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Gepostet on 4 Mai 2014 in Kirche, Papst - Heiligen Land 2014

Was die Christen vom Papstbesuch erwarten

Was die Christen vom Papstbesuch erwarten

Benedict-Bethlehem_Mass-300x198JERUSALEM – Mittwoch, 30. April 2014. Im Angesicht des bevorstehenden Papstbesuchs im Hl. Land bereitet sich die Kirche selbst gründlich darauf vor, den Hirten der universalen Kirche willkommen zu heißen, der seit seiner Wahl darauf bedacht ist, die Botschaft des Evangeliums mit einem neuen Atem zu verbreiten. Wir unsrerseits dachten, es wäre Zeit, die Erwartungen und Eindrücke palästinensischer Christen, Geistlicher wie Laien, zu sammeln.

50 Jahre sind vergangen seit dem Besuch von Paul VI im Hl. Land im Jahr 1964. Diese Papstreisen sind Tradition geworden. Auf den Spuren des Hl. Papstes Johannes Paul II, des Papstes der Hoffnung, und von Papst Benedikt XVI, dem Papst des Glaubens, der im Jahr 2008 hierher kam, wird Papst Franziskus in drei Wochen hier erwartet. Von der Hoffnung zum Glauben und weiter zur Barmherzigkeit fordern uns die Nachfolger des Hl. Petrus auf, dem vom Hl. Evangelium inspirierten Weg zu folgen, dem Weg der Freiheit, die so dringend in Palästina gebraucht wird!

Eine spirituelle Pilgerreise und Bestätigung der Christen in ihrem Glauben
Sr. Virginie Habib, eine Rosenkranzschwester und Direktorin des Diözesan-Katechismus-Zentrums, erhofft sich viel von diesem Besuch. „Ich hoffe sehr, dass dieser Besuch helfen wird, die Gläubigen des Hl. Landes in ihrem Glauben spirituell zu erneuern. Ich hoffe, dass die Anwesenheit des Hl. Vaters unseren Christen helfen wird, der Kirche noch näher zu kommen und sich noch tiefer in ihrem Glauben und ihrem Heimatland zu verwurzeln. Ich verfolge bewegt die Wachsamkeit, die der Papst, das Haupt der universalen Kirche, unserer Ortskirche entgegenbringt.“
Viele Christen in Jerusalem, die auch schon die Pilgerreise von Papst Paul VI, die Besuche von Johannes Paul II und dem emeritierten Papst Benedikt XVI erlebt haben, warten nun auf den Besuch von Papst Franziskus. Unter ihnen ist Emmanuel Helou, ein Pensionist, der als junger Mann die Papstreise genau verfolgt hat. Er erinnert sich: “Als Bewohner von Jerusalem sage ich mit Stolz, dass ich die Besuche von drei Päpsten im Hl. Land erlebt habe, und bald den vierten! Was den Besuch von Paul VI betrifft, so hatte dieser in einer geopolitischen Atmosphäre stattgefunden, die völlig anders war als die, die wir jetzt im Hl. Land erleben. Ich erinnere mich an den gewaltigen, beispiellosen Enthusiasmus, den dieser Besuch in meinem Herzen und in den Herzen der Christen dieser Zeit hinterlassen hat. Es war der erste Besuch eines Papstes im Hl. Land. Das hat es zu einem historischen Ereignis gemacht. Ich erinnere mich auch an meine bewegten Gefühle, als ich zwei Meter von mir entfernt Papst Paul VI erschöpft die Via Dolorosa entlang gehen sah, umgeben und gefolgt von einer riesigen Menge von Gläubigen, die gekommen waren, um ihn zu begrüßen.” Im Hinblick auf den kommenden Besuch von Papst Franziskus fügt Emmanuel hinzu:“ Dieser Besuch wird sehr kurz. Ich habe jedoch große Hoffnung, dass er ein Erfolg wird trotz der schwierigen Bedingungen in unserem Land und den großen Problemen der Kirche. Ich hoffe sehr, dass dieser Besuch den Menschen in diesem Land eine Lektion in Demut, Nächstenliebe und Barmherzigkeit sein wird, denn dafür ist Papst Franziskus ein großartiges und lebendiges Beispiel!“

