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Gepostet on 1 Jan 2014 in Patriarch, Predigten FT

Predigt vom 1. Januar 2014 (Fotos)

Predigt vom 1. Januar 2014 (Fotos)

Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Predigt vom 1. Januar 2014, die der Lateinische Patriarch, Erzbischof Fouad Twal in Jerusalem gehalten hat.

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Neujahrspredigt 2014

Liebe Brüder im Bischofsamt,
Meine Damen und Herren,
Liebe Padres, liebe Ordensschwestern,
Liebe Brüder und Schwestern, all ihr, die ihr die große Familie des Heiligen Landes bildet,

«Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Heil!» (Num 6, 22-27)

Ich wünsche Ihnen ein frohes Jahr 2014 und wiederhole erneut, was unsere christliche Hoffnung ist: unsere Welt, unser Naher-Osten, unser Heiliges Land sollen nicht dauerhaft dem Chaos bestimmt sein. Dank unseres unterstützenden Handelns und der vielen  Freundschaften können “ein neuer Himmel und eine neue Erde” (Offb 21,1) entstehen. Daher möchte ich allen religiösen Kongregationen, religiösen und Laien-Gemeinschaften, Vereinen und all denjenigen, die im Gebet, im Apostolat und der Solidarität das Evangelium im Glauben und in den Werken leben, danken.

Wir bilden eine große Familie und es ist eine Freude, heute hier unter den Brüdern und Schwestern bei unserer himmlischen Mutter zu sein, um für die guten Dinge, die wir  in diesem Jahr gemeinsam geschaffen haben, zu danken und bei ihrem Sohn für alle unsere Unfähigkeit, unsere Zweifel und unseren Mangel an Liebe um Vergebung zu bitten.

Andererseits gibt es keine echte Brüderlichkeit ohne die Anerkennung der Vaterschaft Gottes. Eine unendlich liebevolle und gerechte Vaterschaft, die uns nicht nur zu Kindern, sondern auch zu Geschwistern, zu Mitgliedern einer großen Familie macht, deren Berufung die Liebe ist. Diese Präambel ist das Fundament, auf dem Papst Franziskus seine Botschaft zur Feier des Internationalen Weltfriedenstages, den wir heute feiern, aufbaut. Der Papst sagt uns : “ Die Brüderlichkeit ist eine Fähigkeit, die jeder Mann und jede Frau als Mensch in sich trägt, als Sohn und Tochter des gleichen Vaters. Angesichts der vielen Tragödien, die die Familie der Völker betrifft – Armut, Hunger, Unterentwicklung, Konflikte, Migration, Umweltverschmutzung, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Kriminalität, Fundamentalismus  – ist die  Brüderlichkeit das Fundament und der Weg des Friedens» (1). Klare Worte findet der Papst, was die bewaffneten Konflikte betrifft, die «unter der allgemeinen Gleichgültigkeit ausgetragen werden». «Entdeckt euren  Bruder in dem, den ihr heute für einen zu besiegenden Feind haltet, und haltet ein!» (2), rief er mit Nachdruck aus, was uns an seinen Appell vom 1. September zur Friedensvesper für Syrien und den Nahen Osten erinnert.

Für den Papst liegt der Schlüssel für diese Herausforderung vor allem in der Brüderlichkeit Christi. Der erst geborene Sohn des Vaters, der Bruder einer Vielzahl von Brüdern, der mit seinem Tod und seiner Auferstehung alle Menschen in ihm versöhnt hat; er ist es, der die Brüderlichkeit schafft, zu der die Menschen alleine nicht in der Lage sind. Ihm zu folgen hilft uns, in unserem Nächsten nicht den Feind oder Gegner, der ausgelöscht werden muss, zu sehen, sondern den Bruder.

