriffe, Bedrohungen und Vandalismus aller Art gegen christliche Glaubensstätten und gegen moslemische, palästinensische und israelisch-arabische Dörfer gerichtet. Aber nicht nur das! Sie haben auch israelische Friedensaktivisten linker Organisationen angegriffen, Eretz Shalom zum Beispiel, und sogar die Armee selbst. Ein ziemlich breites Feld, und damit ist es eine ziemlich inhomogene und schwer fassbare Gruppe.

Die Drohungen sind nichtsdestotrotz kräftig etikettiert, immer mit einem mehr oder weniger expliziten Slogan, der ihre Handlung diktiert: sie sind zügellose ” Auge um Auge, Zahn für Zahn ”  Antworten auf Handlungen, die den Palästinensern zugeordnet werden, und Regierungsentscheidungen, die die Extremisten für illegitim halten, inklusive jeder Handlung, die für feindlich gehalten wird, wie das Abreißen von Siedlungen durch die israelische Armee oder von illegalen Wachposten in den Palästinensergebieten. i24 jedoch (ein israelischer internationaler 24-Stunden Fernsehkanal für Nachrichten und aktuelle Anlässe) geht einen Schritt weiter :   ” Heute brauchen diese Übergriffe und Vandalen-Akte nicht mehr den Vorwand von Handlungen, die die Palästinenser begangen haben. Tatsächlich schlagen sie auf eine immer ansteckendere, gewalttätigere und unberechenbarere Weise zu. “

Jedes Mal greifen sie Symbole und Einrichtungen an : während der letzten beiden Monate waren die Angriffe besonders gegen die christliche Gemeinde gerichtet, zu einer Zeit in der sie sich aktiv darauf vorbereitet, Papst Franziskus zu empfangen, einen Mann des Friedens und des Dialogs. In Tabgha am See Genezareth wurden die heiligen Symbole des Kreuzes und des Altars entweiht. In Jerusalem wurde das Gebäude von Notre Dame, Eigentum des Hl. Stuhls, genauer das Büro der Bischofskonferenz „beschmiert“. Eine Moschee in Nordisrael beschmierten sie mit ” Schließt Moscheen und öffnet Yeshivots ”  (Seminare für jüdische Studien in hebräischer Sprache). Aber in welchem ” yeshivot ” wird so ein verstörender und sektiererischer religiöser Fundamentalismus gelehrt? Nach Pfarrer Peter Madros, einem Priester des Lateinischen Patriarchats, spiegeln diese Handlungen eine Mentalität, die Quellen des Alten Testaments verwendet und sie wortwörtlich nimmt, wieder. ” Im Besonderen einige Rabbinerschriften oder sogar alte Schriften wie das Buch ” Toledot Yeshou “, eine blasphemische Parodie auf das Leben von Christus, das immer noch in einigen engen ultra-religiösen Gruppen ausgesät wird.

Sind diese Verbrechen das Resultat einer einzigen extremistischen Minderheit, die bekannt werden will? Warum ist es dann so schwierig, sie zu identifizieren und auszulöschen? Die „Preisschild“ Signatur tauchte zum ersten Mal 2008 auf. Und das ist es, wo die Schwierigkeit liegt. Es ist schwierig, exakte Zahlen für so eine empfindliche Angelegenheit zu erhalten, wir sehen aber von den 788 Graffitis, die von der Extremistengruppe signiert, chronologisch und geographisch von Wikipedia und nur im Zeitraum von Januar 2012 bis Juni 2013 aufgezeichnet wurden, dass nur 276 Haftstrafen und 154 Anklagen verhängt wurden. Diese Zahl ist nicht groß.

Es besteht kein Zweifel, dass hinter diesen Verbrechen eine fanatische und fundamentalistische religiöse – eher als eine politische – Ideologie steht.

