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Gepostet on 24 Dez 2013 in Patriarch, Predigten FT

Weihnachtspredigt 2013 Seiner Seligkeit Fouad Twal (Fotos)

Weihnachtspredigt 2013 Seiner Seligkeit Fouad Twal (Fotos)

BETHLEHEM – Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Weihnachtspredigt, die der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, in der Heiligen Nacht gehalten hat.

Slide- Homélie de Noël 2013

Weihnachtspredigt 2013

 “Ehre sei  Gott in der Höhe  und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade”. (Lk 2,14)

Sehr geehrter Herr Präsident Mahmoud Abbas,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Rami Al Hamadallah,
sehr geehrter Herr Nasser Judeh, Außenminister von Jordanien,
sehr geehrte Botschafter und Konsuln,
sehr geehrte Repräsentanten der verschiedenen Kirchen,
liebe Pilger, liebe Gläubige,

aus der Geburtsgrotte von Bethlehem möchte ich Ihnen meine besten Wünsche übermitteln. Herr Präsident, Ihnen danke ich, dass Sie gekommen sind, um heute mit uns das Weihnachtsfest zu begehen. Wir beten für Sie und Ihre Mission, damit sich eine gerechte und faire Lösung des aktuellen Konfliktes finden lasse, für die Einheit unter den Palästinensern und für den Frieden und Wohlstand Ihres Landes. Möge Gott Ihnen Weisheit und Mut schenken. Wir beten auch für alle Herrscher im Nahen Osten, besonders für seine Majestät Abdullah II Ben Al-Hussein, König von Jordanien und Wächter über die Heiligen Stätten in Palästina.

Liebe Brüder und Schwestern,

die Weihnachtsnacht damals war dramatisch für die Heilige Familie, die keinen Platz in der Herberge fand (Lk 2,7). Und diese historische Nacht erinnert uns an die lange Nacht, in der sich unsere Welt und unser Naher Osten befinden.

Die Welt steht vor einer langen Nacht der Konflikte, Kriege, Zerstörung, Angst, Hass, Rassismus und in diesen Tagen auch mit Schnee und Kälte. Von diesem heiligen Ort aus erinnern wir an all die Tragödien der Menschheit auf allen fünf Kontinenten: Bürgerkriege in Afrika, der Taifun auf den Philippinen und dann die schwierige Lage  Ägyptens und des Irak und die Tragödie in Syrien. Nicht zu vergessen sind auch unsere lokalen Probleme: die Gefangenen und  ihre Familien, die weiterhin auf ihre Freilassung hoffen, die Armen, die ihr Land verloren und ihre Häuser abgerissen gesehen haben, Familien, die auf eine Familienzusammenführung warten, die Arbeitslosen und all jene, die unter der Wirtschaftskrise leiden.

O Kind von Bethlehem, wir sind müde. Angesichts dieser schmerzhaften Realität, lasset uns diesen Adventsgesang  beten: Víde Dómine afflictiónem pópuli túi … Sieh an, Herr, die Betrübnis deines Volkes, und sende den, den du senden willst. Sende aus das Lamm…, das es hinweg nehme das Joch unserer Knechtschaft.

Aber wir dürfen nie der Verzweiflung erliegen, denn Jesus der Retter verkündet uns, dass Frieden möglich ist, dass die Flamme der Hoffnung am Leben bleibt, dass Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung kommen werden. Aus Bethlehem kommt die Botschaft der Erlösung; und nach Bethlehem müssen wir schauen. Denn in dieser Nacht erneuert sich die göttliche Verheißung, die die Engel besungen haben: “Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf  Erden bei den Menschen seiner Gnade”. (Lukas 2,14).

Wir sind eingeladen, optimistisch zu sein und unseren Glauben, dass dieses Land, die Wiege der drei monotheistischen Religionen, eines Tages zu einem Paradies für alle Völker werden kann, zu erneuern.

“Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden  den Menschen seiner Gnade”. (Lukas 2,14)

Der Frieden Christi ist universell und basiert auf Gerechtigkeit. Sie lässt uns in jedem Menschen ein Geschöpf Gottes sehen. Es ist ein Friede, der das Leben schenkt. Niemand hat das Recht, im Namen Gottes töten zu wollen. Aus diesem Grund möchte ich zusammen mit dem Papst, “einen nachdrücklichen Aufruf  an all diejenigen richten, die mit Waffen  Gewalt und Tod säen: Entdeckt in dem, den ihr heute nur als einen zu schlagenden Feind betrachtet, wieder euren Bruder und haltet ein! Verzichtet auf den Weg der Waffen und geht dem anderen entgegen auf dem Weg des Dialogs, der Vergebung und der Versöhnung, um in eurem Umfeld wieder Gerechtigkeit, Vertrauen und Hoffnung aufzubauen! »In dieser Hinsicht ist es klar, dass bewaffnete Konflikte für die Völker der Welt immer eine vorsätzliche Negierung des internationalen Einvernehmens sind sowie tiefe Spaltungen schaffen und schwere Wunden zufügen, die viele Jahre zur Heilung benötigen ».”  (Botschaft für den XLVII. Weltfriedenstag, 7).

Wir leben im Heiligen Land in einem Konflikt, dessen kurzfristige Lösung nicht in Sicht ist und der schwer auf all seinen Bewohnern, auch den Christen lastet.

Diese schmerzhafte Realität wirft viele Fragen auf, die unsere Zukunft in diesem Land betreffen,  und ist Quelle tiefer Besorgnis. Wir brauchen die Antwort des Glaubens. Die Antwort ist weder  das Auswandern noch das sich in sich Verschließen. Die Antwort ist vielmehr, hier zu bleiben und hier zu leben und zu sterben. Unser Land ist heilig und als solches muss es eine Antwort der Treue bekommen. Denn unsere Zeit auf dieser Erde ist eine göttliche Berufung, ein Segen, ein Privileg. Die Flamme des Glaubens wird wie der Stern der Heiligen Drei Könige leuchten, um uns den Weg zu weisen. Wir brauchen dieses absolute Vertrauen in die Vorsehung Gottes: “Er tröstet uns in aller unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden” (2 Kor 1,4).

Das Licht des Glaubens kann alle Aspekte unseres Lebens, unserer Gegenwart und Zukunft beleuchten. Durch den Glauben wird unsere Vision intensiver, tiefer, erhabener und breiter, gelangt dorthin, wo das menschliche Auge allein nicht gelangen kann. Mit dem Glauben sehen wir in gewisser Weise, wie Gott selbst sieht. Glauben ist also die Weisheit, die uns erlaubt, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Aber wenn dieses Licht fehlt,  dann ” wird alles verworren, und es ist unmöglich, das Gute vom Bösen, den Weg, der zum Ziel führt, von dem zu unterscheiden, der uns richtungslos immer wieder im Kreis gehen lässt.” (Lumen Fidei, 3)

Das ist es, was unseren Glauben stärkt, dass Gott allmächtig, allwissend und  treu ist und uns liebt. Deshalb kann uns nichts erschrecken, weder die Gegenwart noch die Zukunft, weder die Probleme noch die Schwierigkeiten unseres Nahen Ostens.

O göttliches Kind, das du nach der Bedrohung des Herodes, der vor zweitausend Jahren die Kinder von Bethlehem getötet hat, die Flucht nach Ägypten erlebt hast, sei unseren Kindern und allen Kindern der Welt gnädig. Hab Erbarmen mit den Gefangenen, den Armen, den Ausgeschlossenen und den am Verletzlichsten. Lasst uns in dieser Nacht für die in Syrien entführten  Bischöfe und Ordensschwestern beten. Lasst uns für ihre Rückkehr und die Rückgabe ihrer Würde beten. Denke an sie, o Herr, und an alle Flüchtlinge. Gibt ihnen ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere Zukunft, so dass sie in ihr Land zurückkehren können und dort ein Zuhause vorfinden.

O göttliches Kind, Gott der Güte und Barmherzigkeit, richte deinen Blick auf das Heilige Land und unsere Völker, die in Palästina, Israel und Jordanien leben, und auf alle Völker des Nahen Ostens. Schenke ihnen die Versöhnung, damit sie alle Brüder und Schwestern, Kinder des einen Vaters, werden können.

O göttliches Kind, wir bitten um deinen Frieden durch die Fürsprache der Jungfrau Maria, deiner Mutter, der Tochter unseres Landes.

Frohe Weihnachten und möge Sie alle der Segen dieses Kindes von Bethlehem begleiten.

+ Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem

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Fotos: Andrea Krogman