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Gepostet on 1 Nov 2013 in Dialog, Interreligiöser Dialog

Interview mit Weihbischof Marcuzzo zum Treffen des Katholisch-Jüdischen-Bündnis-Komitees in Madrid

Interview mit Weihbischof Marcuzzo zum Treffen des Katholisch-Jüdischen-Bündnis-Komitees in Madrid

Mgr-Marcuzzo-239x300MADRID – Weihbischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, Patriarchalvikar für Israel, hat vom 13. bis 17. Oktober 2013 am 22. Treffen des Internationalen Katholisch-Jüdischen-Bündnis-Komitees  in Madrid teilgenommen. Hier ein Interview mit dem Weihbischof:

1.Wie beurteilen Sie dieses Treffen?

Das Treffen fand in einer freundschaftlichen Atmosphäre statt, geprägt von Offenheit und gegenseitigem Respekt. Die Debatte verlief auf hohem breiten Niveau unter Bischöfen, Rabbinern, Experten und Verantwortlichen aus aller Welt, die reichlich Erfahrung mitbrachten. Mein Eindruck ist durchaus positiv.

2. Welche Ergebnisse wurden mit diesem Treffen erzielt?

Anhand dieser Treffen kann eine gemeinsame Sprache gefunden werden, um sowohl die Ideen wie auch die Kooperation zusammenzutragen, gemeinsame Ziele zu realisieren und besonders die Ursachen der Gewalt gegenüber Minderheiten zu bekämpfen. Auch in Fragen, bei denen wir nicht gleicher Ansicht sind, werden wir zu mehr Rücksicht und Einfühlungsvermögen bewogen.

3. Wie war Ihr persönlicher Beitrag auf diesem Treffen?

Als Bischof vom Heiligen Land habe ich gemeinsam mit dem Kustos meine persönliche Alltagserfahrung  miteingebracht und vor allem die Herausforderungen meiner christlichen Gemeinde im Heiligen Land angesprochen. Man kann hier nicht von Verfolgung oder Christenphobie sprechen, aber dennoch herrschen oft Gewalt, Intoleranz, Vandalismus, Diskriminierung, Vorurteile und Ungerechtigkeit gegenüber den Christen, und dies habe ich mit Beispielen aus unserem Alltag belegt.

Natürlich habe ich auch die positive ermutigende Seite aufgezeigt, die wir hier in der israelischen Gesellschaft, in Palästina und in Jordanien genießen, nämlich vor allem die Religionsfreiheit, das Recht auf Bildung und Aktivitäten, und die guten Beziehungen zu den Muslimen, den Juden und den Drusen. Durch private Initiativen, religiöse Institutionen und interreligiöse Verbindungen sind wir im Kampf gegen Intoleranz einen bedeutenden Schritt vorangekommen.

Ich bin davon überzeugt, dass ausführliche Informationen zur christlichen Realität im Heiligen Land von hoher Bedeutung sind, um diese einer breiten Schicht zugänglich zu machen. Man muss darauf hindeuten, dass sich die Beziehungen zwischen den Religionen und Kulturen im Heiligen Land sehr positiv verbessert haben, obwohl immer noch eine Mehrheit in der Gesellschaft mit Vorurteilen lebt. Der Dialog zwischen Katholiken und Juden ist gerechtfertigt, aber wir müssen auch die Muslime dazu einladen, sich unserer Debatte und Zusammenarbeit anzuschliessen, um die Verfolgungen und Gewaltakte zu bekämpfen.

4. Was war Ihnen bei dieser Debatte besonders wichtig?

Ich habe erstens deutlich darauf hingewiesen, welch hohe Bedeutung Bildung und Kenntnis haben. Leider herrschen in vielen Köpfen noch viel Unkenntnis und falsches stereotypisches Denken hinsichtlich Palästina und Israel und den Christen in den beiden Ländern.

Zweitens habe ich die Ursachen der Intoleranz angesprochen. Ich verteidige eine „volle Staatsbürgerschaft“ (mwatanah‘) als Alternative zum Konfessionalismus. Zu meiner Verwunderung wurde dieser Terminus von vielen nicht akzeptiert, da sie um die typische Identität ihres Landes fürchten. Andererseits hat mich die Reaktion mehrerer Rabbiner und David Rosen positiv beeindruckt, die, „gerade für das Wohl des Landes, für die soziale Harmonie und den hohen Anspruch biblischer Werte“ meine Ansicht teilen.

Drittens muss ich immer wieder betonen, wie außerordentlich wichtig eine Verbesserung oder gar Änderung des Bildungs- und Erziehungsprogramms im Schulwesen wäre. Auf diesem Gebiet haben die politischen Führungskräfte und religiösen Führer noch viel zu tun. Würde man in allen Kirchen, Synagogen und Moscheen  dieser Welt immer wieder den Aufruf „Liebt einander!“ hören, würde sich die Lage sicherlich ändern. Würde man in allen Schulbüchern die Gemeinsamkeiten hervorheben und auf die positive Kenntnis des anderen hindeuten, könnten viele Konflikte vermieden werden.“

Die Redaktion