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Gepostet on 31 Mrz 2013 in Patriarch, Predigten FT

Osterpredigt 2013 am Heiligen Grab

Osterpredigt 2013 am Heiligen Grab

Christus ist wahrhaftig auferstanden! Hallelujah!

JERUSALEM – Am diesen Sonnstag, 31 März, 2013, feierte Patriarch Fouad Twal die Messe der Auferstehung in der Grabeskirche. Finden Sie hier die Osterpredigt des Patriarchen.

reportage photo andres bergamini

album picasa (55 photos)

Predigt zur Ostersonntagsmesse, 31. März 2013

Exzellenzen,

Liebe Brüder im Amt,

Liebe Freunde,

Frohe Ostern Ihnen allen! Christus ist wirklich auferstanden! Halleluja! Ostern ist ein Fest des Lichts: der Herr ist auferstanden und erleuchtet uns, er schenkt unseren Herzen eine riesige Freude und eine große Hoffnung, indem er sie mit seiner Liebe füllt.

Heute führt uns das Evangelium den Wettlauf von Petrus und Johannes, die Maria Magdalena ans Grab, wo der Leichnam Jesu abgelegt worden war, folgen, vor Augen. Aber dort finden sie das Grab mit den Leichenbinden und dem Schweißtuch, sorgfältig an einem anderen Ort zusammengelegt, leer vor.

Sofort „sah und glaubte“ Johannes, dass Jesus nicht weggebracht worden, sondern auferstanden war. Der Glaube ist ein Geschenk und zugleich etwas sehr persönliches. Um unseren Glauben zu nähren, müssen wir unsere persönliche Beziehung mit Gott pflegen. Der Glaube wird durch das Gebet im geheimen Herzen  vor einer durch das leere Grab bezeugten “abwesenden Präsenz” genährt. Wie wir heute sehen, ist das leere Grab der Anfang des Glaubenswegs. Dieser Glaube – unser Glaube – basiert auf dem Zeugnis der Apostel. Wir sollen glauben ohne zu sehen  “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.” (Joh 20, 29).

Die Auferstehung ist das Zentrum des christlichen Glaubens: “Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos” (vgl. 1 Kor 15,17). Allerdings feiern Katholiken, Orthodoxe und Protestanten Ostern an unterschiedlichen Tagen. Wir wissen, dass die Trennung nicht von Gott kommt. Deshalb hat unsere Diözese im Heiligen Land beschlossen, dass wir Katholiken – mit Ausnahme von Jerusalem und Bethlehem-   Ostern nach dem Julianischen Kalender feiern werden, damit Familien gemischter Konfessionen dieses Geheimnis zusammen feiern können. In Jordanien, Syrien und Ägypten ist dies bereits der Fall. Aus einem gemeinsamen feierlichen und fröhlichen Fest der Auferstehung des Herrn durch die Christen im Heiligen Land kann ein glaubwürdiges und authentisches Zeugnis vom Ruf Christi zur Gemeinschaft werden, und aus unserer Antwort auf diesen Ruf…

Es ist keine leichte Entscheidung, die Osterdaten zu vereinheitlichen, aber es ist ein erster Schritt zur vollen Einheit, die uns im Gebet stets am Herzen liegen sollte. In diesem Jahr des Glaubens, das sich sehr für diese Herausforderung eignet, müssen wir unseren Glauben und unsere Begeisterung entfachen. Die Evangelisierung durch die Nächstenliebe und die Einfachheit, scheint auch eine Priorität unseres neuen Papstes Franziskus zu sein. Unser argentinischer Papst kommt von einem Kontinent, der  40 % der weltweiten Katholiken ausmacht, aber die Position der Kirche wird von evangelikalen Gruppen angefochten und die politischen Beziehungen sind angespannt. Der Heilige Geist, der alle Prognosen durcheinander gebracht hat, hat uns einen Papst geschenkt, dessen Arbeit seit mehreren Jahren im Einklang mit den Leitlinien der letzten Synode zur “Neuevangelisierung” steht.

In seiner ersten Rede an die Gläubigen forderte der Heilige Vater dazu auf, “einen Weg der Brüderlichkeit,  der Liebe und der Evangelisierung einzuschlagen”. Und er wird die Gelegenheit haben, auf die Schlussfolgerungen der Synode zur Neuevangelisierung zurückzukehren, wenn er das Abschlussschreiben verfassen wird.

Im Johannes-Evangelium sagt uns Jesus, dass ER das Licht ist; wer dem Herrn folgt “wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben” (Joh 8,12). Der Herr lädt uns Christen dazu ein, ein Licht für die Welt zu sein, ein Licht der Hoffnung in eine Welt  von Gewalt, Leid, kriegerischen Auseinandersetzungen und Ungerechtigkeiten zu tragen.

