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Gepostet on 24 Jan 2013 in Dialog, Ökumenismus

Interview mit Pater Frans Bouwen zur Ökumene im Heiligen Land

Interview mit Pater Frans Bouwen zur Ökumene im Heiligen Land

Père-Frans-Bouwen

Jerusalem – Am Vorabend der Gebetswoche für die Einheit der Christen erläutert uns Pater Frans Bouwen von den Weißen Vätern, Spezialist der orientalischen Kirchen und des Dialogs mit den christlichen Kirchen im Orient, seine Vision der Ökumene im Heiligen Land.

1) Können Sie uns eine Bestandsaufnahme der ökumenischen Problematik im Heiligen Land skizzieren?

Die Ökumene ist eine lebendige Realität, die ihre Höhen und Tiefen wie jeder Mensch oder jede lebendige Organisation durchläuft. Es ist deshalb sehr schwierig, davon eine Bilanz zu ziehen. Wir können uns freuen, dass die Beziehungen unter den Kirchen von Jerusalem sowohl auf dem Niveau der Bischöfe und Patriarchen als auch auf dem Niveau der Gläubigen derzeit von Spontanität und Freundschaft gekennzeichnet sind. Viele der erst kürzlich von Priestern und Laien unternommenen Initiativen zeigen, dass die Ökumene in der Basis feste Wurzeln schlägt. Dies ist inmitten der zahlreichen aktuellen Veränderungen in der Region des Nahen Ostens von großer Bedeutung. Unsere Christen sind sich dessen bewusst, dass sie nur gemeinsam die Zukunft ihres Land sichern können, und es ist sehr ermutigend zu sehen, dass sie in ihren Bemühungen von zahlreichen Priestern und Bischöfen unterstützt werden. Viele von uns wünschen sich eine bessere ökumenische Zusammenarbeit in der Pastoral, doch wir sind uns auch der ernsthaften Hindernisse bewußt, die noch auf diesem Weg vor uns liegen.

2) Werden die Entscheidungen, die hinsichtlich des ökumenischen Dialogs auf der Synode des Nahen Ostens im Oktober 2010 getroffen worden sind, bald umgesetzt werden?

Im Dezember vergangenen Jahres fand in Beirut ein Treffen katholischer Patriarche und Bischöfe statt, um die Umsetzung der Richtlinien der besonderen Synode für den Nahen Osten im Lichte des post-synodalen Apostolischen Schreibens Ecclesia in Medio Oriente, die der Papst Benedikt der XVI. den Kirchen dieser Region auf seiner Reise in den Libanon im letzten September übergeben hat, zu diskutieren und zu fördern. Hier in Jerusalem haben wir leider kaum Neuigkeiten darüber, was genau entschieden wurde. Außerdem müsste man neben den gemeinsamen Entscheidungen, die den gesamten Nahen Osten betreffen, in Anbetracht der großen Differenzen aufgrund der verschiedenen Situation auch eine lokale Umsetzung für jedes einzelne Land vorsehen. Wir, die Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien sind währenddessen schon eingeladen, die spirituelle Ökumene, die der Papst besonders in diesem Schreiben hervorgehoben hat, zu vertiefen. Es wäre hilfreich, wenn jeder den Paragraphen 12 meditieren würde: „Auf der Basis der Richtlinien der Ökumenischen Verordnung können die katholischen Gläubigen die spirituelle Ökumene in den Pfarreien, Klöstern, Schulen, Universitäten und Seminaren fördern. Die Priester sollten die Gläubigen dazu anregen, Zeugen der Kommunion in allen Lebensbereichen zu werden. Diese Kommunion heißt natürlich nicht Verwirrung. Ein authentisches Zeugnis bedarf der gegenseitigen Anerkennung und des Respekts vor der anderen Religion, der Bereitschaft zum Dialog in Wahrheit, der Geduld als ein Zeichen der Liebe, der Einfachheit und Demut desjenigen, der sich als Sünder vor Gott und dem Nächsten bekennt, der Kapazität, auf persönlichem und gemeinschaftlichem Niveau zu verzeihen, sich zu versöhnen und sein Bewusstsein zu läutern.

3) Die Christen im Heiligen Land haben sich entschieden, Ostern am gleichen Tag zu feiern und sich dabei auf den Julianischen Kalender zu beziehen. Ist dies ein erster Schritt, dem weitere konkrete Schritte folgen werden?

Seit vielen Jahren forderten die Christen im Heiligen Land eindringlich die verschiedenen Daten des Osterfests zu vereinheitlichen. Vor allem die Familien der gemischten Ehen zwischen Katholiken und Orthodoxen spüren die praktischen Konsequenzen der Differenz zwischen den westlichen und orientalischen Osterdaten, die manchmal bis zu fünf Wochen betragen können, wie es zum Beispiel dieses Jahr der Fall ist. Kein gemeinsames Osterfest feiern zu können ist nicht gerade ein Zeugnis von gelebter Ökumene. Die katholischen, anglikanischen und lutheranischen Pfarreien der Region von Ramallah feiern schon seit 15 Jahren das Osterfest gemeinsam nach dem orientalischen Kalender. Man kann sich also freuen, dass die katholische Hierarchie in diesem Fall den Erwartungen der Gläubigen zugestimmt und die Daten koordiniert hat. Es ist noch zu früh, um die Auswirkung dieser ökumenischen Entscheidung abzuschätzen, da sich die griechisch-orthodoxe Hierarchie zu diesem Punkt recht zurückhaltend zeigt. Wir beten und hoffen, dass wir in diesem Jahr eine gute Erfahrung eines gemeinsamen Osterfestes machen werden, damit wir in Zukunft in der Ökumene weitere Schritte wagen können.

Das Interview führte Christophe Lafontaine

Um das Programm der Gebetswoche für die Einheit der Christen zu erfahren, bitte hier klicken.