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Gepostet on 23 Okt 2013 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Nach Shimon Peres und Abdallah von Jordanien wird nun  Mahmoud Abbas im Vatikan erwartet

Nach Shimon Peres und Abdallah von Jordanien wird nun Mahmoud Abbas im Vatikan erwartet

Image-Gardes-suisses-300x203ROM – Vor dem Hintergrund eine hypothetischen Pilgerreise des Papstes ins Heilige Land, wurde der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde am Donnerstag, den 17. Oktober im Vatikan erwartet. Dieses Treffen findet statt, während  in Jerusalem nach fast drei Jahren die auf Eis gelegten Friedensverhandlungen wieder aufgenommen werden.

Der Palästinenserpräsident sollte laut der Agentur I.MEDIA am 17. Oktober vom Heiligen Vater zu einer Privataudienz empfangen werden. Dies ist sein erster Besuch nach mehreren Treffen zwischen ihm und Benedikt XVI, genauer gesagt waren es sechs (fünf Mal im Vatikan und einmal im Heiligen Land im Mai 2009). Es ist anzunehmen,  dass Präsident Abbas den Papst offiziell nach Palästina einlud. Eine Einladung, die der des israelischen Präsidenten Shimon Peres folgt, die dieser  bei seinem Treffen mit dem Papst im Frühjahr ausgesprochen hatte. Der Papst hatte seine “Begeisterung” und “Freude” ausgedrückt.

In jüngster Zeit haben sich die Stimmen über eine päpstliche Reise ins Heilige Land verdichtet. In der Tat gibt es keinen Mangel an Einladungen, und Anspielungen darauf werden immer deutlicher. Zu aller erst hatte der Lateinische Patriarch den Papst nach seiner Wahl eingeladen, die Diözese des Lateinischen Patriarchats zu besuchen. Sein Vikar, Erzbischof Maroun Lahham, bestätigte vergangene Woche, dass eine Reise des Papstes im nächsten Frühjahr nach Jordanien wahrscheinlich sei, wo er auch ein syrisches Flüchtlingslager besuchen könnte. Die erste Etappe bevor er Jerusalem erreicht? Vor kurzem erst hatte der Vorsitzende des israelischen Parlaments (Knesset), Yuli Edelstein, den Papst am Ende der Generalaudienz am Mittwoch, den 9. Oktober, auf dem Peteresplatz begrüßt und ihn eingeladen, im Parlament  zu sprechen. Es ist auch bekannt, dass der Patriarch von Konstantinopel, zusammen mit Papst Franziskus der historischen Umarmung zwischen Paul VI und Athenagoras im Januar 1964 während der Pilgerfahrt von Papst Montini ins Heilige Land, gedenken möchte. Während seines Rückfluges aus Brasilien Ende Juli nach dem Weltjugendtag hatte der Heilige Vater diesen Wunsch der Presse bestätigt. Vor ein paar Tagen war der Rabbiner  Abraham Skorka, Rektor des Rabbiner-Seminars von Buenos Aires zu Gast bei Papst Franziskus. Als langjähriger Freund des Papstes sagte der Rabbi: “Wir träumen von einer gemeinsamen Reise nach Israel und der Papst arbeitet daran”.

Wenn  Federico Lombardi, der Sprecher des Vatikans, – interviewt von AFP –  bestätigt, dass ” Papst Franziskus mehrfach seinen klaren Wunsch, nächstes Jahr ins Heilige Land zu gehen, geäußert hat”, und noch hinzufügt, dass “weder das Datum und noch das Programm definiert sind“, dann ist das praktisch schon angekündigt. Die israelischen Quellen, die von März sprechen, sind aber nicht bestätigt.

Der Papst betet für den Nahen Osten

Eins ist sicher: eine Reise ist sehr erwünscht. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass der Heilige Vater nicht müde wird, die Christen dazu aufzurufen, für den Frieden im Nahen Osten zu beten. Ein weiterer Beweis dafür ist die Generalaudienz am 9. Oktober, während der der Papst daran erinnerte, dass Papst Benedikt am 10. Oktober 2012, nach seiner Reise in den Libanon und der Übergabe des Apostolischen Schreibens „ Die Kirche im Nahen Osten: Gemeinschaft und Zeugnis“ die arabische Sprache in die Generalaudienz eingeführt hatten […], um den Christen im Nahen Osten die Nähe der katholischen Kirche zu seinen orientalischen Brüdern und Schwestern auszudrücken “. Papst Franziskus bat auch darum, “für den Frieden im Nahen Osten: in Syrien, im Irak, in Ägypten, im Libanon und dem Heiligen Land, wo er der Friedensfürst Jesus Christus geboren wurde, zu beten”. Am 4. Oktober, während der Messe im Freien auf dem Platz vor der Basilika in Assisi hatte Papst Franziskus einen starken Appell in die gleiche Richtung gerichtet.

Die Situation im Nahen Osten berührt den Papst zutiefst, der nicht zögerte, einen Tag des Betens und Fastens – am 7. September – auszurufen, um für Syrien und  für den Frieden im ganzen Nahen Osten zu beten. Ein paar Tage zuvor (Ende  August) hatte er  in einem äußerst angespannten Umfeld in Bezug auf die syrische und ägyptische Krise König Abdallah II von Jordanien  empfangen. Bei diesem Treffen hatten der Papst und der König die Frage der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern angesprochen. Ein Prozess, den der Papst den Gebeten der Christen anvertraut, damit “dieser entschieden und mutig vorangebracht werde”. Für den Fall also, dass eine Reise bestätigt würde, kündigte Rabbiner Abraham Skorka an: “Ich werde den Papst nach Bethlehem, in die palästinensischen Gebiete, begleiten. Seine Präsenz kann sehr wertvoll sein, in einer Zeit, in der die  Friedensverhandlungen wieder aufgenommen werden.”

Man kann sich also die Themen vorstellen, die zwischen Mahmoud Abbas und dem Papst diskutiert wurden. Dabei ist anzumerken, dass dieses Treffen zwei Wochen, nachdem sich die bilaterale Kommission zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Palästina, zuständig für den Entwurf eines Abkommens über das Leben und die Tätigkeit der Kirche, am  26. September 2013 getroffen hatte, stattfand. Dabei wurden Fortschritte bei der Ausarbeitung des Textes des globalen Abkommens erzielt. In der  Abschlusserklärung heißt es: “Die Sitzungen fanden in einer freundlichen, konstruktiven Atmosphäre statt. Mit Blick auf die Probleme, die  bereits informell diskutiert wurden, nimmt die Kommission mit Befriedigung die Fortschritte bei der Ausarbeitung des Textes des Abkommens, das sich mit den wesentlichen Aspekten des Lebens und Aktivitäten der katholischen Kirche in Palästina befasst, zur Kenntnis, und ermutigt die Bemühungen der gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits in fortgeschrittenem Stadium befindliche Diskussion über die übrigen Teile des Textes, zu komplettieren “. Beide Seiten vereinbarten, dass die gemeinsame Arbeitsgruppe seine Arbeit zur Vorbereitung der nächsten Plenarsitzung des bilateralen Ausschusses, der für Anfang 2014 geplant ist, fortzuführen.

Christophe Lafontaine