Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 30 Jan 2014 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

“I migranti in Israele non sono criminali”: padre D. Neuhaus

“I migranti in Israele non sono criminali”: padre D. Neuhaus

Israel-migrants-300x200INTERVIEW – Am 19. Januar 2014 feierte die katholische Kirche den 100° Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Im Heiligen Land wurde am Vorabend in Jaffa eine Messe für viele Migranten, die in Israel leben, von Pater David Neuhaus, verantwortlicher Diözesan-Seelsorger der Migranten, zelebriert. Seit dem 5. Januar hatten tausende Afrikaner in Tel Aviv und Jerusalem gegen die Weigerung der israelischen Behörden ihnen den Flüchtlingsstatus zu gewähren protestiert. Pater Neuhaus kommentiert diese Situation.

1. Warum schweigen die afrikanischen  Migranten in Israel  nicht mehr? 

Um diese Protestbewegung zu verstehen, muss man auf die allgemeine Situation eingehen. Es wird geschätzt, dass derzeit 53.000 afrikanische Asylsuchende in Israel leben. Die meisten von ihnen kommen aus Eritrea und dem Sudan. Die Eritreer sind meist Orthodoxe Christen  und die Sudanesen meist Muslime. Die Demonstranten beanspruchen ihren Status als Flüchtlinge in Israel und verurteilen die Weigerung der Behörden, ihre individuellen Anfragen entsprechenden zu bearbeiten. Wenn heute Migranten  über den Sinai und der ägyptischen Grenze nach Israel kommen, gibt ihnen der Staat zwar Schutz als Gruppe, unternimmt aber keinerlei Maßnahmen, um ihre einzelne, persönliche Situation zu verstehen.

Am Ende werden sie nur als Menschenmasse und ohne Flüchtlingsstatus behandelt und  genießen somit keinerlei sozialen Rechte (Arbeit, Gesundheit, …). Nur zur Information: keiner der Asylsuchenden aus Eritrea hat diesen Status in Israel bekommen, während 60-70% der Asylsuchenden aus dem gleichen Land, die aber nach Europa ausgewandert sind, diesen Status als Drittstaatsangehörige erhalten haben.

Die Demonstranten beschuldigen Israel sie zu ermutigen, das Land wieder zu verlassen. Dabei benützt der Staat verschiedene Möglichkeiten, in dem er  ihnen das Leben unmöglich macht: er zahlt ihnen Geld, damit sie das Land wieder verlassen, oder steckt sie in Gefängnisse oder in Haftzentren. Eines wurde zu diesem Zweck im Süden von Israel gebaut: seine Bewohner können tagsüber zwar kommen und gehen, aber sie  müssen sich zu festgelegten Zeiten – morgens, mittags und abends – registrieren lassen und die Nacht im Lager verbringen.

Dies alles untergräbt die von Israel unterzeichneten internationalen Abkommen. Schließlich kann Israel jederzeit entscheiden, ob die Probleme in den Herkunftsländern der Migranten als „beendet“ anzusehen sind. Zum Beispiel, als es zur Unabhängigkeitserklärung des Südsudan im Juli 2011 kam, wurden tausende Sudanesen zurück in ihr Land geschickt (während die Vereinigten Staaten beschlossen hatten, abzuwarten, bevor sie eine solche Entscheidung fällen würden, und die  politische Entwicklung der neuen Situation erst einmal überwachen würden). Seitdem sind viele der Sudanesen, die von Israel wieder in ihr Land geschickt wurden an Malaria oder den Folgen des Bürgerkriegs gestorben. Erst vor kurzem, am 14. Januar, sind mehr als 200 Zivilisten, die vor  der Wiederaufnahme der Kämpfe in Malakal geflohen waren, beim Untergang eines überlasteten Bootes ertrunken.

 

2. Was rechtfertigt eine solche Politik seitens Israel?
Das Problem ist kein wirtschaftliches. Einige der Asylsuchenden haben Arbeit gefunden und das zu  niedrigen Lohnkosten und ohne soziale Rechte. Sie tragen zur  israelischen Wirtschaft bei und haben einen guten Ruf in der Bauindustrie, in der Hotellerie und der Gastronomie.

