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Gepostet on 15 Apr 2013 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Welche Hoffnung bringt der Besuch von John Kerry?

Welche Hoffnung bringt der Besuch von John Kerry?

le-secretaire-d-etat-americain-john-kerry-d-et-le-premier-mi_1076816-300x189Weihbischof Shomali nimmt hier Stellung zum Besuch des US-Außenministers in Israel und in den Palästinensergebieten. Die dreitägige Reise des amerikanischen Staatssekretärs vom 7. bis 9. April 2013 soll die Verhandlungen, die seit September 2010 ins Stocken geraten waren, wieder in Gang setzen. Was ist jetzt neu?

„Ich glaube, Außenminister John Kerry ist motiviert und glaubwürdig. Dies war nicht einfach nur eine Urlaubsreise. Er ist sich der Bedeutung des Friedens im Heiligen Land im Hinblick auf das globale Gleichgewicht in der Region sehr bewusst,“ erklärt Weihbischof Shomali. Der Besuch des amerikanischen Staatssekretärs folgt einer neuen Welle der Spannungen und Unzufriedenheit in den besetzten Gebieten, nachdem ein kranker inhaftierter Palästinenser gestorben war. „Die Palästinensische Autonomiebehörde will auf jeden Fall gewalttätige Volksaufstände vermeiden. Eine dritte Intifada würde jede Chance auf Frieden zerstören,“ beteuert der Weihbischof. „Einerseits glaube ich, dass die Bemühungen von John Kerry wieder Enttäuschung hervorrufen werden, wie es so oft nach den zahlreichen Besuchen seiner politischen Vorgänger der Fall war. Andererseits werden wir durch eine innere optimistische Hoffnung angetrieben. Wir wissen nicht, wann der Frieden kommen wird, aber wir wissen, dass es eines Tages Frieden geben wird. Christen und Nicht-Christen bitten darum in ihren Gebeten und wir erkennen die Vermittlerrolle der Politiker an.“

john-kerry-palestine-300x225Zwei Wochen nach dem Besuch von Barak Obama zeigt der amerikanische Staatssekretär John Kerry in seinem dritten Aufenthalt innerhalb eines Monats ein offenes Ohr. Er setzt dabei auf eine „diskrete Diplomatie“ und will nichts überstürzen. Der palästinensische Präsident empfing ihn am 07. April in Ramallah (Westjordanland). Dies bot Mahmoud Abbas die Gelegenheit, nochmals an seine  Forderungen als Bedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen zu erinnern: ein Ende des Siedlungsbaus im Westjordanland und in Ost-Jerusalem, und Verhandlungen nur auf Basis der Grenzen von 1967, d.h. vor Beginn der Besatzung der palästinensischen Gebiete durch Israel. Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde fordert ebenfalls von Israel die Freilassung der am längsten inhaftierten palästinensischen Gefangenen.

Bemühungen und Opfer

John Kerry sieht in der Achtung der israelischen Sicherheit und des Bestrebens der Palästinenser nach einem eigenen Staat eine wahre Chance für den Frieden. Gemeinsam mit Benjamin Netanyahu verspricht er, „in den kommenden Wochen seine Hausaufgaben zu machen“. Auch der israelische Premierminister zeigt sich entschlossen, „nicht nur die Verhandlungen mit den Palästinensern wiederaufzunehmen, sondern diesmal wirklich alles zu tun, um ein für alle mal diesen Konflikt zu beenden.“ Doch solange die Israelis und Palästinenser weiter auf ihren Bedingungen verharren, wird es kaum Fortschritt geben und diplomatische Bemühungen von amerikanischer Seite keine Frucht bringen. Der Preis für einen dauerhaften Frieden besteht in beiderseitigen Anstrengungen und Kompromissen. Auch zahlreiche amerikanisch-jüdische Verantwortliche drängen Netanyahu zu Friedensverhandlungen. In einem Brief vom 3. April 2013 (durch die Organisation Israel Policy Forum) wandten sie sich an den israelischen Premierminister mit dem dringenden Appell, „durch konkrete vertrauenswürdige Maßnahmen Israels Bereitschaft, die Zwei-Staaten-Lösung und damit ein Ende des  israelisch-palätinensischen Konflikts anzustreben, unter Beweis zu stellen.“ Die Unterzeichner des Briefes bitten den Premierminister Israels, „in enger Zusammenarbeit mit dem Außenminister pragmatische Initiativen zu entwerfen, die sowohl die Sicherheit Israels wie auch schmerzliche Gebietsverluste zum Wohl des Friedens mit einbeziehen.“ Sie hoffen, dass diese Initiative „die palästinensischen Verantwortlichen auffordern wird, ähnliche konstruktive Mittel zu ergreifen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“ Weihbischof Shomali glaubt, dass dieser bedeutende Brief John Kerry in seiner Mission helfen kann. „Wenn John Kerry den Siedlungsbau einstellen kann, wäre das eine große Chance für Friedensverhandlungen.“

Christophe Lafontaine