Er lädt uns dazu ein, das Licht des Glaubens in unsere Region des Nahen Ostens zu bringen: dorthin, wo das Christentum geboren wurde, dorthin, wo die Mutter-Kirche von Jerusalem geboren wurde, dorthin,  wo jeder Christ geboren ist. Deshalb muss die Neuevangelisierung, um modern und effizient zu sein, von Jerusalem aus beginnen:

– Beginnend von der ersten christlichen Gemeinde, eifrig im Lesen des Wortes Gottes, im Brotbrechen und der Solidarität

– Beginnend von der ersten in der Person Christi verwurzelten Gemeinschaft, die einen Grund dafür hatte, bereit zu sein  jedes Opfer bis zum Martyrium zu bringen. Daher erneuere ich meine Einladung an alle Pilger in der Welt und als erstes an Papst Franziskus, der herzlich willkommen ist, ins Heilige Land zu kommen.

Kommen auch Sie, um wie Petrus und Johannes das leere Grab zu sehen. Eine Pilgerreise zu den Heiligen Stätten und den “lebenden Steinen” ist der beste Weg, um unseren Glauben und den der Pilger zu beleben. Sie erlaubt ein besseres Verstehen der kulturellen, geschichtlichen und geografischen Hintergründe, in dem Umfeld, in dem sich die Mysterien erfüllt haben, an die wir glauben und von denen das wichtigste das Fest ist, das wir heute feiern: die Auferstehung.

Unsere Kirche lebt in einem Nahen Osten, der leidet. Das Jahr des Glaubens reagiert auf die spezifischen Probleme. Zunächst denke ich an all die Opfer und syrischen Flüchtlinge, die in die Nachbarländer geflohen sind und dabei ganz besonders im Hinblick auf unsere Diözese nach Jordanien, aber auch an alle Christen des Heiligen Landes, die versucht sind, zu emigrieren. Unserer “kleinen Herde” möchte ich noch einmal wiederholen, dass das Fest der Auferstehung ein Grund zur Hoffnung für eine Welt ist, die von schweren Tragödien – oft  durch menschliche Gewalt verursacht – gezeichnet ist. An Ostern sind die Kreuze unseres Lebens nicht verschwunden. Gott hat sie nicht beseitigt, aber er hat einen Weg inmitten des Leidens geöffnet und möchte diesen jeden Tag für uns öffnen.

Als  Christen im Nahen Osten zu leben ist keine Wahl, sondern eine Berufung. Nur über den Weg des Kreuzes kommt man zur Auferstehung. “Oft schreckt uns das Kreuz, da  es die Negation des Lebens zu sein scheint. Aber das  Gegenteil ist der Fall! Es ist das “Ja” Gottes zum Menschen, des höchsten Ausdrucks seiner Liebe und die Quelle, aus welcher das ewige Leben strömt. Aus dem offenen Herzen Jesu am Kreuz strömte dieses göttliche Leben, immer bereit für diejenigen, die ihre Augen auf das Kruzifix richten “, sagte Benedikt XVI. während des Weltjugendtages in Madrid. Seit des Ostermorgens ist die christliche Hoffnung grenzenlos. Keine Nacht ist so dunkel, dass sie nicht von IHM, der das Grab besiegt hat, erleuchtet werden kann. Es gibt keine Länder mehr zu erobern, sondern Herzen. Herzen, die zu dem Frieden erzogen sein müssen, den  der Herr uns schenkt, und der uns zu Menschen des Friedens macht. Erneut rufe ich  die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich nicht auf Reden und Besuche zu beschränken, sondern konkrete und effektive Entscheidungen zu treffen, um  eine faire und ausgewogene Lösung für die palästinensische Sache zu finden, die die Quelle aller Probleme im Nahen Osten ist.

Im November 2010 haben wir persönlich den heutigen  Papst in Argentinien getroffen, und wir konnten an die Diaspora-Situation der Christen des Nahen Ostens in Lateinamerika erinnern. Argentinien hat viele Immigranten aus dem Nahen Osten aufgenommen. Der Papst war sich des Problems, das durch die Abwanderung der Menschen aus dem Heiligen Land entsteht, voll bewusst, da er Ordinarius der in seinem Land wohnhaften Gläubigen des Orientalischen Ritus gewesen ist. Ich bin überzeugt, dass der Heilige Vater  mit Kraft und Entschlossenheit die Arbeit Benedikt XVI.  für den Frieden im Heiligen Land und eine Annäherung zwischen den Völkern und Religionen der Welt fortsetzen wird. Hier im Heiligen Land besteht eine tiefe Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater und ein absolutes Vertrauen. Wir kennen alle das Interesse und alle Bemühungen für den Frieden, die vom Heiligen Stuhl zugunsten unseres Patriarchats und des Heiligen Land gemacht werden.

Als Christen sind wir Männer und Frauen der Hoffnung.  “Es gibt nichts Neues unter der Sonne”, steht im ersten Kapitel des Buches Kohelet… Hier aber ist ER, der alles neu macht und der gestorben war, auferstanden: er überwand den Tod und eröffnete allen Menschen der Weg zur Ewigkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, ich drücke Ihnen meine herzlichsten Wünsche für ein Frohes Osterfest aus: Es soll die Gelegenheit für eine gute Auferstehung unserer selbst, unserer Kirchen und unseres Heiligen Landes sein.  Auf dass an diesem Ostermorgen ein neuer Frühling erwachsen kann.

Auf dass dieses Fest der Auferstehung Christi voller Licht Ihnen allen den Segen des Herrn bringe! Amen.

+ Fouad Twal, Patriarch