Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 22 Jan 2013 in Lokalnachrichten, Politik und Gesellschaft

Interview mit Weihbischof Lahham zur politischen Lage in Jordanien

Interview mit Weihbischof Lahham zur politischen Lage in Jordanien

Interview-Mgr-Maroun-Laham articleAMMAN – Im letzten Oktober hatte König Abdallah II. das Parlament aufgelöst und somit den Weg für vorgezogene Wahlen am 23. Januar 2013 geebnet. Jordanien wird seit einiger Zeit von zahlreichen Demonstrationen, in denen politische und ökonomische Reformen gefordert werden, erschüttert. Noch dazu muss das Land mit dem Ansturm der syrischen Flüchtlinge fertig werden. Hier ein Interview zur aktuellen Lage mit Weihbischof Lahham, dem Patriarchalvikar für Jordanien.

1) Die humanitäre Situation der syrischen Flüchtlinge in Jordanien verschlimmert sich mit dem schlechten winterlichen Wetter dramatisch. Wie kommt ihnen das Vikariat zur Hilfe?

Die Lage der Flüchtlinge in Jordanien ist tatsächlich katastrophal. Jordanien verfügt leider nicht über ausreichende Strukturen und die Regenfälle und Schneestürme der letzten Wochen kamen für uns in dieser Region sehr überraschend. Die Caritas schickt den Flüchtlingen kontinuierlich Hilfe. Sie kümmert sich auch um die Kranken. Ich habe der Agentur Fides mitgeteilt, dass wir in Amman das Zentrum „Notre Dame de la Paix“ eröffnen, und unsere Kirchen und Pfarrsäle, um all diejenigen aufzunehmen, die dringend Hilfe brauchen, Christen und Muslime zugleich.

2) Es hat zahlreichen Demonstrationen in Ihrem Land gegeben. Ist der Arabische Frühling nun auch in Jordanien angekommen? Wie reagieren die Christen darauf?

Der Wind des Arabischen Frühlings weht nun auch in Jordanien, aber noch recht zaghaft. Die Christen schauen mit derselben Spannung zu, wie ihre muslimischen Landsleute. Wir sitzen letztendlich alle im gleichen Boot.

3) Kann der König den politischen und sozialen Protesten standhalten? Glauben Sie, dass die Moslembrüder die Überhand gewinnen könnten?

Ich glaube, dass der König stark und klug genug ist, standzuhalten. Die Moslembrüder sind immer da, auch wenn in letzter Zeit ihre Wirkung nachgelassen hat , vor allem nach ihrem Auftreten in Ägypten und in Syrien. Ich glaube jedoch nicht, dass sie sich durchsetzen werden.

4) Werden die Parlamentswahlen am 23. Januar ihrer Meinung nach die Reformen neu ankurbeln?

Ja. Jedenfalls hoffe ich es sehr. Warten wir ab.

5) Ermutigen Sie die Christen, wählen zu gehen? Geben Sie ihnen Ratschläge hinsichtlich der Wahlen?

Natürlich, es ist ihre Pflicht. Ich selbst werde auch wählen gehen. Der Patriarch hat sich hierzu in einem Schreiben alle Gläubigen Jordaniens gewandt.

Das Interview führte Christophe Lafontaine