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Gepostet on 4 Apr 2013 in Politik und Gesellschaft, Versammlung der katholischen Ordinarien

Brief der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (AOCTS) an Präsident Obama

Brief der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (AOCTS) an Präsident Obama

bilde-300x225Wir veröffentlichen den Brief der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Versammlung der Katholischen Ordinarien des Heiligen Landes an US-Präsident Obama anlässlich seines ersten Besuchs in Israel, der Westbank und Jordanien.

Herr Präsident,

Wir, die Führer der katholischen/christlichen Kirchen in Jerusalem heißen Sie anlässlich Ihrer bevorstehenden Reise nach Israel und Palästina herzlich willkommen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir Sie auf einige wichtige Probleme aufmerksam machen, die die Präsenz der Christen in diesen Ländern stark beeinflussen.

Dieses Jahr sind es 46 Jahre, dass das palästinensische Volk  unter israelischer Militärbesatzung lebt. Die Situation der palästinensischen Christen ist identisch mit dem des palästinensischen Volkes als Ganzes, und infolgedessen trifft alles, was das palästinensische Volk trifft, auch die Christen.

Von den zahlreichen Völkerrechtsverletzungen in den besetzten palästinensischen Gebieten seitens der israelischen Behörden listen wir hier nur einige auf: illegale israelische Siedlungen, eine Genehmigungs-Bürokratie, die den Zugang zu den Heiligen Stätten für Moslems und Christen gleichermaßen stark einschränkt, Enteignung von privatem palästinensischen Land zum Ausbau der Siedlungen und den Bau von Sperranlagen (wie ganz aktuell im Tal von Cremisan), etc..

Die Staatenlosigkeit, die endlosen Prozeduren zur Familienzusammenführung, die Weigerung, Kinder in Register einzutragen, die beschränkten Expansionsmöglichkeiten aufgrund der wenigen in Ost-Jerusalem erteilten Baugenehmigungen verletzen die grundlegenden Menschenrechte der Palästinenser und zwingen sie  zur  Emigration und ins Exil.

Der größte Teil der lokalen christlichen Bevölkerung sind als Teil der arabischen Bevölkerung in Israel Ziele einer aktuellen Politik versteckter Diskriminierung und werden als Bürger zweiter Klasse in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Eigentum, kommunale Dienstleistungen, etc. behandelt.

Da die christliche palästinensische Präsenz eine wichtige Rolle in diesem Heiligen Land spielt – sie leistet einen großen Beitrag in den Bereichen Bildung, Gesundheit und soziale Dienste -, wird ihre Abwesenheit katastrophale Folgen haben, vor allem mit dem Aufstieg der Fundamentalisten auf beiden Seiten. Daher sollten jegliche  Anstrengungen unternommen werden, die christliche Präsenz im Heiligen Land zu bewahren und ihr eine blühende Zukunft zu bereiten, so dass die Hoffnung nicht verloren geht. Die repressive und diskriminierende Politik der israelischen Regierung stellt eine Sicherheitsverletzung einer religiösen Minderheit dar, die eigens im Völkerrecht unterstrichen ist.

Wir bitten Sie in Ihrer Position als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, den Staat Israel dazu aufzufordern, das Völkerrecht zu respektieren und jegliche  illegale Politik, die gegen die palästinensische Bevölkerung des Heiligen Landes gerichtet ist, zu beenden, um die christliche Präsenz im Heiligen Land zu schützen und zu erhalten.

Mit tiefem Respekt,

Yusef Daher

Sekretär

im Namen der Kommission  für Gerechtigkeit und Frieden – 14. März 2013