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Gepostet on 20 Apr 2013 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese

Osterfreude auch im Gefängnis

Osterfreude auch im Gefängnis

 

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RAMLEH – Am Gründonnerstag zelebrierte Papst Franziskus die Abendmahlliturgie in einem Gefängnis und wusch dabei den Gefangenen die Füße. In der Osterwoche feierte die Gefängnisseelsorge des Lateinischen Patriarchats die Frohe Botschaft mit den katholischen Gefangenen im Ayalon Gefängnis.

Im  Gefängnis von Ayalon bei Ramleh befinden sich derzeit zwölf Gefangene in lebenslanger Haft. Sie unterscheiden sich in ihrer Herkunft: Araber, Latein-Amerikaner, ein Nord-Amerikaner, ein Süd-Afrikaner, ein Inder, ein Eriträer… Was sie vereint, ist ihr Glaube an Jesus Christus. Sie kommunizieren alle in einer gemeinsamen Sprache, auf hebräisch.

Das Team der Gefängnisseelsorge vom Lateinischen Patriarchat besucht sie regelmäßig; die Heilige Messe kann aber nur zweimal im Jahr gefeiert werden, an Weihnachten und an Ostern. Jeder Kontakt mit der Gefängnisaufsicht läuft über den zuständigen Rabbinatsdienst für Gefängnisse.

Am Mittwoch, den 3. April, begab sich die Gruppe der Gefängnisseelsorge, drei Priester und zwei Ordensschwestern, ins Gefängnis nach Ramleh. Der Rabbi dieser Haftanstalt empfing sie am Eingang und untersuchte alles, was sie zur Feier der Eucharistie mitgebracht hatten. Anschließend mussten sie einzeln durch hohe Sicherheitskontrollen. Die Häftlinge versammelten sich nach und nach und wurden sehr herzlich von den Priestern und Ordensschwestern begrüßt. Sie sind dem Seelsorgeteam vertraut und man kennt die jeweiligen Leidensgeschichte eines jeden von ihnen.

Die Ostermesse dieser kleinen Gemeinde des Gefängnisses, die aus den zehn Strafgefangenen und dem fünfköpfigen Seelsorgeteam besteht, wurde von Pfarrer David Neuhaus auf hebräisch zelebriert. P. Neuhaus  ist für die katholische hebräischsprechende Gemeinde und Migrantenpastoral in Israel zuständig. Pfarrer Daniel-Moshe, ein Priester der Kehilla von Jerusalem, und Pfarrer Carlos von Deir Rafat konzelebrierten, das Evangelium wurde auf spanisch, englisch und arabisch gelesen.

In der Predigt lud Pfarrer David zum gegenseitigen Austausch ein auf die Frage: Was bedeutet für uns in unserem Alltag das Ereignis, dass das Grab leer ist? Die beiden Priester Daniel und Carlos und die Schwestern Emmanuela und Susan drückten ihre persönliche Erfahrung aus. Auch mehrere der Gefangenen gingen sehr tiefgründig darauf ein, wie Christus in den Abgrund der Erde herabgestiegen war, um diejenigen zu suchen, die verloren waren. Eine Predigt und Meditation über das leere Grab in einer Strafvollzugsanstalt höchster Sicherheitsstufe? Was bedeutet das für jeden von uns? Es war ein besonders intensiver Moment, der einen der Häftlinge dazu brachte, seine ganze Verzweiflung herauszuschreien. Seine Einsamkeit und sein Gefühl der Verlassenheit waren erschütternd zu hören, und dennoch spürte dieser Mann Vertrauen zu denen, die da waren, um ihm darin beizustehen, sein erdrückendes Leid zu tragen.

Am Ende der Messe wurde die Verkündigung der Auferstehung auf arabisch, hebräisch, spanisch und französisch gesungen. „Christus ist von den Toten auferstanden, er hat den Tod durch seinen Tod besiegt, und er hat denen, die im Grab liegen, das Leben wiedergeschenkt.“ Hallelujah!

Quelle: Hebräisches Vikariat