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Gepostet on 28 Mrz 2013 in Patriarch, Predigten FT

Gründonnerstag 2013 – Predigt am heiligen Grab

Gründonnerstag 2013 – Predigt am heiligen Grab

JERUSALEM – Am diesen Donnerstag, 28 März, 2013, feierte Patriarch Fouad Twal die Gründonnerstagsliturgie (Fußwaschung) in der Grabeskirche. Finden Sie hier die Predigt des Patriarchen.

Predigt am Gründonnerstag 2013

 jeudi saint album

Exzellenzen, liebe Padres, Ordensmänner und -frauen, liebe Pilger, liebe Gläubige: Ihnen allen ein frohes Fest.

An diesem Gründonnerstag sind wir hier in Jerusalem, wenige hundert Meter vom Abendmahlsaal entfernt,  mit Christus und seinen Aposteln zusammengekommen. Es ist der von Jesus gewählte Moment, um die zwei Sakramente, die des Priestertums und die der Eucharistie zu errichten.

“Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu”, sagte der Heilige Pfarrer von Ars. Diese schönen und  so ein signifikanten Worte  ermöglichen es uns, uns mit Liebe und Dankbarkeit daran zu erinnern, welch immense Gabe die Priester und Ordensmänner und -frauen nicht nur für die Kirche, sondern für die ganze Menschheit sind. “Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, das ist der größte Schatz, den der Liebe Gott einer Pfarrei geben kann und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit”.

Wir befinden uns am Anfang eines neuen Pontifikats mit Papst Franziskus, Vater der Armen, der nach dem Vorbild seines großen Meisters, mit einer Geste der Demut und Einfachheit, indem er die Gläubigen bat, für ihn zu beten, sein Pontifikat begonnen hat. Wir wissen, dass riesige und schwere Aufgaben  auf ihn warten: der Vatikan, die Kirche, die Priester sind wegen der Uneinigkeit und einiger Skandale und oft noch mehr wegen der schlechten Absichten der betroffenen Parteien das Ziel der Medien. An diesem Gründonnerstag liegt es uns am Herzen in unserem Gebet Gott darum zu bitten, uns zu helfen und unsere Kirche, unsere Herzen und unsere Absichten zu reinigen.

In der Vergangenheit war die Fußwaschung wegen des Staubs auf den  Straßen üblich. Wenn eine Person von einer Reise kam, wurde ihr oft eine Schüssel Wasser gereicht, um sich entweder selbst  oder vom  letzten der Diener  die Füße waschen zu lassen. Am Abend des Gründonnerstags kamen Jesus und seine Jünger am Ort des Abendmahles an, und dort übernahm er, der Lehrer und der Herr, den Dienst des letzten Dieners gegenüber seinen Jüngern. Im ersten Moment rebelliert Petrus, aber Jesus verleiht diesem Handeln eine besondere Bedeutung. Es ist nicht mehr nur ein Beispiel der Demut und Hingabe, sondern das Symbol einer spirituellen Reinigung, ohne die Petrus nicht Anteil an der Rettung hätte haben können (Joh.13,8) .

Schließlich versteht Petrus diese Geste besser und möchte  “vollständig gewaschen werden”. Liebe Freunde, in jedem von uns gibt es ein wenig dieses Heiligen Petrus, der mehr Vertrauen in sein eigenes Handeln und Denken hat, als  in Gottes Plan… und wer bereit ist, für den Herrn zu sterben, der ist auch bereit ihn aus Angst oder Scham zu verleugnen.

Lasst uns für unsere Kirche, für unser Heiliges Land und für den ganzen Nahen Osten beten, dass uns der Herr von jeglichem Staub der Trennung, jeglicher Untreue, Ungerechtigkeiten und dem Durst nach Macht wasche und reinige.

“Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe” (Joh 13,15). Jesus hat ein Beispiel eingeführt, das regelmäßig erneuert werden muß. Er drängt uns dazu, nach einer tiefen und konkreten Demut in unserem Leben, und vor allem in diesem Jahr des Glaubens, zu suchen.

