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Gepostet on 31 Mai 2013 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Interreligiöser Dialog über das Ende des Lebens

Interreligiöser Dialog über das Ende des Lebens

soin paliatifJERUSALEM – Am 9. Mai fand der zweite Kongress der Palliativmedizin in Jerusalem statt. Dr. Etienne Lepicard von der Kehilla in Jerusalem berichtet von seinen Eindrücken.

Am 9. Mai nahm ich im Rahmen des zweiten Kongresses zur Palliativmedizin an einer „Diskussionsrunde zum Ende des Lebens“ teil. Die Veranstaltung wurde von Prof. Michael Weingarten, dem Dekan der Bar Ilan Universität in Safed, geleitet. Dr. Izgad Gold stellte die jüdische Sichtweise vor, und ich die christliche Perspektive. Der Kongress, organisiert von der Fakultät für Familienmedizin und des Gesundheitswesens, fand im Norden des Landes, im Kibboutz Goshrim statt.

Die Palliativmedizin ist eine Branche der Medizin, die sich in den letzten Jahren sehr weiterentwickelt hat, und die vor allem das Ziel hat, das Leiden und die Schmerzen des Patienten und seiner Familie zu lindern. Die Hoffnung auf Heilung wird dabei nicht aufgegeben, aber der Akzent liegt deutlich auf der Lebensqualität des Patienten bis zu seinem Lebensende. In den meisten Fällen wird diese medizinische Pflege nur in unheilbaren Krankheitsfällen angewandt, damit der Mensch die ihm verbleibende Lebenszeit so gut wie möglich leben kann.

Die christliche Perspektive der Palliativmedizin

Dieser Kongress war deswegen so einmalig, weil diesmal auch der Rat von Familienärzten mit einbezogen wurde. In meinem Vortrag aus christlicher Sichtweise begann ich mit den Texten des Neuen Testaments, in denen der klare Zusammenhang zwischen der physischen Krankheit und seiner spirituellen Dimension verdeutlicht wird (wie in der Geschichte des Evangelisten Markus 2,1-2 von der Heilung des Gelähmten von Kapharnaum, der von seinen Freunden durch das Dach heruntergeholt und vor Jesus gelegt wurde). Anhand dieser und anderer Bibelstellen wie der Parabel des barmherzigen Samariters (Lk 1, 25-37) und des Beginns des Jakobusbriefs (2,13-16) konnte ich die beiden Sakramente darstellen, die die Kirche uns in unserer letzten Lebensphase spenden kann: die Krankensalbung und die Beichte. Ich ging dabei auf die Unterschiede zwischen der westlichen und der östlichen Traditionen ein, die Bräuche bei Tod und Respekt für die Verstorbenen, und gab einen Einblick, wie christliche Kinder diese Momente aufnehmen können. Am Ende verwies ich auf die Entscheidungen von Papst Pius XII., der in den fünfziger Jahren einige Richtlinien hinsichtlich der Pflege der Sterbenden festsetzte (die Verabreichung schmerzlindernder Medikamente, die unabsichtlich auch die Lebensdauer verkürzen können – eine bekannte Methode, die man Doppelwirkung nennt).

Dr. Gold ging aus jüdischer Sichtweise auf Beispiele der Tradition basierend auf Texten des Talmud und Midrash ein, und sprach auch anhand modernerer Texte von der Beichte kurz vor dem Tod. Ich selber wusste garnicht, dass diese Möglichkeit schon lange in der jüdischen Tradition diskutiert wird. Mit Hilfe des Publikums wurde der Unterschied zwischen dem sofortigen Begräbnis und dem anschließenden siebentägigen gemeinsamen  Trauern einerseits, und der Sterbeandacht vor dem Begräbnis im Christentum andererseits geklärt. Wir sind uns beide der Schwierigkeit bewusst geworden, hier  zwischen  kulturellem Aspekt und religiöser Tradition zu unterscheiden.

Quelle: Vikariat Saint James für die hebräischsprechende Gemeinde