In einem Drohbrief vom Sonntag, den 27. April 2014 an Bischof Marcuzzo, Patriarchalvikar für Israel, und unterzeichnet von einem gewissen ” Messiah, Son of David “, wird angekündigt, dass Christen getötet würden, wenn sie nicht bis 5.Mai das Hl. Land verließen, weil sie für ” Götzendiener ”  gehalten werden, die ” heidnische Kulte ” pflegen.

Mangel an Reaktion wird von der israelischen politischen Szene ernst genommen :

In der Folge der jüngsten Angriffe gab die israelische Polizei am Dienstag, den 29. April die Verhaftung eines Verdächtigen bekannt, der gedroht hatte, den Bischof von Nazareth und seine Begleiter zu töten. Sieben jüdische Minderjährige zwischen 13 und 15 Jahren wurden am Montag, den 7. Mai verhaftet, nachdem sie rassistische Botschaften an einem arabischen Dorf im Westen von Jerusalem anbrachten. Konfrontiert mit diesen wiederholten Akten von Vandalismus fragt man sich, wann die Polizei beginnen wird, ernst zu handeln. Und mit welcher Taktik?

Die israelische Justizministerin Tzipi Livni ist die einzige, die geantwortet und die Verbrechen verurteilt hat, die sie als „Terrorismus“ bezeichnet, und postete auf ihrem Facebook Account, „die, die das getan haben, können nicht zu meinem Volk gehören.“

Der israelische Minister für innere Sicherheit, Yitzhak Aharonovitch, deutete seinerseits an, dass seine Regierung ” beabsichtigt, Verwaltungshaft” gegen Personen, die solche Angriffe begehen, anzuwenden. Diese Art Haft wurde bisher nur gegen Palästinenser verwendet und erlaubt ein rasches Inhaftieren von Verdächtigen ohne Verhandlung, auf der Basis eines Militärgerichts, für erneuerbare Zeiträume von sechs Monaten. Der Minister war im Zusammenhang mit dieser Krise auch am Samstag, den10. Mai am Ende des Tages zu einer der größten israelischen TV – Shows eingeladen, um diese Fragen zu beantworten : Warum bleiben die meisten dieser Verbrechen unbestraft? Sollten die Polizeikräfte ihre Möglichkeiten überdenken, solche kriminellen Handlungen zu verhindern? Sollen wir neue Technologien zur Durchsuchung der sozialen Netzwerke entwickeln, um diese Extremisten zu stoppen, bevor sie ein Verbrechen begehen? Für ein Land, das sich ständig damit brüstet, die Sicherheit seiner Bewohner garantieren zu wollen, ist die jüngste Eskalation ein Makel. Und was geschieht mit dem bitteren Mangel an Solidarität mit den Christen, die sich darauf vorbereiten, in wenigen Tagen den Papst zu empfangen?

Wie konnte die israelische Gesellschaft solche Extremisten hervorbringen? ” In welchen Schulen wurden sie erzogen? ” , fragte der Patriarch von Jerusalem Fouad Twal beim Anblick des Graffitis an den Mauern des Klosters in Deir Rafat am 1. April. i24 berichtet, Sicherheitsbeamte nähmen an, dass ungefähr 100 Personen an der jüngsten Angriffsserie beteiligt waren. Die Verbrecher wurden als Rechts-Flügel-Aktivisten aus der Yitzhar Siedlung oder aus Siedlungen nördlich von Ramallah und Hebron in der südlichen Westbank identifiziert. Diese Verderbtheit, die nie aufhört, den Friedensprozess zu vergiften, und die Siedlungen und der Fanatismus, den sie erzeugen, sind zweifellos das erste Böse, das ausgelöscht werden muss, damit wir eines Tages behaupten können, nach einer echten Lösung für alle zu suchen.

Der Patriarch von Jerusalem, Seine Seligkeit Fouad Twal, hielt Sonntag, den 11. Mai in Haifa eine Pressekonferenz zu den “Preisschild” – Attacken im Zusammenhang mit dem nahenden Besuch von Papst Franziskus ab.

Myriam Ambroselli