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Gepostet on 13 Mrz 2013 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese

„Mein Wunsch für Tunesien: dass eine echtes religiöses Gefühl bald zum Maßstab wird“

„Mein Wunsch für Tunesien: dass eine echtes religiöses Gefühl bald zum Maßstab wird“

Mgr-Ilario-NSRAMEH – Hier folgt ein Interview von Nicola Scopelliti mit dem gewählten Erzbischof Antoniazzi nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Tunis.

Es war wahrscheinlich eine der letzten Bischofsernennungen, die Papst Benedikt XVI vor seinem Rücktritt unterschrieben hat. Wie fühlen Sie sich?

„Das ist richtig. Mein Name ist einer der letzten, den Papst Benedikt XVI als Bischof akzeptiert hat. Ich habe immer großen Respekt und tiefe Zuneigung für diesen großen Papst empfunden. Sein Rücktritt macht ihn für mich noch größer, weil er seine Bescheidenheit und Handlungsfreiheit enthüllt. Ich bin stolz, von diesem Papst ausgewählt worden zu sein, und ich bin dankbar für das Vertrauen, das er in mich gesetzt hat. Daher bete ich zu Gott, dass ich dieser neuen Berufung gerecht werde.“

Welche Gefühle hatten Sie bei der Ernennung zum Erzbischof von Tunis durch den Hl. Vater?

„Ich kann sagen, dass ich nichts unternommen habe, um so eine Bürde und Ehre zu erreichen. Ich war immer als Mensch und Priester in meiner Pfarrmission erfüllt, zuerst in Jordanien, dann in Israel. Ich habe nur davon geträumt, die Erfahrung fortzusetzen, die für mich immer noch von Neuem geprägt ist, sogar nach 40 Jahren pastoralen Lebens.“

War die Wahl plötzlich und unerwartet?

„Die Wahl durch den Papst hat mich ein bisschen überrascht und mein Herz mit Verwunderung gefüllt. Ich fragte mich, “um Himmels willen, welche Vorstellung hat Gott von mir als Bischof von einem Land, das ich nicht kenne. Aber Seine Vorstellung wird mich auch die notwendige Hilfe und Gnade finden lassen.“ Ich bin zunehmend überzeugt, und ich habe es oft erfahren, je armseliger das Werkzeug, desto mehr wird der Herr seine Macht und Ehre zeigen.“

Was bedeutet diese neue pastorale Aufgabe für Sie?

„Ich sehe diese Aufgabe als Dienst an der Kirche. Schließlich ist es wichtig, den Willen des Herrn zu erfüllen. Ich habe in diesen 40 Jahren als Pfarrer versucht, Seinen Willen zu erfüllen. Mit Seiner Hilfe werde ich ihn als Erzbischof von Tunis erfüllen können, indem ich mich in den Dienst der Christen dieser Diözese stelle, die in der Vergangenheit von Heiligen und Märtyrern geziert wurde und die eine großartige Kirche geformt haben.“

Sie sind Italiener aus Treviso. Aber sie wurden Priester und haben sich schon als junger Mann in den Dienst der Mutterkirche von Jerusalem gestellt. Was heißt es für Sie heute, Erzbischof von Tunis zu werden?

„Ich wurde in der Provinz Treviso, in San Polo di Piave, einer Stadt bei Conegliano geboren. Als Kind fühlte ich schon den Ruf: „Verlass dein Land, deine Lieben, und geh in das Land, das ich dir zeigen werde“. Ich begann mit 13, nicht wissend, wohin ich ging, aber ich war aufgeregt, in das Land von Jesus zu gehen. Heute bitten sie mich, diesen Platz für einen anderen, den ich nicht kenne, zu verlassen. Ich glaube, der Herr will, dass ich mich nicht an einem Ort oder etwas binde und immer bereit bin, alles hinter mir zu lassen und nur auf Ihn zu vertrauen.“

Wie hat sich Ihre Berufung zum Priester entwickelt?

„Als Kind fühlte ich mich zum missionarischen Leben hingezogen. Zu diesem Lebensweg, auf den mich Don Sante Visentin von Oderzo, ein Priester und Pastor in Jaffa und Nazareth, gebracht hat, jedes Mal, wenn er nach Italien kam, um seine Schwester, meine Tante zu besuchen. Ich sprach oft vom Leben in der Wüste Jordaniens, dem gleichen Platz, an dem ich später 12 Jahre lang mit den Beduinen leben sollte. Ich bat meine Eltern um die Erlaubnis wegzugehen und trat in das Seminar von Pius X in Oderzo ein. Mein Vater sagte in Anwesenheit des Rektors: „Wer bin ich zu verhindern, was der Herr will?“ Und so reiste ich nach Palästina, dem Land, das meine zweite Heimat werden sollte. Ich war gerade 13 Jahre alt.“

Welche Erinnerungen haben Sie an diese Jahre im Hl. Land?

„Die erste Erinnerung: Tod, zu verschiedenen Zeiten starben zwei meiner Schulkollegen der Elementarschule. Ich überzeugte ihre Eltern davon, die Organe ihrer Kinder zu spenden. Für sie bedeutete es eine große Freude, mit dieser Gabe denen Hoffnung zu geben, die keine Hoffnung mehr hatten. Die zweite Erinnerung ist relativ jung: der Bau nach Jahren des Opfers, der Pfarrschule in Rameh, meiner letzten „Heimat“.“

Zusätzlich zum Priesteramt waren Sie auch verantwortlich für die Schulen des Lateinischen Patriarchats in Israel. Wie war Ihre Beziehung zu den jüdischen Behörden?

„Wir wurden respektiert und geschätzt für die von uns vertretene akademische Grundhaltung. Wir erzielten sehr gute Ergebnisse und setzten uns an die Topplatzierungen auf nationaler Ebene. Wir sind immer mit Strenge und Bestimmtheit für unsere Rechte als Christen eingetreten.“

Sie werden in Tunis ankommen und Ihren beiden Vorgängern folgen, die beide aus der Kirche von Jerusalem kommen, der gegenwärtige Lateinische Patriarch und der Weihbischof von Amman, Jordanien. Wie fühlen Sie sich?

„Ich bin stolz darauf, zur Geistlichkeit des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zu gehören und stolz, die Pastoralarbeit des Bischofs und jetzigen Patriarchen, Seiner Seligkeit Fouad Twal und des Bischofs Maroun Lahham, meines Schulkollegen, fortzusetzen. Beide haben unauslöschliche Zeichen in Tunesien gesetzt. Ich hoffe, mit der Gnade Gottes wird es mir möglich sein, dasselbe zu tun.“

Was werden Sie den jungen Leuten in Ihrer neuen Diözese in einer Zeit großer wirtschaftlicher Probleme und möglicherweise sogar eine Identitätskrise sagen?

„Die arabischen Länder durchleben eine gesunde Krise nach Jahren der Müdigkeit, die durch die Kurzsichtigkeit der politischen Kräfte verursacht wurde. Jetzt wird alles in Frage gestellt. Sicher, sie wollen visionäre Führungskräfte, die sich nicht fürchten, Risiken zu übernehmen oder sogar ihr Leben zu riskieren. Ihr Opfer, ihr Engagement ist wie das Weizenkorn, das zu Boden fiel, es wird viele Früchte bringen. Die gegenwärtige Krise sollte eine neue Führungsschicht bringen, die frei von religiösen Vorurteilen und inspiriert von einem gesunden Säkularismus ist. Meine Hoffnung für Tunesien ist ein echtes religiöses Gefühl, das bald zum Maßstab für ein Land auf der Suche nach Identität und Ruhe ist.“

Erlebt die Diözese Tunesien eine Periode kleiner Turbulenzen?

„Ich kann die Tatsache nicht leugnen, dass ich ein bisschen Angst fühle bei meinem Aufbruch in ein turbulentes Tunesien. Ich glaube aber, dass die Kirche mit ihrer Geistlichkeit und ihren Gläubigen sich nicht aus dieser Krise fernhalten sollte, sondern ihren besonderen Beitrag zur Freiheit der Kinder Gottes und zum Geist des Evangeliums sicherstellen muss, der Liebe, Respekt und Vergebung ist, aber gleichzeitig auch Gedankenfreiheit und positive Handlung. Christen müssen Respekt vor Diversität zeigen, damit Friede und Fortschritt in Toleranz gebettet sind, und damit keiner das Recht hat, auf ein Monopol auf Wahrheit zu pochen oder schlimmer noch, zu richten oder zu verdammen im Namen Gottes.“

Was erwarten Sie sich von den Christen in Tunis?

„Ich hoffe, sie werden mich als Bruder annehmen, der ihre Sprache spricht und den der Herr erwählt und zu ihnen gesandt hat als einen Vater aus einem weit entfernten Land. Ich bin auch überzeugt, dass sie schon für ihren neuen Hirten beten.“

Wie werden Sie Ihre Beziehung zu den neuen Priestern aufbauen, Ihrer „Familie“, wie Sie sie nennen?

„Mein Engagement wird so sein wie bei jedem Familienmenschen. Ich werde meine Priester beraten und ihnen zuhören. Durch brüderliche Nächstenliebe und die Liebe Gottes und durch Seine Gnade werden wir die Schwierigkeiten bewältigen und in Frieden leben.“

Wann werden Sie nach Italien kommen, Ihrem Heimatland?

„Zuerst möchte ich meine neue Diözese begrüßen. Ich werde die Priester und gläubigen Laien treffen. Dann werde ich die tunesischen Behörden treffen. Danach werde ich nach San Polo di Piave reisen. Ich möchte meine Familie und alle Einwohner der Stadt begrüßen. Ich werde in die Kirche gehen, in der ich getauft und im Glauben erzogen wurde. Ich werde meine Familie besuchen, wo alles begann…“

Nicola Scopelliti

Der ernannte Erzbischof Ilario Antoniazzi wurde am 23. April 1948 in San Polo di Piave in der Provinz Treviso geboren. Er trat am 22. Dezember 1962 in das Seminar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem in Beit Jala ein. Am 24. Juni 1972 wurde er von S.S. Giacomo Beltritti zum Priester geweiht und übte sein Priesteramt in Süd Zarqa, Fuheis, Marka, und Smakieh, alle in Jordanien, aus. Er studierte 1992 in Rom und erwarb ein Diplom in Spiritualität. Seit 1995 war er Pfarrer in Rameh, Israel.