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Gepostet on 12 Feb 2013 in Kultur, Politik und Gesellschaft

So schüren Schulbücher den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern

So schüren Schulbücher den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern

Manuel scolaire articleEine 2009 begonnene Studie, welche der Rat für Religiöse Institutionen im Heiligen Land (bestehend aus Juden, Christen und Muslimen) nicht unterzeichnete, wurde am Montag, dem 4. Februar 2013 veröffentlicht. Finanziert vom U.S. State Departement zeigt sie auf, wie sowohl palästinensische als auch  israelische Bücher  jeweils nur ihre historische Sichtweise anhand selektiver Ereignisse darstellen. Andererseits beinhalten die Lehrbücher aber auch keine gegenseitigen Dämonisierungen.

Drei Experten haben drei Jahre lang die Schulbücher der beiden Völker, der Israelis und der Palästinenser, gelesen, untersucht und analysiert:  Professor Sami Adwan von der Universität Bethlehem, Daniel Bar-Tal von der Universität Tel Aviv und Bruce Wexler von der Yale Universität in den USA. Es wurden insgesamt nicht weniger als 640 Bücher (492 israelische und 148 palästinensische) und mehr als 3000 arabische und hebräische Texte bewertet. Dies ermöglichte den Forschern ein Gegen-Lesen der Inhalte, die in israelischen und palästinensischen Schulen, sei es in öffentlichen und privaten, säkularen und religiösen, gelehrt werden und verdeutlichte so, wie beide Standpunkte die gegensätzliche Wahrnehmung des Konflikts nähren. „Opfer der eigenen Geschichte“ (siehe unten) zeigt, dass die Schulbücher beider Seiten eine stark manichäistische Weltsicht zum Ausdruck bringen, ohne jedoch den anderen irgendwie zu dämonisieren.

Geschichte und Geographie

Die Forscher hoben hervor, dass die Geschichtsbücher nur eine einzige Sichtweise bieten: „Sowohl israelische als auch palästinensische Bücher liefern einen einseitigen nationalen Narrativ. Die historischen Ereignisse werden in selektiver Weise dargestellt um den eigenen nationalen Narrativ zu bekräftigen“, so der Autor der Studie. Und andererseits: „Alle Fakten, über die man Schüler unterrichtet, stimmen. Sie zeigen jedoch nur den negativen Aspekt des anderen Volkes auf und fast nichts Positives.“ Der Bericht zeigt, dass die negative Darstellung der anderen Gemeinschaft, die fehlenden Informationen über deren Ziele und die positive Darstellung der eigenen Gemeinschaft in den Schulen der Ultraorthodoxen und den palästinensischen Schulen stärker zum Ausdruck kommt, als in den öffentlichen israelischen Schulen.

Eine interessante Schlussfolgerung liefern die Geographielehrbücher. Die Forscher untersuchten 83 Landkarten, die in palästinensischen Schulen benutzt werden und über 200 Landkarten, nach denen in Israel unterrichtet wird. In nur 4% der Karten in palästinensischen Schulbüchern scheint ein Staat „Israel“ mit entsprechenden Grenzlinien auf. Auf der anderen Seite erwähnen nur 13% der israelischen Lehrbücher die Palästinensischen Gebiete und deren Grenzziehung. „Mangelnde oder fehlende Information über den anderen dient dazu, dessen Anwesenheit als illegal anzusehen“, bemerkt die Studie.

Schließlich könnte die Palästinensische Autonomiebehörde diese Studie nützen, um eine Verbesserung ihres Bildungssystems anzukündigen. Von israelischer Seite wird die Studie als unprofessionell und parteiisch abgewertet. Jedenfalls meinen die Autoren, „grundsätzlich gibt es viel zu tun was das Bildungssystem anlangt, im Besonderen aber hinsichtlich der Schulbücher. Nur so kommen beide Parteien überein, den Weg des Friedens zu beschreiten.“

Christophe Lafontaine