Das Problem ist eigentlich eine Form von Populismus. Die Asylsuchenden leben normalerweise in den ärmsten Stadtvierteln der Stadt. Beispielsweise findet sich
die jüdische Bevölkerung im Süden von Tel Aviv, der es sehr schlecht geht,  von  Asylsuchenden umgeben, die unter extrem prekären Bedingungen leben
(viele Menschen leben in einem Raum, es vermischen sich Gerüche und Geräusche anderer Kulturen). Außerdem explodierte eine beunruhigende Kriminalität. In den vergangenen Monaten gab es mehrere Demonstrationen von lokalen Israelis gegen die Afrikaner. Auf der Regierung lastet eine starke Forderung aus der Bevölkerung, diese Menschen zu vertreiben, die als Bedrohung für die Identität des Landes gelten. Es existiert ein ganzes Vokabular, das diese Männer und Frauen stigmatisiert , die vor autoritären Regimes und vor schrecklichen Situationen geflohen sind, und sie als “Eindringlinge” bezeichnet. Aber die Migranten in Israel sind keine Kriminellen.
Sie beantragen einfach nur den Status als Flüchtlinge.

 

3. Unterstützen Sie dieses Protestwelle?
Erstens sind unter den Asylbewerbern (Eritreer, Äthiopier und Sudanesen) Katholiken. Diese Menschen sollten weiterhin ihren Glauben leben können  und wir müssen sie unterstützen. So ist beispielsweise rund 10% der eritreischen Migrationsbevölkerung katholisch (Ge’ez Ritus.) Um dieser Bevölkerung zu dienen, haben wir einen neuen Priester, der aus der Diözese Adigrat in Äthiopien (Pater Medhin) stammt und die Messe in ihrem Ritus in Jaffa, Tel Aviv und Eilat zelebrieren kann. Wir arbeiten auch mit jungen gut ausgebildeten Eritreern, darunter auch einige ehemaligen Seminaristen.

Zweitens müssen wir als Kirche über die allgemeine Situation aller Asylsuchenden , die in Israel ankommen, Bescheid wissen, um bestmöglich helfen zu können. Dabei hat die Kirche beschlossen nicht direkt mit den Politikern zu diskutieren, aber mit den israelischen Hilfsorganisationen zu arbeiten, die sich für diese Menschen engagieren. Um dies tun zu können, müssen wir:
– Eine seriöse Dokumentation der Erfahrungen der Asylsuchenden zusammentragen ( auf der Straße erlebte Traumata, Entführungen, Gefangenschaft etc..) .
– Ihre Rechte kennen (Kinderbetreuung , Krankenhausaufenthalt … ) .
– Die Organisationen unterstützen, die versuchen, das Bewusstsein in der israelischen Gesellschaft zu fördern.
– Materielle  und psychologische Unterstützung bereitstellen.
In dieser gemeinsamen Arbeit, freuen wir uns, in unserer Mitte Schwester Azezet Kidane , ein Comboni- Schwester,m zu haben, die eine wahre Übersetzerin der Welt der Migration ist.

 

4 . Was unternimmt die internationale Gemeinschaft ?
Das Hauptproblem dabei ist, dass das Phänomen Migration ein internationales Problem ist, und sich die internationale Gemeinschaft ändern muss.
Viele Länder müssen zunächst ihre Haltung zu korrigieren.
Papst Franziskus hat deutlich zum Ausdruck gebracht , wie sehr die Welt der Migranten einen besonderen Platz in seinem Herzen einnimmt. Sehr besorgt über
das, was mit ihnen geschieht , hat der Papst in seiner Botschaft zum ” Welttag der Migranten und Flüchtlinge ” die ganze Welt aufgefordert zu reagieren : “Eine
Änderung der Einstellung gegenüber Migranten und Flüchtlinge wird von allen benötigt … ” . Unsere Kirche im Heiligen Land befindet sich bereits in einer bedrohten Welt und in einem Überlebenskampf in einer nicht sehr freundlichen Region. Aber wir sind alle Brüder und Schwestern in unserer Armut. Unsere Kirche im Heiligen Land , die bereits arm und schwach ist , ist dazu aufgerufen, aus sich heraus zu gehen. Das ist nicht einfach, da sie keine reiche Kirche ist : es ist eine arme Kirche, die auf dem Weg ist, eine noch ärmere zu treffen.
Interview mit Christophe Lafontaine