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Gepostet on 25 Jan 2013 in Dialog, Ökumenismus

4. Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen

4. Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen

unité-latins-articleJERUSALEM- Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird weitergeführt. Gestern versammelten sich die Christen von Jerusalem in der Kirche von San Salvatore, um gemeinsam zu beten. Der römisch-katholischen Kirche im Nahen Osten wird als die “Lateinische Kirche” bezeichnet. Sie zählt etwa 95.000 Gläubige (27.000 in Israel,  20.000 in Palästina und 50.000 in  Jordanien). Im folgenden finden Sie die Texte, die vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen  veröffentlicht wurde.

 

Thema des Jahres 2013

Mit Gott gehen

(Micha 6, 6-8)

unité-latin-album

4. Tag

Mit Gott gehen
Unterwegs als Kinder der Erde

Lesungen

Lev 25,8–23 Das Land ist Besitz Gottes und nicht persönliches Eigentum
Ps 65,5–13 Alle Frucht kommt von Gott
Röm 8,18–25 Das sehnsüchtige Warten der Schöpfung auf Erlösung
Joh
9,1–11 Jesus heilt mit Speichel und Erde

Meditation

Mit Gott gehen heißt: Demütig erkennen, dass wir ein Teil der Schöpfung sind. Dankbar dürfen wir die Schöpfungsgaben Gottes empfangen. Wir sind dabei zu lernen, dass wir unsere Stellung in der Schöpfung Gottes neu verstehen müssen. Unter Christen gibt es eine wachsende Achtsamkeit für die ökologische Frage. Das gehört dazu, wenn wir mit Gott, dem Schöpfer gehen. Deshalb sind alle Christen aufgerufen, die Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober als „Schöpfungszeit“ zu begehen. In vielen Kirchen ist das bereits gute Tradition. 1989 proklamierte der Ökumenische Patriarch Dimitrios I. den 1. September als Tag des Gebets für die Umwelt. In der Orthodoxen Kirche beginnt das liturgische Jahr an diesem Tag. Dabei wird an die Erschaffung der Welt durch Gott gedacht. Am 4. Oktober erinnern viele Kirchen der westlichen Tradition an Franz von Assisi, den Autor des „Sonnengesangs“, der ja nichts anderes ist als ein Lobpreis des Schöpfers. Mit Anfang und Ende der „Schöpfungszeit“ sind also die östlichen und westlichen Schöpfungs-Traditionen der Christenheit verbunden.

Die Kirchen in Deutschland begehen den ersten Freitag im September als besonderen Schöpfungstag.

Gott geht es um die Erlösung der ganzen Schöpfung. Dass Gott an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit in Jesus Mensch geworden ist, ist bei aller Unterschiedlichkeit der christlichen Traditionen ein zentraler Punkt, an dem sich alle Christen treffen. Der von allen geteilte Glaube an die Menschwerdung Gottes trägt das Bewusstsein für die Bedeutung der Schöpfung in sich – der Körperlichkeit, der Erde, des Wassers und all dessen, was uns Kinder der Erde ernährt. Jesus ist voll und ganz Teil dieser Welt. Vielleicht befremdet es uns, wenn wir hören, wie Jesus heilt: Aus Erde und Speichel macht er einen Brei, den er dem Blinden aufträgt. Aber genau so wird deutlich, wie sehr Gott der Schöpfung verbunden ist. Wo wir unsere Geschöpflichkeit annehmen, gehen wir mit Gott.

Es sind oft die ärmsten Menschen, die die Erde bearbeiten, überall auf der Welt. Und gerade sie haben am Ertrag der Erde den geringsten Anteil. Zugleich aber sind es gerade die Gemeinden, die schonende und nachhaltige Formen der Bearbeitung des Landes bewahrt haben, die sorgfältig umgehen mit der Erde.

Zum sorgfältigen Umgang mit der Erde gehört es auch, sich der Frage zu stellen, wie alle Menschen auf und von der Erde menschlich leben können. Dass viele Menschen vom Besitz des Landes ausgeschlossen sind und es unter oft entwürdigenden Bedingungen bearbeiten müssen, ist für viele Christen eine wichtige Motivation zum gemeinsamen Handeln. Das sogenannte „Heiligkeitsgesetz“ zeigt mit dem „Jubeljahr“ eine Richtung auf, wie Ungerechtigkeit und Ausbeutung überwunden werden können: Alle haben Anteil am Land und alle 50 Jahre fällt das Land an die zurück, die es, aus welchen Gründen auch immer, verloren hatten. Inwiefern das in modernen Gesellschaften praktikabel ist, sei dahingestellt. Deutlich ist, es geht um eine veränderte Einstellung zu Land und Landbesitz. Niemandem ist Land gegeben, um „den anderen zu übervorteilen“, vielmehr dient die Bearbeitung des Landes dem Wohlergehen aller. Das ist nicht einfach eine „religiöse Idee“. Vielmehr geht es um die sehr reale wirtschaftliche und gesellschaftliche Frage, wie mit dem Land umgegangen wird, wie es gekauft und verkauft wird.

Gebet

Gott des Lebens, wir danken dir für die Erde und für all jene, die sie behüten und bewahren und die sie bebauen. Lass uns durch deinen Geist erkennen, dass wir Teil der Schöpfung sind. Lehre uns, sorgsam mit der Erde umzugehen und lass uns das Seufzen der Schöpfung hören. Hilf uns, Christus gemeinsam nachzufolgen und zu heilen, was verwundet ist. Stärke unsere Bereitschaft, die Erde und was sie hervorbringt, gerecht zu teilen.

Gott des Lebens, führe uns hin zu Gerechtigkeit und Frieden. Amen

Fragen

• Wo handeln wir als Christen gemeinsam im Geist des „Jubeljahres“?
• Wo sind wir als Einzelne, als Gemeinden und Kirchen daran beteiligt, dass die Erde entwürdigt und ausgebeutet wird?
• Wie können wir miteinander einen anderen Umgang mit der Schöpfung Gottes lernen?