Pages Menu
Categories Menu

Gepostet on 18 Jan 2013 in Kirche, Stimme des Heiligen Vaters

Der Papst ruft Jerusalem auf, eine Stadt des Friedens, nicht der Trennung zu werden

Der Papst ruft Jerusalem auf, eine Stadt des Friedens, nicht der Trennung zu werden

Quartier-chrétien-de-Jérusalem-300x225Vatikan Stadt – (VIS) Benedikt XVI empfing am Montag, dem7. Januar 20 13, die Mitglieder der Diplomatischen Corps, die beim Hl. Stuhl akkreditiert sind und 179 Länder vertreten, plus die UN und ihre Vertretungen, die europäische Union, den Malteser Orden, die PLO, acht internationale und fünf regionale Organisationen. Der Dekan der Botschafter Alejandro Valladares Lanza (Honduras) und Vize-Dekan Jean-Claude Michel (Monaco) begrüßten den Hl. Vater und sprachen im Namen aller Delegationen. Papst Benedikt sprach zur Versammlung und hob den Nahem Osten und die religiöse Freiheit hervor.

Auszüge aus der Botschaft des Hl. Vaters:

Zivile und politische Autoritäten haben vor allen anderen die bedeutsame Aufgabe, für den Frieden zu arbeiten. Sie sind die ersten, die aufgerufen sind, die zahlreichen Konflikte zu lösen, die in unserer menschlichen Familie Blutvergießen verursachen, beginnend mit dem Nahen Osten, jener im göttlichen Plan privilegierten Region. Ich denke zu allererst an Syrien, das durch endlose Schlachten auseinandergerissen ist, und das Bild des schrecklichen Leidens der Zivilbevölkerung. Ich erneuere meinen Aufruf zum Waffenstillstand und zu einem möglichst raschen Beginn eines konstruktiven Dialogs, der auf ein Ende des Konflikts abzielen sollte, eines Konflikts, der, wenn er fortgesetzt wird, keine Sieger kennt, sondern nur Besiegte, und hinter sich nichts als Ruinen lässt… Erlauben Sie mir, Sie zu ersuchen, dass Ihre Regierungen immer wieder daran erinnert werden, sodass lebenswichtige Hilfe rasch verfügbar wird in dieser schwierigen humanitären Situation.“

„Ich wende mich jetzt mit tiefer Betroffenheit dem Heiligen Land zu. Mit PalästinasAnerkennung als Beobachterstaat der Vereinten Nationen gebe ich wieder meiner Hoffnung Ausdruck, dass sich Israelis und Palästinenser  – mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft – zu einer friedlichen Koexistenz innerhalb des Rahmens von zwei souveränen Staaten verpflichten, wo Respekt für Gerechtigkeit und die legitimen Bestrebungen von zwei Völkern bewahrt und garantiert werden. Jerusalem, werde, was dein Name sagt! Eine Stadt des Friedens und nicht der Trennung; eine Prophezeiung des Königreichs Gottes und nicht der Inbegriff für Instabilität und Opposition.!“

„Wenn ich meine Gedanken dem  irakischen Volk zuwende, drücke ich meine Hoffnung aus, dass sie dem Weg der Versöhnung folgen werden, um die Stabilität zu erreichen, nach der sie sich sehnen.“

„Im Libanon, wo ich im vergangenen September  verschiedene Gruppen der Gesellschaft traf, sollen die vielen religiösen Traditionen von allen gepflegt werden als ein echter Schatz für das Land und für die ganze Region, und mögen die Christen ein wirkungsvolles Zeugnis für die Bildung einer Zukunft im Frieden abgeben, gemeinsam mit allen Männern und Frauen, die guten Willens sind.“

„Auch in Nordafrika ist die Zusammenarbeit zwischen allen Mitgliedern der Gesellschaft von primärer Bedeutung, und jedem einzelnen muss die volle Staatsbürgerschaft garantiert werden, die Freiheit, ihre Religion öffentlich zu bekennen und die Möglichkeit, zum Gemeinwohl beizutragen. Ich versichere alle Ägypter meiner Nähe und meiner Gebete zu dieser Zeit, in der neue Institutionen eingeführt werden.“

