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Gepostet on 29 Aug 2013 in Politik und Gesellschaft, Regionalnachrichten

Syrien: Der Lateinischer Patriarch von Jerusalem ruft zu Besonnenheit auf

Syrien: Der Lateinischer Patriarch von Jerusalem ruft zu Besonnenheit auf

Mgr-Twal-Je-demande-a-la-France-d-avoir-un-role-plus-politique_article_main-300x206Syrien – Ein Angriff gegen das syrische Regime, das beschuldigt wird, chemische Waffen in seinem Krieg gegen die Rebellen zum Einsatz gebracht zu haben, ist fast sicher. Die militärische Intervention des Westens wird durch die Vereinigten Staaten von Amerika, England und Frankreich durchgeführt werden. Damaskus hat bereits angekündigt, sich zu verteidigen. Russland und Iran als Verbündete des Regimes von Bashar al-Assad warnten vor der Gefahr einer Destabilisierung der gesamten Region im Falle eines ausländischen Angriffs auf Syrien. Der Lateinische Patriarch von Jerusalem ruft besorgt um die Stabilität in der gesamten Region zu Besonnenheit auf.

Der Patriarch betont, dass es ganz nach einer Intervention seitens des Westens in Syrien aussieht,  und er “betet zum Heiligen Geist, damit er die Herzen derer erleuchte, die das Schicksal der Bevölkerung in ihren Händen haben”. Er fordert dabei die Entscheidungsträger dazu auf, den menschlichen Aspekt bei ihren Entscheidungen nicht außer Acht zu lassen. Während der Patriarch feststellt, dass “die Israelis in Massen zu den Verteilungszentren für Gasmasken kommen und die Bewohner des Nahen Ostens damit begonnen haben, Lebensmittelvorräte zu horten”, stellt er sich  die Frage über die Risiken einer Eskalation der Gewalt in der Region:

  • “Warum soll man jetzt schon einen Krieg erklären, wenn die UN-Experten ihren endgültigen Bericht über Art und Auftraggeber des Angriffs mit chemischen Waffen noch nicht abgeliefert haben? Wir erleben hier eine Logik, die an die Vorbereitung des Irak-Krieges im Jahr 2003 erinnert. Diese “Komödie bezüglich Massenvernichtungswaffen im Irak”, die es dann gar nicht gegeben hat, darf sich nicht wiederholen. Noch heute befindet sich  dieses Land in eine sehr kritischen Lage.
  • “Wie kann man die Entscheidung treffen, eine Nation, ein Land anzugreifen? Mit welcher  Berechtigung? Natürlich hat der amerikanische Präsident  die Möglichkeit, einen Luftangriff auf Syrien zu starten (Anm. des Herausg.: indem er den Kongress informiert), aber was ist mit der Arabischen Liga und dem UN-Sicherheitsrat? Unsere Freunde im Westen und die USA wurden nicht von Syrien angegriffen. Mit welcher Legitimation wagen sie es, ein Land anzugreifen? Wer hat sie zur Polizei der Demokratie im Nahen Osten ernannt?”
  • “Wer hat über die Folgen eines solchen Krieges für Syrien und die angrenzenden Länder nachgedacht? Ist es notwendig, die Zahl der Toten auf  über 100.000 steigen zu lassen? Es ist notwendig, auf die armen Seelen, die in Syrien leben und ihren Schmerz, der nun schon zweieinhalb Jahre andauert, hinaus schreien, zu hören.  Wer denkt an die Mütter, an die Kinder, an all die Unschuldigen? Haben die Länder, die Syrien angreifen, berücksichtigt, dass ihre Bürger auf der ganzen Welt, ihre Botschaften und Konsulate das Ziel von Angriffen und Bombenanschlägen als Vergeltung sein könnten? “
  • “Und ganz generell: Wurden die Folgen für die Region des Nahen Ostens berücksichtigt? Den Beobachtern zufolge muss der Angriff ganz gezielt ausgeführt werden und sich auf wenige strategische Standorte konzentrieren, um eine erneute Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Wir wissen aus Erfahrung, dass auch ein gezielter Angriff Kollateralschäden zur Folge haben wird. Vor allem wird es starke Reaktionen geben, die die Region entzünden könnten.”

Wegen all dieser Gründe fordert Patriarch Twal zur Besonnenheit auf und wünscht “Frieden und Sicherheit für die gesamten Region dieses Teils der Welt, die bereits zu viel gelitten hat.” Und er fügt hinzu: “Als Christen im Heiligen Land denken wir in unseren Gebeten an die Syrer, deren Leid wir sehen, wenn in unserer Diözese in Jordanien Zuflucht suchen”. Der Konflikt hat bereits zu einem  Zustrom von mehr als 500.000 syrischen Flüchtlingen im Haschemitischen Königreich geführt.

Christophe Lafontaine