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Gepostet on 30 Apr 2013 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Trennungsmauer: Offener Brief christlicher Palästinenser an Papst Franziskus

Trennungsmauer: Offener Brief christlicher Palästinenser an Papst Franziskus

Mur_Cremisan-300x179JERUSALEM, 29. April 2013 (AFP) – Die christliche palästinensische Gemeinde aus der Umgebung von Bethlehem (Westjordanland) wandte sich in einem offenen Protestbrief gegen die israelische Entscheidung einer Sicherheitsmauer zwischen Bethlehem und Jerusalem, zugunsten der Siedlungen, an Papst Franziskus.

„Wir sind von der Enteignung unserer Grundstücke durch die israelische Besatzungsmacht, die schon mit dem Mauerbau und den Landkonfiszierungen begonnen hat, bedroht”, schreiben die Vertreter der christlichen Stadt Beit Jala, die neben Bethlehem liegt, in einem Brief an den Papst.

Die Unterzeichner klagen die israelischen Behörden an, „Bethlehem von der Stadt Jerusalem und den Heiligen Stätten trennen zu wollen“.

„Ihre Heiligkeit, Ihre Wahl brachte uns Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden. Wir haben immer noch Hoffnung“, so heißt es in dem Schreiben an den Papst, der in dieser Woche den israelischen Präsidenten Shimon Peres empfängt, „einen der Hauptakteure der israelischen Siedlungspolitik im besetzten Palästina“, laut Brieftext.

Die israelische Justiz sprach sich letzte Woche für den Mauerbau im palästinensischen Tal von Cremisan  nahe Bethlehem aus. Eine Sonderkommission des Berufungsgerichts für Landkonfiszierungen wies alle vorgelegten Beschwerden durch die Landeigentümer von Cremisan und durch die Saint-Yves Society, einer katholischen Gesellschaft zur Verteidigung der Menschenrechte, die die Schwestern eines vom Mauerbau betroffenen Salesianerklosters vertrat, zurück.

Seit mehr als einem Jahrhundert kultivieren christliche Palästinenser von Beit Jala nahe Bethlehem im besetzten Westjordanland die Hügel von Cremisan, bekannt für seine Weinberge – woher der namhafte Messwein aus dem Heiligen Land kommt – und seine salesianische Klostergemeinde.

Aber der Bau der israelischen Barriere, die die Palästinenser „Apartheid Mauer“nennen, wird Bethlehem, Beit Jala und die nahegelegenen Dörfer vom Cremisantal, das auf die israelische Seite  einbezogen werden soll, trennen.

Die Palästinenser dieser Region sind überzeugt, man verfolge mit diesem Mauerbau das Ziel, sie ihrer Grundstücke zu berauben. Sie beschuldigen Israel, die Annektierung der angrenzenden Gebiete von Bethlehem geplant zu haben, um diese palästinensische Stadt von Jerusalem, das nur 5 Kilometer entfernt liegt, zu trennen.

Die Klage der Landwirte von Cremisan, einem malerischen Tal von 170 Hektar, geht bis zum Jahr 2006 zurück. Den Klägern bleibt jetzt nur noch ein Mittel, zum Obersten Gerichtshof Israels zu ziehen.

In einer Mitteilung vom 9. Juli 2004 verurteilten sowohl der Internationale Gerichtshof wie auch die UNO Generalversammlung die Mauer als illegal und verlangten ihre Abschaffung. Israel aber beruft sich zur Rechtfertigung des Mauerbaus weiter auf seine Sicherheitsrechte.

„Diese Mauer in der Region von Bethlehem zu errichten ist ein Angriff gegen das soziale Netz der palästinensischen Bevölkerung und die christliche palästinensische Präsenz“, bekräftigt Nabil Chaath, ein Führungsmitglied der OLP und der (nationalistischen) Fatah gegenüber der AFP (Franz. Nachrichtenagentur).

„Zum ersten Mal in der Geschichte die Stadt Bethlehem von Jerusalem zu trennen, die (größtenteils christlichen) Palästinenser ihres Landbesitzes zu berauben, um Siedlungen zu bauen und auszuweiten, um israelische Mauern und Check-points zu errichten, ist ein grausames Verbrechen, das die Friedenschancen, basierend auf zwei Staaten (einem palästinensischen und einem israelischen), deutlich verringern wird“, meint M. Chaath.

Quelle: AFP