Um unser heutiges Treffen fortzusetzen, möchte ich hinzufügen, dass der Frieden in unserer Gesellschaft auch durch Bedrohungen der religiösen Freiheit gefährdet ist: Es ist manchmal eine Frage des An-den Rand-Drängens der Religion im gesellschaftlichen Leben; manchmal sogar eine Frage der Intoleranz oder Gewalt gegen Individuen, gegen Symbole religiöser Identität oder gegen religiöse Einrichtungen. Es komme sogar vor, dass Gläubige, und im Besonderen Christen davon abgehalten werden,  durch ihre Bildungs- und Wohltätigkeitseinrichtungen  zum Gemeinwohl beizutragen. Um die Ausübung der religiösen Freiheit wirkungsvoll zu sichern, ist es notwendig, das Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen zu respektieren. Diese Grenze der Freiheit berührt Prinzipien von großer Bedeutung für einen ethischen oder religiösen Charakter, begründet in der jeweiligen Würde der menschlichen Person. Sie waren und sind die tragenden Mauern jeder Gesellschaft, die wirklich frei und demokratisch sein will. Wenn man daher individuelle oder institutionelle Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen im Namen von Freiheit und Pluralismus verhindert, öffnet man paradoxerweise im Gegensatz die Tür zu Intoleranz und erzwungener Gleichförmigkeit.“

„Darüber hinaus ist Friedensbildung durch Dialog in einer immer offener werdenden Welt nicht länger eine Wahl, sondern eine Notwendigkeit! Aus dieser Perspektive ist die gemeinsame Erklärung zwischen dem Präsidenten der polnischen Bischofskonferenz und dem Patriarchen von Moskau, die vergangenen August unterzeichnet wurde, ein starkes Signal derjenigen, die an eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem polnischen und dem russischen Volk glauben. Ich möchte auch das Friedensübereinkommen erwähnen, das kürzlich auf den Philippinen abgeschlossen wurde, und ich möchte die Rolle des Dialogs zwischen den Religionen für eine friedliche Koexistenz in der Region von Mindanao unterstreichen.“

„Am Ende der Enzyklika Pacem in Terris schrieb mein Vorgänger, der Selige Johannes XXIII, dass Friede „ein leeres Wort“ bleibt, wenn es nicht genährt und vervollständigt wird durch Nächstenliebe (AAS55 (1963), 303). Und tatsächlich steht es im Herzen der diplomatischen Aktivitäten des Hl. Stuhls und der Bedenken des Nachfolgers von Petrus und der gesamten katholischen Kirche. Nächstenliebe kann nicht den Platz der Gerechtigkeit, die verleugnet worden ist, einnehmen; und auch die Gerechtigkeit kann andrerseits nicht die Nächstenliebe, die verweigert worden ist, ersetzen. Die Kirche praktiziert täglich Nächstenliebe in Werken der sozialen Hilfe wie in Spitälern oder Kliniken, ihren Erziehungseinrichtungen wie Waisenhäuser, Schulen, Hochschulen und Universitäten, und durch Hilfe für Menschen in Not, besonders während und nach Konflikten. Im Namen der Nächstenliebe möchte die Kirche auch allen jenen nahe sein, die auf Grund von Naturkatastrophen leiden. Ich denke an die Flutopfer in Südostasien und an jene, die vom Hurrikan an der Ostküste der USA betroffen sind. Ich denke auch an jene, die das Erdbeben erlebten, das einige Regionen in Norditalien verwüstet hat. Wie Sie wissen, wollte ich selbst hinreisen und für mich selbst den ernsten Wunsch sehen, wieder aufzubauen, was zerstört worden war. In diesem Moment der Geschichte hoffe ich, dass der Geist der Zielstrebigkeit und der geteilten Verpflichtung die gesamte geliebte italienische Nation bewegen wird.“

Um dieses Treffen abzuschließen, möchte ich erinnern, dass am Ende des 2. Vatikanischen Konzils Papst Paul VI Botschaften ausgesandt hat, die relevant bleiben, inklusive der an die Führer der Welt. Er ermutigte sie auf diese Art: „Ihre Aufgabe in der Welt ist es, Förderer der Ordnung und des Friedens unter den Menschen zu sein. Aber vergessen Sie das nie: „Es ist Gott, (…)der der großartige Hersteller von Ordnung und Frieden auf der Welt ist.“