Eine weitergeführte Tradition
Pfarrer Rafiq seinerseits sagt, dass diese Papstbesuche im Hl. Land seit Paul VI eine Tradition werden. Er hatte den Besuch des Konzil Papstes genau verfolgt. Zu dieser Zeit war Pfarrer Rafiq noch Seminarist in den letzten Jahren seiner Priesterausbildung in Beit Jala. Er erzählt:“ 50 Jahre sind seit dem Besuch von Papst Paul VI im Hl. Land vergangen, dem ersten Besuch eines Nachfolgers des Hl. Petrus im Hl. Land. Es war ein sehr wichtiger Besuch, besonders vom ökumenischen Standpunkt aus. Er markierte die Öffnung einer weiten ökumenischen Dynamik, deren Früchte wir heute ernten. Der Besuch von Papst Franziskus erinnert eigentlich an den 50. Jahrestag einer historischen ökumenischen Begegnung.“ Auf die Popularität von Papst Franziskus bei den Christen im Hl Land hinweisend setzt er fort: “Wir sollten anerkennen, dass der Weg für den Besuch von Papst Franziskus bereitet ist, seine Popularität eilt ihm hierher voraus, wo die Menschen sehen konnten, dass der Papst neue Regeln für die Beziehung der Kirche zur Welt und zu ihren vielfältigen Aufgaben aufgestellt hat . All das durch einfache Gesten, die ihn aber jedermann näher bringen.“
Tatsächlich hat Papst Franziskus erfolgreich vielen Menschen geholfen, die die Kirche verlassen haben und die sich nun mit Gott und ihrem christlichen Glauben versöhnt haben. Er half auch vielen von denen, die die Kirche nicht verlassen haben, stark zu bleiben und ihren lebendigen Glauben zu vertiefen. In diesem Zusammenhang erklärt uns Khader Habash, ein Rechtsanwalt, der für das Kirchengericht arbeitet, seine persönliche Erfahrung mit Papst Franziskus: „Sobald er erstmals am Balkon des Vatikan erschienen war, fühlte ich, dass er anders sein würde. Und ich fragte mich. Was würde er tun zum Heil der Welt, dieser Papst?! Was mich am meisten beeindruckte an diesem Tag war, dass er die Menschen bat, für ihn zu beten. Seit damals sehe ich jeden Tag eine neue Überraschung von ihm ausgehen. Für mich kommt er, um erneut das Bild von Christus in unsere Herzen zu zeichnen!“

Der Traum von der Einheit der Kirchen und dem Frieden im Hl. Land
Ökumene ist das Herz dieses Besuchs, aber im Hl. Land ist die politische Dimension immer präsent. Die politische Dimension, das ist der israelisch-palästinensische Konflikt und die auffallende Ungerechtigkeit, die dieser Konflikt im palästinensischen Volk hinterlässt, seien sie Christen oder Moslems. Pfarrer Rafiq sagt: “Alles, was wir uns wünschen, ist, dass dieser Besuch dem ökumenischen Dialog im Hl. Land neuen Auftrieb gibt. Dass der Papst einen klaren, kräftigen und starken Appell für einen gerechten und nachhaltigen Frieden im Hl. Land gibt. Gerade zu diesem Zeitpunkt, wo die Friedensgespräche ins Stocken geraten sind, weil sie nicht entlang des rechten Weges geführt wurden und so nichts erreichten.“ Das ist auch die Hoffnung, die Khaders Herz füllt, der noch einmal wiederholt. „Wir erwarten vom Papst konkrete Anstöße in Richtung eines ökumenischen Dialogs, und auch – sehr einfach – ein Wort der Wahrheit für den Friedensprozess im Hl. Land.”

Firas Abedrabbo