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Gepostet on 8 Jan 2013 in Aktuelles aus der Diözese, Diözese

Seine Exzellenz Bischof Marcuzzo erinnert an das Zweite Vatikanische Konzil (Teil 1/2)

Seine Exzellenz Bischof Marcuzzo erinnert an das Zweite Vatikanische Konzil (Teil 1/2)

Das Zweite Vatikanische Konzil war am 11. Oktober 1962 von Papst Johannes XXIII. eröffnet und am 8. Dezember 1965 unter dem Pontifikat von Paul VI. geschlossen worden. Nach fünfzig Jahren erinnert Seine Exzellenz Bischof Marcuzzo, Patriarchalvikar für Israel in Nazareth, an dieses Konzil, das die Kirche und besonders das Heilige Land dermaßen geprägt hat (Teil 1/2).

1. Wie haben Sie das Zweite Vatikanische Konzil als “Konzilsseminarist” erlebt?

Ich habe das Konzil mit großem Enthusiasmus miterlebt. Wenn ich an dieses Konzil zurückdenke, kommt mir zunächst die damalige Atmosphäre ins Bewußtsein, dieser besondere Geist, der uns alle erfasste. Ich war zu der Zeit in meinem ersten Theologiejahr im Seminar in Beit Jala, was heute in den palästinensischen Gebieten liegt. Unsere Professoren im Seminar halfen uns, diesen wichtigen Moment in der Kirche mit seinen positiven und negativen Seiten zu analysieren. Das Konzil wurde mit großem Interesse, aber auch kritisch, verfolgt. Man stellte hohe Erwartungen an dieses Zweite Vatikanische Konzil.

2. Wie wurde das Konzil aufgenommen und von der Kirche im Heiligen Land durchgesetzt?

Es war für uns Seminaristen sehr beeindruckend zu sehen, wie bestimmte Entscheidungen sofort umgesetzt wurden. Ich denke vor allem an folgende Punkte:

Die Liturgie: die arabische Sprache wurde in die Liturgie integriert.

Das Wort Gottes: die Gläubigen wurden eingeladen, die gesamte Bibel zu lesen und den Katechismus, Predigten, etc. auf der Bibel zu gründen; die persönliche Meditation wurde zur Lectio Divina. Die Bedeutung, die nun dem Lesen der Bibel beigemessen wurde, gab neue Impulse und öffnete viele Türen, besonders auch für viele Berufungen.

Der Ökumenismus: Das Konzil war durch die historische Pilgerreise von Papst Paul VI. im Jahr 1964 geprägt  worden. Das bedeutende Treffen des Papstes mit Patriarch Athenagoras I. hier in Jerusalem führte dazu, dass die gegenseitige Exkommunizierung aufgehoben werden konnte. Dieses Treffen öffnete für die Einheit der Christen einen neuen Horizont; von nun an trafen sich die Bischöfe, Priester und Seminaristen der beiden Kirchen, und gegenseitiges Misstrauen und Angst voreinander konnten endlich abgebaut werden. Das war ein revolutionäres Klima.

Die neue Bedeutung der Laien: das Konzil forderte die Kirche auf, Pfarrgemeinderäte zu bilden und die Laien zunehmend in Beratungs- und Entscheidungsaufgaben mit einzubeziehen. Ein Schritt, der schon lange hier in der Kirche vom Heiligen Land erwartet wurde und seither den Laien mehr Mitverantwortung in der Kirche schenkte.

3. Was können Sie uns als Bischof von Nazareth über die Rolle der Gottesmutter Maria in diesem Konzil sagen?

Man weiß, dass es nach dem Konzil eine Krise der Berufungen, der Missionsarbeit etc. gegeben hat. Aber die Mariologie hat im Gegensatz an Wert dazugewonnen, auch seitens der Protestanten. Seit dem Konzil hinkte die Rolle der Gottesmutter nicht mehr hinterher, sondern fand nunmehr ihren richtigen Platz in der Kirche, nämlich im Zentrum des Erlösungsgedanken Gottes für die Welt.  Das Konzil akzentuierte die Mariologie, indem es in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium Maria ein ganzes Kapitel widmete. Als Tochter von Sion, Tochter aus Nazareth ist sie mir nun näher als zuvor. Das „Internationale Zentrum Maria von Nazareth“ (Centre Internationale Marie de Nazareth) ist eine Frucht dieser neuen Mariologie des Konzils. Im Mittelpunkt des Alten und Neuen Testaments steht Maria. Und in ihrem Innern ihr Herz und ihr Glaube. Maria ist uns ein Vorbild des Glaubens und öffnet uns auf natürliche Weise den Weg zum „Jahr des Glaubens“. Dies ist auch der Grund, warum unsere Diözese das Fest „Unserer Frau von Palästina“ am 28. Oktober zum Eröffnungsdatum des Glaubensjahres wählte. Hier in Nazareth werden wir uns in diesem Jahr besonders mit den Predigten der Päpste und Bischöfe  befassen, die hierhergekommen sind, und die vom Glauben Mariens sprechen.

Das Interview führte Amélie de La Hougue