Unser gemeinsamer Glaube gipfelt in der Eucharistie. Die Fußwaschung und die Einführung der Eucharistie beim letzten Abendmahl sind tief miteinander verflochten.

In der Eucharistie stellt sich  Jesus  in einer noch tiefer gehenden Art und Weise als bei der Fußwaschung in unseren Dienst. Er nährt uns mit seinem Fleisch und Blut. Er reinigt unser Innerstes und unsere Seelen. Er tröstet uns und gibt uns Kraft für unseren Alltag und, um  ihm als seine Jünger zu folgen.

Hier im Nahen Osten ist es eine Berufung zum Kreuz, Jünger Christi zu sein. Unser Herz blutet, wenn wir nach Syrien schauen, das zunehmend in einer Gewalt versinkt, die man mit nichts anderem als menschlichem Wahnsinn bezeichnen kann.

Unser Naher Osten leidet grausam bis in sein Innerstes. Und ich denke, die  Politiker werden niemals Demokratie und Gerechtigkeit einführen können, solange unser Heiliges Land unter dem Konflikt, der auf ihm lastet, leidet: der Friede im Heiligen Land ist der Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten.

Im Nahen Osten sind wir die Kirche des Kalvarienbergs, die seine Hoffnung in der Auferstehung und seine Kraft in der Eucharistie hat. Jesus gibt uns die Kraft auch weiterhin in diesem “Tal der Tränen” zu leben, “Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch” (Joh 15,4).

Mit ihm und in Gemeinschaft mit allen Freunden des Heiligen Landes sind wir nicht allein. Als Hirte dieser kleinen Herde von Christen im Heiligen Land, die in diesem  Land der Verheißung leidet, die die reale Präsenz am Ort des letzten Abendmahles nicht anbeten kann, lade ich Sie dazu ein, sich an die erste christliche Gemeinde von Jerusalem zu erinnern,die sehr bescheiden war, aber den Mut, die Kraft und die Hoffnung in der Anwesenheit von Christus gefunden hat. So können auch wir alle unsere Ängste, Sorgen und Leiden in die Eucharistie bringen.

Liebe Brüder und Schwestern des Heiligen Landes, liebe Pilger des Friedens,

“Das zerrissene Bild unserer Welt, die das neue Jahrtausend mit einem Spektrum von Terrorismus und Kriegstragödien begonnen hat, ruft die Christen mehr denn je dazu auf, die Eucharistie wie eine große Schule der Liebe zu leben..” (Mane Nobiscum Domine, 27). Ja, die echte Hilfe kommt tatsächlich aus dem Gebet und der Dankbarkeit gegenüber dem Herrn in der Eucharistie.

Ich appelliere an Euch, ihr Christen des Heiligen Landes, und an Sie, ihr Pilger, dass Ihr  in Euren Gemeinden und  Familien zu wahren Anbetern werdet, die regelmäßig an der Eucharistie teilnehmen, um daraus die Kraft zu erlangen, eine gerechte Gesellschaft und einen dauerhaften Frieden zu bauen. Ein Zeugnis hierfür ist bereits die wunderbare Arbeit der Nächstenliebe durch die christlichen Gemeinden, die Pfarreien und die Caritas in Jordanien für die syrischen Flüchtlingen.

In seiner Rede im Libanon anlässlich der Unterzeichnung des Apostolischen Schreibens “Ecclesia in Medio Oriente”, sagte Benedikt XVI.: “Ihr Kirchen im Nahen Osten fürchtet euch nicht, denn der Herr ist mit euch bis ans Ende der Welt! Fürchtet euch  nicht, denn die Universalkirche begleitet euch mit ihrer  menschlichen und geistigen Nähe. ”

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie mit Freude und Demut dem  Herrn in der Heiligen Eucharistie in Erinnerung an seine Worte “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28,20) begegenen.

Amen.

+ Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem