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Gepostet on 5 Mrz 2013 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese

„Als Christen sind wir eine Kirche, deren Kreuzweg noch nicht zu Ende ist…“

„Als Christen sind wir eine Kirche, deren Kreuzweg noch nicht zu Ende ist…“

crowning_of_thorns_mass_6-300x255JERUSALEM – Zwei Tage nach Beginn der Fastenzeit wurde am Freitag, den 15. Februar die traditionelle Erinnerung an die Krönung Christi mit Dornen in der Konventskirche Ecce Homo  gefeiert. Die Schwestern von Sion und die Chemin Neuf Gemeinde sind mit diesem Konvent betraut. Seine Seligkeit Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, feierte die heilige Messe und erinnerte in seiner Predigt daran, dass „wir hier im Hl. Land und im Nahen Osten im Allgemeinen erstickt werden von den Dornen des Krieges, der Gewalt, des Extremismus, der Instabilität, Migration, Ungerechtigkeit. Hier im Hl. Land leidet Jesus weiter, wenn Gläubige getrennt werden, wo Ungerechtigkeit regiert, wo zahlreiche Migranten und Flüchtlinge misshandelt werden.“ Hier ist die Predigt des Patriarchen.

Die Dornenkrönung – 15. Februar 2013

Liebe Gemeinden der Schwestern von Sion und Chemin Neuf,

Liebe Brüder und Schwestern,

1. Hier stehen wir am Beginn der Fastenzeit, zwei Tage nach dem Aschermittwoch, wie es Tradition in Jerusalem, in der Konventskirche Ecce Homo, ist. Wir erinnern uns an die Dornenkrönung von Jesus Christus. Wir haben die 40 Tage der Fastenzeit begonnen, die uns zu Ostern führt. In einem Übermaß an Liebe, das wir nie völlig begreifen werden, gab Jesus, der Sohn Gottes, sein Leben hin zur Ehre Gottes und zur Rettung der Welt. Heute gehen wir von der Erzählung des Evangeliums aus, um nachzudenken, zu meditieren, uns zu vertiefen in das dritte leidvolle Mysterium, das Mysterium des Rosenkranzes, die Dornenkrönung.

2. Jesus wurde mit Dornen gekrönt, Jesus wurde beleidigt, erniedrigt, der Lächerlichkeit preisgegeben, dem allgemeinen Spott und Gelächter und allen möglichen Formen der öffentlichen und persönlichen Erniedrigung: das ist in diesem dritten Mysterium dargestellt. Jesus litt in seinem Körper, in seinem Herzen. In Gethsemane durchdringt die Drangsal Seine heiligste Seele.

Mit der Dornenkrönung, mit dem was vorher geschieht und dem, was folgt, mit allen Tränen und Schreien Christi, leidet Gott Vater mit seinem Sohn. Dieses Opfer enthüllt die Liebe des Vaters, bereit das Leben des Sohnes zu opfern, um unser aller Leben, wie wir sind, zu erlösen. Durch die Leiden Jesu sagte er „ich liebe euch“. Die Liebe von Christus ist stärker als der Schmerz, den sein Menschsein erleidet. Seine Liebe verleiht Ihm Seine wahre Königswürde. Diese Dornen umgeben die Stirn des Erlösers als Kröne der Ehre, weil Jesus diese Krone, diese und keine andere, mit Liebe annahm. Jesus wollte das Königreich der Liebe, ein Königreich nicht von dieser Welt.

3. Als Christen sind wir aufgerufen, unsere Dornenkrone zu tragen, das heißt bereit zu sein, um Christi willen zu leiden und sein Leiden zu teilen. (1 Petr 1:21). Jesus sagte, dass jeder, der ihm folgen will, sein Kreuz tragen muss (Lukas 9:23). Werde ein Jünger Jesu, nicht nur durch Nachfolgen, sondern auch, indem wir in uns tragen, was in Christi Betrübnis noch fehlt (Kol 1:24).

Hier im Hl. Land und im Nahen Osten im Allgemeinen, sind auch wir unterdrückt von den Dornen des Krieges, der Gewalt, des Extremismus, der Instabilität, Migration, Ungerechtigkeit. Hier im Hl. Land leidet Jesus weiter, wenn Gläubige getrennt werden, wo Ungerechtigkeit regiert, wo zahlreiche Migranten und Flüchtlinge misshandelt werden.

Wir tragen eine Krone aus Stacheldraht, eine Tunika aus Beton und Graffiti. Und wir Christen bilden eine andere Kalvarienberg-Kirche des Kreuzweges, der noch nicht vollendet ist.

Wir, die wir als Jünger Jesu im Land der Erlösung zu leben versuchen, müssen zustimmen, wie Simon von Zyrene einen Teil des Kreuzes von Jesus zu übernehmen. Wir müssen gewillt sein, als unwürdige Nachkommen von Veronika, einen Teil des Sputums zu übernehmen, das das Gesicht des Herrn beschmutzt hat. In jedem von uns leben ein weiterer Simon von Zyrene und eine schöne Veronika, die es wagen, dem Nachbarn die Hand zu reichen. Ich bin stolz auf unsere Kirche in Jordanien, wo die jordanische Caritas Wunder für hunderttausende syrische Flüchtlinge tut.

4. Es ist uns nicht gestattet, Glaube und Hoffnung zu verlieren. Unsere Berufung liegt zwischen Kalvarienberg und Hoffnung. Und „die Hoffnung enttäuscht nie“ (Röm. 5:5). Wir tragen stolz die Krone, die die Identität unserer Berufung ist, und wir verbinden sie mit der Passion Christi. Das bedeutet auch die Berufung einer persönlichen Umkehr der Herzen, damit der alte Mensch stirbt. Es bedeutet Leiden, das Herz und Gefühle reinigt; je mehr die Liebe wächst, desto mehr akzeptiert sie den Schmerz als Begleiter. Aber der Anblick des Gekreuzigten gibt uns Stärke, Geduld, manchmal führt Gehorsam zu Demütigung, Verachtung der Menschenwürde oder bis zum Tod. Vergesst nicht, dass auch der Herr gestorben ist und vergeben hat. Er siegte.

5. Wir wissen, dass nur Jesus, der durch Drangsal und Tod zur Auferstehung gegangen ist, Heil und Frieden für alle Menschen dieser Region der Erde bringen kann (cf. Acts 2:23-24,32-33). Er allein ist Christus, der Sohn Gottes, den wir verkünden. Lasst uns daher bereuen und umkehren, „damit unsere Sünden getilgt werden, damit Zeiten der Erneuerung kommen können“ (Acts 3:19-20a)

6. Wir tragen diese Krone in der Hoffnung, eines Tages in der Freude des himmlischen Königreiches leben zu können. Die Dornenkrone wird zur Krone der Ehre.

Vergesst nicht, dass wir Miterben von Jesus sind ,und er wird seine Ehre mit uns durch den Hl. Geist teilen, der uns krönt mit der Ehre Gottes, einer glorreichen Krone, die uns von einem guten und gnädigen Gott angeboten wird, einer unbestechlichen Krone, die ewig währt (1Petr 5, Jak 4 und 1.12).

Lernen wir während der Fastenzeit, uns im Gebet zu vereinen, in der Liebe zur Person Christi und mit allen Menschen, die leiden, und lernen wir zu meditieren über die Zeichen der Passion und darüber, was Er für uns erlitten hat. Die Heilige Maria, die Jesus in der Krönung der Passion begleitet hat, sagt uns, dass der Rosenkranz auch eine Krone ist: die Krone des Gebets.

Liebe Brüder und Schwestern, möge uns die Heilige Maria führen und durch die Fastenzeit bis zum heiligen Osterfest begleiten.

Amen

+ Fouad Twal, Patriarch