«Brüderlichkeit muss entdeckt, geliebt, erlebt, angekündigt und gezeigt werden» (3), so die Worte des Papstes, die uns an die Worte seiner Predigt vom 19. März « … wir sind gegenseitige Behüter,» erinnern. (4)

Liebe Brüder und Schwestern, das ist ein sehr schönes Motto, nicht nur für ein Jahr, sondern für das ganze Leben. Wir wissen, dass unser Heiliges Land diese Brüderlichkeit zwischen den Völkern, zwischen Juden, Christen und Muslimen braucht. Wir wissen auch, dass viele Männer und Frauen guten Willens für mehr Brüderlichkeit, für einen gerechten, einen nachhaltigen, fairen und sicheren Frieden arbeiten. Unsere christliche Berufung verlangt von uns, uns in den Dienst unserer Brüder und Schwestern und Länder zu stellen, damit dieser wachsen kann. Im sozialen und humanitären Bereich arbeiten viele katholische Verbände, um den Bewohnern von Gaza und den vielen syrischen Flüchtlingen, die in unsere Diözese gelangen, zu helfen.

Liebe Brüder und Schwestern, die Familie ist die erste Zelle, in der diese Brüderlichkeit entsteht. Die Enzyklika von Papst Franziskus, Lumen Fidei, befasst sich mit der Familie in ihrer Beziehung zum Glauben, der aufzeigt, «wie stark die Bande zwischen den Menschen sein kann, wenn Gott bei ihnen ist  »(5). Und der Papst fügt hinzu, dass «es an erster Stelle die Familie ist, in der der Glaube die Stadt der Menschen erleuchtet». (6) Daher rechne ich fest mich euch im kommenden Jahr, das unter dem Zeichen der Familie angesichts der außerordentlichen Synode im Oktober 2014 steht. Die Familie kann zum Erschaffen eines neuen Humanismus der Brüderlichkeit  im Gegensatz zur “Globalisierung der Gleichgültigkeit» (7) beitragen und unsere Kirche muss ” die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ erkennen, wie es im Vorbereitungsdokument zur Synode steht.

Der Auftrag, das Evangelium jeder Kreatur zu verkündigen, wurde von Jesus seinen Jüngern, anvertraut und die Kirche ist der Bote in der Geschichte. In der Zeit, in der wir leben, wird die offensichtliche soziale und spirituelle Krise zu einer pastoralen Herausforderung, die den Auftrag zur Evangelisierung seitens der Kirche für die Familie, als wichtiger Kern der Gesellschaft und der kirchlichen Gemeinschaft, fordert.

Es ist der Frieden, auf den wir abzielen müssen, zum dem uns der auferstandene Christus aufruft, ihn weiterzugeben, vor allem in diesem Land, das seit vielen Jahren von Konflikten heimgesucht wird. Mit den vielen anderen Religiösen des Heiligen Landes, ob Christen oder nicht, müssen wir einen dauerhaften sozialen Frieden aufbauen, ohne dabei auf unseren Glauben zu verzichten. Wir benötigen eine Haltung der Offenheit in Wahrheit und Liebe, fest in unseren Glauben und der zu teilenden Freude stehend, wissend, dass wir unsere Worte anpassen müssen, damit sie gehört und verstanden werden können.

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns dieses Jahr zu einem Beginn von  wahren Taten der Liebe werden. Unsere Brüderlichkeit muss unsere Zusammenarbeit bei der Suche nach dem gemeinsamen Wohl über die Rivalität und Eifersucht stellen.

Und obwohl das Kreuz uns in diesem Heiligen Land begleitet, bitten wir um die Gnade, es mit Kraft und gemeinsam tragen zu dürfen. Heute feiern wir das Hochfest der Maria, der Mutter Gottes; sie ist unsere Hilfe und unser Trost auf unserem Weg.

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Familien, ich wünsche ihnen ein frohes neues Jahr in Frieden und Brüderlichkeit und in Vorfreude auf den Besuch des Heiligen Vaters , der im Mai als Pilger und Bruder aller Gläubigen dieses Heiligen Landes zu uns kommen wird.

+ Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem

(1) Ankündigung des Themas für den 47. Weltfriedenstag – 31. Juli 2013
(2) Botschaft des Heiligen Vaters, Papst Franziskus zur Feier des XVVII. Weltfriedenstages
(3) Botschaft des Heiligen Vaters, Papst Franziskus zur Feier des XVVII. Weltfriedenstages
(4) Predigt von Papst Franziskus am 19März 2013
(5) Lumen fidei, 50
(6) Lumen fidei, 52
(7) Predigt von Papst Franziskus, Montag, 8. Juli 2013, Besuch auf der Flüchtlingsingel Lampedusa. 

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